Premiere

Erste Olympia-Medaile für Kosovo

07.08.2016

Kelmendi sorgt für eine besondere Premiere - mit politischer Dimension.

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Mit Gold um den Hals kamen Judoka Majlinda Kelmendi wieder die Tränen. Es ist das erste Mal, dass der Kosovo bei Olympia antritt und Kelmendi hat für ihre Heimat bei den Sommerspielen in Rio die erste Goldmedaille gewonnen.

"Ich wollte einfach nur weinen, es war so besonders", sagte die 25-Jährige über den Moment der Siegerehrung, als IOC-Boss Thomas Bach ihr die Medaille überreichte. Direkt nach ihrem Sieg durch Yuko im Finale gegen die Italienerin Odette Giuffrida hatte sich Kelmendi auf den Boden geworfen, die Hände vor das Gesicht geschlagen und hemmungslos schluchzend ihren Trainer umarmt.

"Nach dem Finale konnte ich nicht mehr stehen, ich war so glücklich", berichtete sie. "Manchmal kann man seine Gefühle nicht beschreiben, so viele Dinge haben mich zum Weinen gebracht."

Sieg hat politische Dimension

Die Judoka tritt in der Klasse bis 52 Kilogramm an und war 2012 in London noch unter albanischer Flagge gestartet. "Dieses Mal hatte ich meine Flagge, meine Hymne und das ist einer der ersten Gründe, warum ich so motiviert war und unbedingt gewinnen wollte", sagte sie.

Erst seit acht Jahren ist das Kosovo unabhängig, Serbien hatte die Eigenständigkeit seiner Ex-Provinz jahrelang nicht anerkannt. Bis zur ersten Olympia-Teilnahme war es daher ein weiter Weg für den kleinen Balkanstaat. Noch am Sonntag hatte die serbische Regierung ihren Athleten geraten, Kontakt mit Sportlern aus dem Kosovo zu vermeiden.

Kelmendis Sieg hat daher auch eine politische Dimension, doch darüber wollte die junge Frau im Moment des größten Triumphes ihrer Karriere nicht sprechen. "Ich wollte der Welt zeigen, dass Kosovo ein Land ist, in dem es nicht nur Krieg gibt", sagte sie.

"Fühlt sich an wie im Traum"

"Die Leute in Kosovo sehen mich jetzt als eine Heldin. Ich möchte der jungen Generation sagen, dass sie alles schaffen können, was immer sie wollen, auch wenn man aus einem kleinen und armen Land wie Kosovo kommt." Die Europameisterin und Weltmeisterin von 2013 und 2014 war schon bei der Eröffnungsfeier Fahnenträgerin ihres Landes gewesen und hatte die achtköpfige Delegation ins Maracana-Stadion geführt.

"Es fühlt sich an wie im Traum. Vielleicht werde ich nach ein oder zwei Wochen verstehen, was wirklich passiert ist", sagte die zierliche Athletin. Zahlreiche Kosovaren schwenkten während ihrer Kämpfe in Rio auf den Tribünen Fahnen und feuerten sie an. Im Moment des Erfolges dachte Kelmendi daher auch an ihre Heimat und die 1,8 Millionen Landsleute.

"Wir haben den Krieg überlebt, aber es gibt immer noch Kinder, die nicht wissen, ob ihre Eltern noch leben, die nichts zu essen haben", sagte sie: "Dieser Sieg bedeutet so viel für das gesamte Land."

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel