Wollige Mäuse und Mammuts – Genetik gegen das Artensterben?

07.04.2025

Was auf den ersten Blick klingt wie ein Science-Fiction-Experiment, ist Realität in einem Hightech-Labor in Texas: Ein Biotech-Unternehmen hat gentechnisch veränderte „wollige Mäuse“ erschaffen – inspiriert vom Erbgut der ausgestorbenen Wollmammuts. 

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Die Firma Colossal Biosciences nennt sich selbst die erste „De-Extinktions-Firma“ der Welt. Ihr Ziel: das Wiederbeleben längst ausgestorbener Tierarten – darunter die Dodo-Vögel, der Tasmanische Tiger und das berühmteste Projekt: das Wollhaarmammut.

Als „Proof of Concept“ haben die Wissenschaftler jetzt die ersten 38 Mäuse geboren, deren Genmaterial mit dem des Mammuts vermischt wurde. Sie besitzen ein besonders dichtes, langes Fell – eine Eigenschaft, die sie angeblich kälteresistenter macht. Laut CEO Ben Lamm sind die Tiere gesund, glücklich – und „massiv niedlich“.

Doch bei aller Euphorie stellt sich eine grundsätzliche Frage: Dürfen wir das?

Die Chef-Biologin von Colossal, Beth Shapiro, sieht in der genetischen Wiederbelebung eine Chance, das Artensterben zu bekämpfen. Die Hoffnung: Durch das Wiederherstellen ausgestorbener Arten könne man Biodiversität erhalten und Ökosysteme stabilisieren. Und tatsächlich – laut Studien verlieren wir bis 2050 bis zu 50 % aller Tierarten, wenn sich die Entwicklung nicht umkehrt.

Aber: Können künstlich wiederbelebte Tiere wirklich ihre alte ökologische Rolle einnehmen? Oder schaffen wir neue biologische Unsicherheiten?

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 06.04.2025, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 13.04.2025, 18:30 Uhr   

Tierschutzorganisationen zeigen sich zwiegespalten. Einerseits ist jedes neue Werkzeug zur Arterhaltung willkommen – andererseits mahnen sie zur Vorsicht: Die Manipulation von Leben im Labor wirft grundlegende ethische Fragen auf. Was geschieht mit den Versuchstieren? Wie viel Leid steckt hinter einem „niedlichen Ergebnis“?

Und: Sollte unser Fokus nicht darauf liegen, lebende Arten und ihre natürlichen Lebensräume zu schützen – statt ausgestorbene Tiere künstlich zurückzuholen?

Die wolligen Mäuse von Dallas mögen niedlich sein. Doch sie sind auch ein Weckruf: Wenn wir unsere Artenvielfalt wirklich retten wollen, brauchen wir nicht nur futuristische Technik – sondern vor allem echten Naturschutz, intakte Lebensräume und eine ethisch fundierte Debatte über die Grenzen des Machbaren.

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