EU-Mercosur-Abkommen: Tierschutz in Gefahr

19.01.2026

Das umstrittene EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist politisch beschlossen. Anfang Jänner haben die EU-Mitgliedstaaten im Rat mehrheitlich zugestimmt, die formale Unterzeichnung durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen folgte kurz darauf.  

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Tierschutz- und Umweltorganisationen reagieren mit scharfer Kritik und sprechen von einem schweren Rückschritt für Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz sowie für die heimische Landwirtschaft.
Die Tierschutzorganisation Tierschutz Austria warnt, dass das Abkommen das Höfesterben in Österreich weiter beschleunigen wird. Bereits zwischen 2020 und 2023 haben hierzulande fast 10.000 landwirtschaftliche Betriebe geschlossen. Seit 1990 hat sich die Zahl der Höfe mehr als halbiert.

„Ernährung zu globalisieren führt zwangsläufig zu einer weiteren Verschärfung des Bauernsterbens“, sagt Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria. Der zunehmende Preisdruck zerstöre regionale Landwirtschaft, mache Bäuer:innen abhängig und gefährde langfristig Versorgungssicherheit und Gesundheit.

Tierleid wird importiert

Kritisiert wird vor allem, dass das Abkommen den Import großer Mengen an Fleisch, Futtermitteln und Agrarprodukten aus den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay erleichtert. Viele dieser Produkte stammen aus Produktionssystemen, die in der EU verboten sind – etwa Massentierhaltung, der Einsatz von Wachstumshormonen, gentechnisch verändertes Futter oder deutlich niedrigere Tierwohl- und Umweltstandards.

Auch VIER PFOTEN spricht von massiven Risiken. Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck bezeichnet das Abkommen aus Tierschutzsicht als „Katastrophe“. Für tierische Produkte gebe es – mit Ausnahme von Schaleneiern – keinerlei verbindliche Tierschutzauflagen. Besonders problematisch sei, dass viele Importe als verarbeitete Lebensmittel auf den Markt kommen. Herkunft und Haltungsform der Tiere seien für Konsument:innen nicht nachvollziehbar.

VIER PFOTEN fordert daher eine verpflichtende Kennzeichnung nach Haltungsform und Herkunft – auch für verarbeitete Produkte und in der Gastronomie. Nur so hätten Konsument:innen überhaupt die Möglichkeit, sich bewusst für höhere Tierschutzstandards zu entscheiden.

Widerspruch zu EU-Zielen

Zusätzlich kritisieren Tierschutzorganisationen den Widerspruch zu den eigenen Plänen der EU. Zwar sind strengere Tierschutzgesetze angekündigt – etwa das Verbot der Käfighaltung, von Verstümmelungen oder das Ende des Tötens männlicher Küken. Das Mercosur-Abkommen wird jedoch voraussichtlich Jahre früher wirksam. Damit würden genau jene Praktiken weiter gefördert, die die EU für ihren eigenen Markt eigentlich abschaffen will.

Umwelt- und Klimafolgen

Auch Umweltorganisationen schlagen Alarm. Greenpeace warnt, dass das Abkommen die Abholzung von Regenwäldern weiter anheizen wird. Für die Produktion von Rindfleisch, Soja und Leder werden bereits jetzt großflächig Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald und der Gran Chaco zerstört. Das gefährdet die Biodiversität, beschleunigt die Klimakrise und bedroht die Lebensräume unzähliger Wildtiere.

Greenpeace kritisiert zudem, dass die bestehenden Nachhaltigkeits- und Entwaldungsklauseln nicht ausreichen, um diese Schäden effektiv zu verhindern. Das Abkommen untergrabe damit auch bestehende EU-Regeln zum Schutz von Wäldern und Klima.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 18.01.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 25.01.2026, 18:30 Uhr      

Kritik am politischen Vorgehen

Unverständnis herrscht auch über den politischen Prozess. Trotz der enormen Auswirkungen auf Landwirtschaft, Umwelt, Tierwohl und Gesundheit sei das Abkommen mit hohem Zeitdruck vorangetrieben worden. In Österreich steht die Zustimmung zudem im Widerspruch zu einem Nationalratsbeschluss aus dem Jahr 2019, der die Bundesregierung verpflichtet, dem Abkommen nicht zuzustimmen.
Tierschutz- und Umweltorganisationen fordern daher weiterhin politische Konsequenzen und Nachbesserungen.

„Es geht nicht um Abschottung, sondern um Verantwortung“, betont Tierschutz Austria. „Für Tiere, für bäuerliche Betriebe, für Umwelt, für gesunde Lebensmittel – und für kommende Generationen.“
 

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