Vierschanzentournee
Prevc vor Krönung, ÖSV-Adler heiß auf Sieg zum Abschluss
06.01.2026Der Triumph bei der 74. Vierschanzentournee ist für die österreichischen Skispringer nach dem Bergiselspringen noch unrealistischer geworden.
Denn Weltcup-Dominator Domen Prevc behielt am Sonntag in Innsbruck die Nerven und baute seinen Vorsprung auf das rot-weiß-rote Verfolger-Duo Jan Hörl und Stephan Embacher weiter aus. Vor dem finalen Dreikönigsspringen in Bischofshofen am Dienstag (16.30 Uhr/live ORF 1) hat der Slowene einen Respektabstand von 41,4 Punkten auf Hörl.
Embacher liegt weitere 0,3 Zähler hinter Hörl. Die beiden ÖSV-Adler müssten in den verbleibenden zwei Durchgängen umgerechnet fast 24 Meter aufholen, um Prevc doch noch abzufangen. Ob es deshalb mehr als ein Wunder benötigt? "Ja, schon", entgegnete Hörl nach seinem vierten Platz am Bergisel. "Ich bin Realist. Es wird schwer werden." Embacher will sich nach einer für ihn bisher traumhaften Tournee nicht mit Rechenspielen beschäftigen. "Ich hätte mir nicht gedacht, dass es für so weit vorne in der Gesamtwertung reicht", sagte der 19-Jährige.
Hörl will den Dominator schlagen
Allerdings könne immer etwas passieren, betonte Hörl und gab die kleine Hoffnung auf seiner Heimschanze nicht auf. "Es gilt, den Dominator zu schlagen und das werden wir versuchen." In der Qualifikation am Montag belegte der Pongauer den dritten Platz hinter dem klar siegreichen Prevc und Embacher. Zuvor hatte er die beiden Trainings dominiert. "Ich habe wieder bewiesen, dass ich ein Trainingsweltmeister bin. Im Wettkampf kommt ein bisschen mehr Anspannung dazu", erklärte Hörl.
Zwar ist der Tourneesieg in weite Ferne gerückt, ein Heimsieg in seinem "zweiten Wohnzimmer" ist für den Bischofshofener aber zumindest im Bereich des Möglichen. "Das war immer ein Traum", betonte Hörl. "Da bin ich groß geworden, im Skiclub und ich habe einen Weg, der nach mir benannt worden ist. Ich werde hoffentlich morgen nach der Siegerehrung meinen Weg gehen", sagte Hörl und lachte. Was es braucht, um Domen Prevc am Dreikönigstag zu schlagen? Routinier Stefan Kraft hatte eine ganz klare Antwort: "Einen Jan Hörl."
Schulterklopfer von Schlierenzauer
Embacher landete in der Qualifikation trotz eines nicht perfekten Sprunges auf dem zweiten Platz. "Es geht mir sehr viel auf", sagte der Teenager, der am Schanzentisch noch zu früh dran gewesen war. In der Mixed Zone in Bischofshofen bekam Embacher dann noch ermutigende Schulterklopfer von Mentor und ORF-Experte Gregor Schlierenzauer.
Der in den vergangenen Wochen so konstant springende Prevc kam am ersten Tag in Bischofshofen ebenfalls gut zurecht und seinem ersten Tourneesieg wieder einen Schritt näher. Der Weltcup-Dominator freute sich nach der Qualifikation über einen guten Sprung. "Es ist keine einfache Schanze, aber ich habe es gut hinbekommen", sagte er. In den jüngsten neun Weltcup-Bewerben feierte der Skiflug-Weltrekordler sieben Siege und wurde zweimal Zweiter.
Kein Grand Slam für Prevc
Am Bergisel fand Prevc nach einer Schrecksekunde in der Qualifikation, als er wegen starken Rückwindes nicht über Platz 30 hinausgekommen war, schnell wieder in die Spur. Am Ende musste sich der Großschanzen-Weltmeister um nur 0,5 Punkte dem japanischen Premierensieger Ren Nikaido geschlagen geben. "Ich war etwas nervös", gab Prevc zu. Der 26-Jährige verpasste damit den Grand Slam bei der Tournee, das Kunststück eines Vierfachsieges gelang bisher nur dem Deutschen Sven Hannawald (2001/02), dem Polen Kamil Stoch (2017/18) und dem Japaner Ryoyu Kobayashi (2018/19).
Embacher fehlten in einem Herzschlagfinale nur 0,7 Punkte auf seinen ersten Weltcupsieg. Der Tiroler freute sich nach der knappsten Entscheidung in Innsbruck seit 1982 dennoch über den dritten Platz und seinen insgesamt dritten Weltcup-Podestplatz. "Es waren wieder zwei Topsprünge, ich kann überglücklich sein", sagte der Youngster. Auch die Vorfreude auf das Tournee-Finale ist bei Embacher groß. "Ich bin super in Form und mag Bischofshofen sehr gerne. Ich werde mein Bestes geben, den Flow mitnehmen und dann angreifen."
ÖSV-Cheftrainer Widhölzl zufrieden
Andreas Widhölzl hofft wie im Vorjahr auf einen erfolgreichen Abschluss. "Bischofshofen kennen wir gut, wir können um den Sieg mitspringen", sagte der ÖSV-Cheftrainer, der zufrieden auf das Bergiselspringen zurückblickte. In Innsbruck fand nämlich auch Tournee-Titelverteidiger Daniel Tschofenig mit einem sechsten Platz wieder zu seiner Form. Tags darauf landete der Kärntner in der Bischofshofen-Quali auf Rang vier, war aber nicht ganz zufrieden. "Ich habe noch einiges liegen gelassen. Dafür ist das Ergebnis sehr gut." Die schönen Erinnerungen aus dem Vorjahr, als er sich mit dem Tagessieg auch die Tournee holte, werde sich der Gesamtweltcupsieger noch einmal in die Gedanken rufen. "Hoffentlich pusht es mich ein bissl."
Prevc könnte den goldenen Adler genau zehn Jahre nach dem Triumph seines Bruders Peter, der aktuell als Chef der Materialentwicklung im slowenischen Team tätig ist, wieder in die Familie holen. Dass die Paul-Außerleitner-Schanze seinem Flugstil entgegenkommt, spricht ebenfalls für den überlegenen Gesamtweltcupführenden. "Ich muss es einfach nur genießen, entspannen und wie ein Kind an die Sache herangehen", nahm sich Prevc für das Finale vor.