Proteste auch in Wien

2 Jahre für "Pussy Riot"

17.08.2012

Schand-Urteil - Die drei Frauen wollen kein 
Gnadengesuch stellen.

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Moskau. Russland hat schon viele Dissidenten drakonisch bestraft – aber kein Prozess hat das Image des Putin-Staates so ruiniert wie das Verfahren gegen die Frauen-Punkband Pussy Riot.

Für zwei Jahre sollen die drei jungen Musikerinnen hinter Gittern verschwinden, urteilte Richterin Marina Syrowa am Freitag in Moskau. Die Frauen, die in einem Glaskasten stehen mussten, hätten ihre „öffentliche Missachtung der kirchlichen Ordnung bewusst geplant“. Die „Verletzung religiöser Gefühle von Gläubigen“ sei in Kauf genommen worden. Sie hätten keine Reue gezeigt. Die Untersuchungshaft von sechs Monaten werde angerechnet.

Ein weltweiter Aufschrei der Empörung folgte dem Urteil. Von Russland über Europa bis in die USA und Australien machten Menschen in sozialen Netzwerken ihrem Ärger Luft.

Spindelegger gegen Urteil: „Unverhältnismäßig“
„Eine völlig unverhältnismäßige Strafe“, betonte Freitagabend Außenminister Michael Spindelegger in der ZiB2. Immerhin sind zwei der drei jungen Russinnen Mütter kleiner Kinder. Auch Amnesty International kritisierte das Urteil: Pussy Riot seien politische Gefangene.

Ein Großaufgebot der Polizei hielt vor dem Gericht in Moskau die Fans der Frauen-Punkband in Schach. Dutzende Menschen wurden verhaftet, darunter die Oppositionsführer Sergej Udalzow und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow.
Ein Gnadengesuch an Kreml-Chef Wladimir Putin wollen die Künstlerinnen nicht stellen. „Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten“, erklärte Nadeshda Tolokonnikowa.

Zwei Jahre Haft
 für eine Minute Gebet
Wofür wurden die Musikerinnen verurteilt? Sie hatten in der Moskauer Erlöserkathedrale ein Punkgebet gegen Präsident Putin und den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill aufgeführt. Das Gebet dauerte kaum eine Minute – dafür sollen sie jetzt zwei Jahre ins Frauenstraflager.

Proteste in Wien
Der Pussy-Riot-Prozess führte auch zu heftigen Protesten in Wien.
Wien. Etwa 150 Demonstranten waren am Donnerstagnachmittag vor dem Wiener Burg­theater auf der Straße, viele trugen knallbunte Sturmhauben als Solidaritätsbekundung. Dann begann der Tross quer durch die Innenstadt zu wandern.

Eine Handvoll Demonstranten drang dabei dann auch in den Stephansdom ein, sie reckten ihre Transparente in die Höhe und skandierten „Free Pussy Riot“. Nach nur einer halben Minute wurden sie aber von Securitys aus dem Gotteshaus geführt.
Im Unterschied zu Russland drohen den Demonstrierenden in Wien allerdings keine Konsequenzen: Eine Nachfrage bei der Polizei ergab, dass die Kirche keine Anzeige gegen die Aktivisten erstattet hat.

Wegen diesem Auftritt müssen die Drei nun hinter Gitter:

 

Nächste Seite: So verlief der Prozess-Tag:

 

 

16:21 Uhr: U-Haft wird angerechnet
Die Untersuchungshaft von knapp sechs Monaten werde angerechnet, so die Richterin Marina Syrowa. Die Staatsanwaltschaft hatte für jede der drei jungen Frauen drei Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass gefordert.
Nächste Instanz
Die Anwälte von Pussy Riot hatten schon vor der Urteilsverkündung angekündigt, das Urteil in der nächsten Instanz anfechten zu wollen. Einem Gnadengesuch an Putin erteilten die Künstlerinnen schon im Vorfeld eine klare Absage.

16:01 Uhr: Jetzt steht es fest: Die Musikerinnen der russischen Punk-Band Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht in Moskau verurteilte die drei Frauen am Freitag wegen Rowdytums motiviert durch religiösen Hass.

16:00 Uhr: Urteil ist da: Zwei Jahre Haft für Pussy Riot

15:18 Uhr: Der Schuldspuch umfasst 80 Seiten - die Richterin verliest noch immer die Urteilsverkündung. Es wird erwartet, dass in ca. 30 Minuten das Strafmaß bekannt gegeben wird.

14:54 Uhr: Noch immer spricht die Richterin - allerdings verliert sie kein Wort über das Strafmaß. Alle Anwesenden müssen weiter stehen. Draußen vor dem Gericht nimmt die Polizei Unterstützer fest und transportiert sie ab. Bis zu 30 Festnahmen seien bereits erfolgt, heißt es. Darunter Schachweltmeister Kasparow. (siehe weiter unten).

© AP

(c) Reuters

14:42 Uhr: Schachweltmeister festgenommen
Unterdessen ist bestätigt, dass Schachweltmeister und Oppositionsleader Kasparow von der Polizei vor dem Gerichtsgebäude in Moskau abgeführt wurde:

© Twitter

14:15 Uhr: Redet Richterin drei Stunden?
Die Nerven der Musikerinnen werden weiter strapaziert. Sie wurden schuldig gesprochen, doch das Strafmaß steht noch immer aus. Dem Vernehmen nach hat die Richterin vor, drei Stunden zu reden.

