Die Wahrheit hinter „süßen“ Affenvideos

12.01.2026

Du hast sie bestimmt schon gesehen: Videos von Affen und Schimpansen in Kleidung, am Tisch sitzend oder wie Babys behandelt. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht harmlos – doch alles, was hinter solchen Postings steckt, ist grausam.  

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Jeder Primat, der als „Haustier“ gehalten wird, wurde der Wildnis entrissen. Meist wurde dabei nicht nur die Mutter getötet, sondern die gesamte Familie ausgelöscht. Wilderer spüren Schimpansengruppen mit Hunden auf. Die erwachsenen Tiere werden in der Regel erschossen. Ihr Fleisch wird entweder von den Jägern selbst verzehrt oder als Buschfleisch in Dörfern und auf Stadtmärkten verkauft. Die Schimpansenbabys sind zu klein, um als Fleisch genutzt zu werden, bringen jedoch deutlich mehr Geld, wenn sie lebend als Haustiere verkauft werden.

In der Demokratischen Republik Kongo ist es illegal, einen Primaten als Haustier zu halten. Manchmal gelingt es der staatlichen Naturschutzbehörde, Jungtiere bereits während des Transports abzufangen und die Wilderer strafrechtlich zu verfolgen. Die geretteten Schimpansenbabys werden anschließend zur langfristigen Versorgung in das Rehabilitationszentrum Lwiro gebracht.

Doch nicht immer kommt Hilfe rechtzeitig. Viele Jungtiere sterben bereits während des Transports oder werden in den illegalen Heimtierhandel verkauft. Schimpansen, die als Haustiere gehalten werden, sterben häufig an mangelhafter Versorgung. Überleben sie, tragen sie fast immer schwere körperliche und seelische Schäden davon. Je länger sie unter ungeeigneten Bedingungen leben müssen, desto größer ist ihr Leid.

Diese Realität wird durch einen aktuellen Bericht der Pan African Sanctuary Alliance (PASA) bestätigt – die bislang umfassendste Untersuchung zum legalen und illegalen Handel mit afrikanischen Primaten.

Zwischen 2000 und 2023 wurden über 6.000 afrikanische Primaten im legalen internationalen Handel erfasst.
Allein von 2020 bis 2023 dokumentierte die Organisation TRAFFIC 183 Fälle illegalen Handels.
Schimpansen machen 37 Prozent aller illegalen Beschlagnahmungen aus.
Auch Menschenaffen, darunter vom Aussterben bedrohte Gorillas, werden trotz internationaler Schutzabkommen weiterhin gehandelt.

Angetrieben wird dieser Handel durch die Nachfrage nach exotischen Haustieren, Jagdtrophäen, Primatenteilen und privaten Zoosammlungen. Schwache Kontrollen und Schlupflöcher bei Genehmigungen für angebliche „Nachzuchten“ ermöglichen es zudem, wildgefangene Tiere in legale Märkte einzuschleusen.

Doch warum betrifft das uns alle?
Afrikanische Primaten spielen eine entscheidende Rolle für gesunde Wälder, die Klimaregulierung und die biologische Vielfalt. Bereits 53% aller Primatenarten auf dem afrikanischen Kontinent sind vom Aussterben bedroht.
Auffangstationen versuchen, zumindest einen Teil des Unrechts wiedergutzumachen. Sie retten, rehabilitieren und versorgen schwer traumatisierte Tiere. Es braucht Jahre voller Geduld, Fachwissen und Hingabe, um ihnen ein stabiles Leben zu ermöglichen. Manche lernen wieder zu vertrauen – andere nie.

Der PASA-Bericht fordert daher dringend strengere Kontrollen, bessere internationale Zusammenarbeit, das Schließen rechtlicher Schlupflöcher sowie mehr Unterstützung für Schutzstationen und lokale Gemeinschaften an vorderster Front.

Aber warum sind Affen keine geeigneten Haustiere?
Affen leben in komplexen Familienverbänden. Sie kommunizieren ständig, lernen voneinander und bauen lebenslange soziale Bindungen auf. Ein Mensch kann diese Strukturen niemals ersetzen. Isolation oder falsche „Ersatzbindungen“ führen häufig zu schweren psychischen Störungen.

Ihre Intelligenz ist mit der von Kleinkindern vergleichbar. Werden sie aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und nicht ausreichend geistig beschäftigt, entwickeln sie oft selbstverletzendes Verhalten, Aggressionen und Zwangsstörungen. Hinzu kommen frühe Traumata: der gewaltsame Tod der Familie, die Trennung von der Mutter und der stressvolle Transport hinterlassen tiefe Spuren.

In Haushalten leiden Affen zudem fast immer unter Bewegungsmangel, falscher Ernährung und chronischem Stress. Was als „niedliches Baby“ beginnt, bleibt es nicht. Mit der Pubertät werden sie geschlechtsreif, körperlich stark und suchen verzweifelt nach sozialen Partnern. Frustration und Stress machen sie unberechenbar. In dieser Phase greifen viele Affen ihre Halter an – und werden genau dann oft weggesperrt oder abgegeben.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 11.01.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 18.01.2026, 18:30 Uhr      

Im Rehabilitationszentrum Lwiro im Kongo leben derzeit 129 gerettete Schimpansen, wo sie die bestmögliche Pflege und Versorgung bekommen. Das Zentrum setzt alles daran, ihnen trotz ihrer Traumata ein lebenswertes, würdevolles Leben zu ermöglichen.
Diese beeindruckenden Wesen, die uns Menschen so ähnlich sind, brauchen unsere Unterstützung. Es liegt an uns, sie vor dem illegalen Wildtierhandel zu schützen und ihren Bestand als wertvolle Arten unseres Planeten zu bewahren.
Mit deiner Spende ermöglichst du Affen die Rehabilitation, die sie dringend benötigen.
Nähere Informationen und die Möglichkeit zu Spenden, findest du auf www.lwiroprimates.org

  

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