Amazonas: Massensterben der Flussdelfine

11.05.2026

Intelligent, Neugierig und verspielt - Der Amazonas-Flussdelfin ist einer der faszinierendsten Süßwasserdelfine der Welt und lebt im Amazonas- und Orinoko-Flusssystem in Südamerika. 

Zur Vollversion des Artikels

This browser does not support the video element.

Zur Vollversion des Artikels

Im Gegensatz zu vielen Meeresdelfinen ist er eher einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen unterwegs.
Er ernährt sich von Fischen, Krebsen und anderen kleinen Wassertieren und nutzt Echoortung, um sich auch in trübem Wasser zurechtzufinden.
Auffällig sind seine oft rosafarbene Haut, die mit zunehmendem Alter intensiver wird, sowie sein beweglicher Hals, der ihm hilft, sich geschickt durch überflutete Wälder und enge Flussarme zu manövrieren.

Trotz seiner Anpassungsfähigkeit ist der Amazonas-Flussdelfin bedroht: Umweltverschmutzung, Staudämme, Lebensraumverlust und Beifang in der Fischerei setzen ihm stark zu. In manchen Regionen wird er zudem illegal gejagt, etwa als Köder für den Fischfang.
Hinzu kommt die Klimaerwärmung, die bereits vor einigen Jahren zu dramatischen Massensterben geführt hat.

Nachdem 2024 erneut tote Tiere in ausgetrockneten und überhitzten Gewässern gemeldet wurden, zeigen Studien aus 2025 erstmals im Detail, wie extrem sich Flüsse im Zuge der Klimakrise aufheizen können. Demnach erreichten einzelne Seen im Amazonas Wassertemperaturen von bis zu 41 Grad Celsius. In Kombination mit anhaltender Dürre und sinkenden Wasserständen entstehen laut Forschenden sogenannte „thermische Fallen“ – Lebensräume, in denen Tiere keinen kühleren Rückzugsort mehr finden. Allein in einem betroffenen Gebiet wurden über 200 tote Flussdelfine dokumentiert, insgesamt waren es mehrere hundert Tiere.

„Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass wir es nicht mehr mit einzelnen Extremereignissen zu tun haben, sondern mit einer neuen, gefährlichen Normalität. Wenn Flüsse sich so stark aufheizen, verlieren sie ihre Funktion als Lebensraum – mit dramatischen Folgen für Biodiversität und letztlich auch für den Menschen“, sagt Axel Hein, Artenschutz-Experte beim WWF Österreich.
Der WWF Österreich fordert angesichts der neuen Erkenntnisse verstärkte internationale Anstrengungen zum Schutz von Flüssen und Feuchtgebieten.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 10.05.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 17.05.2026, 18:30 Uhr   

Flussdelfine gehören zu den am stärksten bedrohten Säugetieren der Erde. Gleichzeitig gelten sie als Zeiger-Arten für den guten Zustand von Süßwasserökosystemen. Ihr Sterben ist also ein deutliches Warnsignal für tiefgreifende Veränderungen in einem der artenreichsten Flusslebensräume der Erde. Insbesondere die Fischerei ist eine große Gefahr für die Säugetiere. Der WWF arbeitet daher mit lokalen Fischer:innen im Amazonas-Gebiet zusammen, um Fischernetze mit sogenannten “Pingern” auszustatten – das sind kleine Schallgeräte, dank derer die Delfine die Netze besser erkennen und ausweichen können. Die Schäden an den Netzen konnten in einem einjährigen Testzeitraum bereits um 40 Prozent reduziert werden, und kein Tier verfing sich mehr.

Jetzt muss auch das Massensterben aufgrund der Klimakrise verhindert werden – damit die besondere Art langfristig erhalten bleibt.
Der Flussdelfin gilt als überraschend „freundlich“ im Verhalten gegenüber anderen Tieren und manchmal auch gegenüber Menschen.
Viele Beobachtungen beschreiben ihn als sanft und sozial, besonders in kleinen Gruppen oder beim gemeinsamen Jagen. Es ist nun an der Zeit, diese besondere Art zu schützen.