Klimawandel am Südpol: Pinguine verschieben ihre Brutzeit
26.01.2026Die Antarktis gilt als einer der letzten scheinbar unberührten Orte unseres Planeten. Ein Kontinent aus Eis, extremen Temperaturen – und hochsensiblen Ökosystemen. Doch genau hier zeigen sich die Folgen des Klimawandels inzwischen besonders deutlich.
Eine neue Studie von Penguin Watch an der University of Oxford zeigt:
Drei antarktische Pinguinarten beginnen ihre Brutzeit heute deutlich früher als noch vor zehn Jahren – schneller als bei jeder anderen Vogelart, möglicherweise sogar schneller als bei allen anderen Wirbeltieren.
Forscher analysierten über zehn Jahre hinweg 37 Pinguinkolonien mithilfe von 77 Zeitrafferkameras. Untersucht wurde der Zeitpunkt, an dem die Tiere ihre Nistplätze dauerhaft besetzen. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle drei Arten – Adélie-, Zügel- und Eselspinguine – reagieren auf die rasante Erwärmung ihrer Lebensräume.
DR. IGNACIO JUAREZ MARTINEZ, UNIVERSITY OF OXFORD:
„Wir wollten herausfinden, ob die Pinguine auf den extremen Klimawandel in der Antarktis reagieren – und das tun sie. Sie verschieben ihre Brutzeit in einem rekordverdächtigen Tempo, schneller als jedes andere Wirbeltier. Und das nicht nur in einzelnen Kolonien, sondern über das gesamte Verbreitungsgebiet aller drei Arten hinweg.“
Besonders auffällig ist der Eselspinguin. Er beginnt seine Brut im Schnitt 13 Tage früher pro Jahrzehnt – in manchen Kolonien sogar bis zu 24 Tage früher. Adélie- und Zügelpinguine folgen mit etwa zehn Tagen früherem Brutbeginn.
Ein Grund dafür: Die Brutplätze der Pinguine erwärmen sich rund viermal schneller als der antarktische Durchschnitt – mit etwa 0,3 Grad Celsius pro Jahr.
Doch diese Anpassung hat ihren Preis. Denn nicht alle Arten profitieren gleichermaßen von den veränderten Bedingungen.
DR. IGNACIO JUAREZ MARTINEZ:
„Wir sehen, dass Eselspinguine deutlich anpassungsfähiger sind. Als Generalisten kommen sie mit den neuen Bedingungen besser zurecht als die beiden anderen Arten, die stark an klassische antarktische Lebensräume angepasst sind.“
Eselspinguine sind flexibler in ihrer Nahrungssuche. Zügel- und Adéliepinguine hingegen sind stärker spezialisiert – etwa auf Krill oder eisnahe Gebiete. Wenn nun alle Arten früher und gleichzeitig brüten, steigt der Konkurrenzdruck um Nahrung erheblich.
DR. IGNACIO JUAREZ MARTINEZ:
„Was wir befürchten, ist, dass diese Verschiebung zu deutlich mehr Konkurrenz führt. Eselspinguine waren früher die letzten, die ankamen – jetzt sind sie plötzlich viel früher da. Als Nahrungsgeneralisten könnten sie den anderen Arten Ressourcen streitig machen, während sie selbst auch in schlechten Jahren überleben.“
Besonders kritisch: Diese zusätzliche Konkurrenz trifft Arten, die ohnehin unter Druck stehen.
Adéliepinguine gehen regional bereits zurück, Zügelpinguine sogar fast im gesamten Verbreitungsgebiet.
DR. IGNACIO JUAREZ MARTINEZ:
„Diese zunehmende Konkurrenz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem wir bereits Rückgänge bei Adélie- und Zügelpinguinen beobachten. In vielen Modellen sieht es so aus, als würden Zügelpinguine dieses Jahrhundert möglicherweise nicht überleben.“
Doch eine entscheidende Frage bleibt offen:
Ist das frühere Brüten eine erfolgreiche Anpassung – oder eine gefährliche Fehlanpassung?
Denn wenn Küken schlüpfen, bevor ihre wichtigste Nahrung verfügbar ist, sinken ihre Überlebenschancen drastisch.
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DR. IGNACIO JUAREZ MARTINEZ:
„Die größte Unbekannte ist derzeit, ob sich die Pinguine tatsächlich erfolgreich anpassen – also ob sie sich gemeinsam mit ihren Nahrungsressourcen verschieben. Oder ob es zu einer zeitlichen Entkopplung kommt. Das hätte direkte Auswirkungen auf den Bruterfolg und darauf, wie viele Jungtiere jedes Jahr überleben.“ In den nächsten Studien wollen die Forscher genau das untersuchen:
Wie wirkt sich der veränderte Brutzeitpunkt auf den Nachwuchs aus – und können die Pinguine mit der Geschwindigkeit des Klimawandels Schritt halten?
Fest steht:
Was in der Antarktis passiert, ist kein fernes Naturphänomen.
Es ist ein deutliches Warnsignal – für den Zustand unseres Planeten und den Schutz seiner Tiere.