Optimistisch

Giger glaubt weiter an Medaille

24.02.2010

ÖSV-Herren-Cheftrainer ist überzeugt, im Slalom eine Medaille zu gewinnen.

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Frage: Nach dem Super-G-Debakel haben sie sich den Ärger laut herausgebrüllt. Was taten sie nach dem Riesentorlauf?
Giger: "Ich bin im Regen laufen gegangen, um wieder eine gute Einstellung zu mir selbst zu bekommen. Die Plätze 4, 5 und 6 sind das Ärgste, was dir als Trainer bei Olympia passieren kann. Medaillen, ja sogar der Sieg wäre drin gewesen. So etwas zipft einen im ersten Moment natürlich an."

Frage: Vier Rennen, keine Medaille. Wenns nicht läuft, dann läuft es offenbar nicht, oder?
Giger: "Wenn man es auf einfache Zusammenhänge reduzieren will, kann man es so sehen. Ich bin aber kein Freund von Glück und Pech. Die Fahrer am Podest waren besser, auch wenn's nur ganz knapp war. Uns hat sicher das nötige Glück gefehlt, das muss man akzeptieren."

Frage: Hätten sie nach dem Turin-Rekord mit acht Herren-Medaillen gedacht, dass es in Vancouver nach vier Rennen noch keine gibt?
Giger: "Nein. Turin zu erreichen war natürlich unrealistisch. Aber mit drei bis vier haben wir gerechnet."

Frage: Keine Medaille, dafür Zeitungsberichte von angeblichen Lokal-Eskapaden. Was ist da dran?
Giger: "Die Sache mit Streitberger wurde weit übertrieben dargestellt. Das ist ein Bild dass vielen jetzt gut hineinpasst. Es ist falsch."

Frage: Erstmals seit Österreich an olympischen Alpinskibewerben teilnimmt, drohen aber die Herren ohne Medaille zu bleiben. Eine nicht sehr schöne Vorstellung, oder?
Giger: "Ich bin überzeugt, dass wir noch eine Medaille holen. Wir haben das stärkste Slalomteam der Welt."

Frage: Was ist im Riesentorlauf passiert?
Giger: "Wir haben uns mannschaftlich sehr gut präsentiert. Wenn es eine Mannschaftsgoldene gäbe, hätten wir die mit Sicherheit geholt. Leider gibt es die nicht bei uns, deshalb stehen wir ohne da."

Frage: Was genau ist passiert?
Giger: "Leider Individualfehler. Bennis (Raich/Anm.) Fehler hat sich nicht nur dort ausgewirkt wo er passiert ist, sondern auch danach. Das war die schlechteste Stelle für so einen Fehler. Marcel Hirscher hat im zweiten Lauf ganz oben alles probiert und den selben Fehler gemacht wie Philipp Schörghofer. Diese Kleinigkeiten haben uns die Medaille gekostet, der Speed war da"

Frage: Sind irgendjemand Vorwürfe zu machen?
Giger: "Nein. Wir ärgern uns alle wahnsinnig. Auf der anderen Seite bin ich der Letzte, der einem Läufer, Trainer oder Servicemann einen Vorwurf macht. So ist nun mal der Sport. Die anderen waren schneller."

Frage: Oft war das Glück bei Großereignisse auf unserer Seite. Diesmal ist das offenbar nicht so, oder?
Giger: "Genauso ist es. Wir hätten auch im Super-G und der Abfahrt Medaillen holen können. Aber das ist alles wäri-hätti-täti. Wenn der Roller von meinem Dirndl rot wäre und vier Räder hätte, wär's ein Ferrari."

Frage: Wie soll es nun weitergehen?
Giger: "Ich schließe nichts aus. Aber ausgemacht ist, dass ich bis zum Ende der Saison Cheftrainer bleibe. Die Mannschaft steht hinter mir und ich habe ein Kämpferherz."

Frage: Aber eine Art Neustart im Herrenbereich ist - aus welchen Gründen auch immer - wohl unvermeidlich, oder?
Giger: "Es gibt den Spruch: Was uns hierher gebracht hat, wird uns nicht weiterbringen. Wir haben einerseits eine solide Basis und eine gute Mannschaft. Aber natürlich müssen wir schauen, was können wir Neues bringen das uns weiter bringt, damit wir wieder ganz oben stehen."

Frage: Wie fundamental ist die Situation bei den Alpin-Herren?
Giger: "Die Dichte von 2000 oder 2001 haben wir momentan sicher nicht. Aber trotzdem sind wir mannschaftlich noch immer das stärkste Team der Welt. Nur der kleine Schritt um ganz oben zu stehen, ist uns heuer öfter nicht gelungen."

Frage: Möchten sie selbst gerne weitermachen?
Giger: "Ich lebe für den Sport und ich arbeite sehr gerne. Aber es geht jetzt vorrangig nicht um mich sondern darum, dass man sich nach der Saison hinsetzt und schaut, wie wir zulegen können um das fehlende Quäntchen besser sein zu können."

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