Hochsee-Vertrag tritt in Kraft: Hoffnung für die Weltmeere
26.01.2026
Die Weltmeere beginnen dort, wo nationale Grenzen enden. Jenseits der Hoheitsgebiete der Staaten liegen die sogenannten Hohen Seegebiete – sie machen fast die Hälfte der Erdoberfläche aus. Und doch waren sie bislang kaum geschützt.
Über Jahrzehnte hinweg wurden diese internationalen Gewässer ausgebeutet: durch industrielle Fischerei, Umweltverschmutzung und zunehmend auch durch Pläne zum Tiefseebergbau.
Jetzt gibt es erstmals ein internationales Abkommen, das genau hier ansetzt.
Nach fast zwanzig Jahren Verhandlungen tritt der sogenannte Hochsee-Vertrag in Kraft – ein Meilenstein für den Schutz der Ozeane.
Der Vertrag verpflichtet die Staaten, die ihn ratifiziert haben, die biologische Vielfalt in internationalen Gewässern zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften. Umweltorganisationen sprechen von einem historischen Schritt. Auch der Meeresbiologe Callum Roberts, Professor für Meeresschutz an der University of Exeter, sieht in dem Abkommen eine lange überfällige Korrektur.
Auch der Meeresbiologe Callum Roberts, Professor für Meeresschutz an der University of Exeter, sieht in dem Abkommen eine längst überfällige Korrektur.
„Es hat zwei Jahrzehnte gedauert, diesen Vertrag auszuhandeln. Schon Anfang der 2000er-Jahre war klar, dass das bestehende Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen nicht ausreicht, um Meereslebewesen in internationalen Gewässern zu schützen. Es fehlten die rechtlichen Instrumente, um den Schutz umzusetzen. Genau diese Lücke schließt der neue Vertrag.“
Der Hochsee-Vertrag bindet zunächst 83 Staaten rechtlich. Ziel ist es, Schutzgebiete auf hoher See auszuweisen, Umweltverträglichkeitsprüfungen verpflichtend zu machen und den Raubbau an marinen Ressourcen einzudämmen.
Doch nicht alle großen Akteure haben unterschrieben – darunter die USA.
„Die USA haben den Hochsee-Vertrag bislang nicht unterzeichnet – genauso wenig wie das UN-Seerechtsübereinkommen. Allerdings haben sie dessen Regeln weitgehend respektiert. Die Erwartung ist, dass sie sich auch an die Bestimmungen dieses Vertrags halten werden. Sicher ist das aber nicht. Erst die praktische Umsetzung wird zeigen, welche Länder den Schutz der Meere wirklich unterstützen.“
Besonders brisant ist der Vertrag auch im Hinblick auf den geplanten Abbau von Rohstoffen am Meeresboden. Ein Thema, das auf internationaler Ebene zunehmend diskutiert wird.
Bei der UN-Ozeankonferenz warnte auch UN-Generalsekretär António Guterres vor unkontrollierten Eingriffen in die Tiefsee.
Besonders brisant ist der Vertrag mit Blick auf den geplanten Abbau von Rohstoffen am Meeresboden. Der Tiefseebergbau wird international zunehmend diskutiert.
Bei der UN-Ozeankonferenz warnte auch UN-Generalsekretär António Guterres vor unkontrollierten Eingriffen in die Tiefsee.
„Die Staaten befassen sich derzeit mit dem Tiefseebergbau. Ich unterstütze die laufende Arbeit der Internationalen Meeresbodenbehörde. Die Tiefsee darf nicht zum Wilden Westen werden.“
Denn die Risiken sind enorm, warnt auch Meeresforscher Roberts.
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Die Risiken seien enorm, warnt auch Meeresforscher Roberts.
„Wenn man beginnt, Mineralien vom Meeresboden abzubauen, breitet sich der Schaden über Tausende Kilometer aus. Anders als an Land lässt sich die Zerstörung nicht eingrenzen. Wir erleben derzeit, dass Unternehmen die Tiefsee rücksichtslos ausbeuten wollen – ohne die notwendigen Schutzmechanismen.“
Dabei geht es längst nicht nur um Naturschutz, sondern auch um die Zukunft der Menschheit.
Dabei gehe es längst nicht nur um Naturschutz, sondern auch um die Zukunft der Menschheit.
„Aus Sicht der internationalen Gemeinschaft ist dieses Gesetz extrem wichtig. Wir haben jahrzehntelang erlebt, wie Wildtiere geplündert und Lebensräume zerstört wurden. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir selbst die Möglichkeit, diese Ressourcen überhaupt noch zu nutzen – weil es dann schlicht keine Fische mehr geben wird.“
Der Hochsee-Vertrag gilt deshalb als Schlüssel für ein globales Ziel: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz stehen – bekannt als „30 by 30“.
Ein ambitioniertes Ziel. Doch erstmals gibt es nun ein rechtliches Werkzeug, um die größten und zugleich schutzlosesten Lebensräume unseres Planeten zu bewahren.