13:48 Uhr: Urteilsbegründung
Die Richterin führt aus, die drei Frauen hätten "keine Reue gezeigt", die "öffentliche Ordnung verletzt" und die "Gefühle der Gläubigen beleidigt". Ein Strafmaß nannte sie immer noch nicht. Vor dem Gericht protestieren weiter Anhänger gegen den Schuldspruch.

13:37 Uhr: Bis das Strafmaß feststeht, können allerdings noch Stunden vergehen. Vor dem Gerichtsgebäude kommt es zu tumultartigen Szenen: Rangeleien zwischen Putin-Gegnern und Putin-Anhängern. Dem Vernehmen nach soll auch Ex-Schachweltmeister Gary Kasparow festgenommen worden sein. Eine Bestätigung gibt es nicht.

13:22 Uhr: Jetzt steht es fest: Die drei Angeklagten werden schuldig gesprochen! ++ Strafmaß steht noch aus ++

13:15 Uhr: Die Anwesenden im Gerichtssaal erheben sich nun von ihren Plätzen. Nach formalen Informationen wird es nun konkret: Sie klagt Maria, Nadeschda und Jekaterina des "religiösen Hasses" an. Die drei sitzen mit einem Lächeln auf den Lippen hinter Panzerglas.

13:11 Uhr: Die Richterin spricht
Jetzt gleich fällt das Urteil. +++ Wir berichten hier LIVE aus Moskau +++

12:55 Uhr: Die Spannung steigt
Jetzt geht es los: Die Angeklagten müssen wieder in ihren Glaskasten im Blitzlichtgewitter der Kameras. Jetzt wird es spannend: Müssen die drei jungen Frauen ins Straflager? Oder können sie mit einem milden Urteil rechnen?

12:52 Uhr: Oppositionsführer festgenommen
Die russische Polizei nimmt Oppositionsführer Sergej Udalzow festgenommen. Udalzow soll eine Absperrung der Polizei vor dem Eingang des Gerichtsgebäudes überschritten haben. Dann klickten die Handschellen.

12:43 Uhr: Siegessicher
Die drei Angeklagten geben sich siegessicher. Aktivistin Nadeschda Tolokonnikova trägt auf ihrem T-Shirt den spanischen Protest-Schriftzug: "No pasarán" (Übersetzung: "Sie werden nicht durchkommen"). Dieser Slogan wird gerne verwendet, um seine Position gegen einen Feind zu festigen:

 

(c) APA, Die Angeklagten hinter Panzerglas im Gerichtssaal.

12:30 Uhr: Anwalt: "Sie sind unschuldig"
Der Advokat der Angeklagten erklärt zum wiederholten Mal, dass seine Mandantinnen unschuldig seien."Man hätte sie auch eines Mordes oder gleich eines Völkermordes beschuldigen können", wird er in der Zeitungt "Novaja Gazeta" zitiert.

12:00 Uhr: Angeklagte Punk-Musikerinnen bereits im Gerichtssaal:
Eine Stunde vor der Urteilsverkündung (13 Uhr) sind die drei Angeklagten Frauen schon im Gericht. Sie warten hinter Panzerglas auf das Urteil:

© AP

(c) AP

11:40 Uhr: Der Wortlaut des Skandal-Liedes
Die Punkband trat ohne Erlaubnis in der Moskauer Erlöser auf. Hier finden Sie den Liedtext des Skandal-Songs und das Video des Auftritts >>>>

11:14 Uhr: Nackter Protest
Eine Aktivistin der Gruppe "FEMEN" in der Ukraine posiert oben ohne vor einem Kreuz gegen den Prozess:

11:01 Uhr: Presse darf in den Gerichtssaal
Zwei Stunden vor der Urteilsverkündung wird die internationale Presse in das Gerichtsgebäude gelassen. Das Medieninteresse ist gewaltig. Unzählige Journalisten aus aller Welt wollen bei der Urteilsverkündung dabei sein.

10:47 Uhr: Moskau gleicht einer Festung
Über soziale Netzwerke kündigten sich Hunderte Demonstranten an. Die Moskauer Polizei sperrt das Gerichtsgebäude nahe dem Moskwa-Fluss ab
 

10:01 Uhr: Vom Gefängnis ins Gericht
Schwer bewacht werden die Band-Mitglieder abgeholt und von einander getrennt zur Verhandlung gebracht:

09:41 Uhr: Siegessicher
"Unsere Inhaftierung ist ein klares und vernehmbares Signal dafür, dass sie dem ganzen Land die Freiheit nehmen", schreibt Tolokonnikowa. Der Fall Pussy Riot habe völlig verschiedene Kräfte zusammengebracht. "Wir und Ihr gestalten derzeit eine große und wichtige politische Bewegung, und Putins System kann immer schwieriger damit umgehen."

09:30 Uhr: Haftstrafe droht
Tolokonnikowa, Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) droht nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche eine langjährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft wirft den Frauen, von denen zwei je ein kleines Kind haben, Rowdytum aus religiösem Hass vor.



Hintergrund-Infos:

Putin: "Nicht zu hartes" Urteil
Der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Wladimir Lukin, teilte mit, er habe den Fall mit Kremlchef Wladimir Putin besprochen. "Ich habe verstanden", habe Putin ihm gesagt, berichtete Lukin. Nähere Angaben machte er nicht. Zuletzt hatte Putin sich für ein "nicht zu hartes" Urteil ausgesprochen. Verteidigung und Bürgerrechtler kritisieren, das Verfahren werde von Kreml gesteuert. Die Organisation Amnesty International hat die Künstlerinnen als politische Gefangene anerkannt.

Die Moskauer Behörden verstärkten die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gerichtsgebäude nahe dem Moskwa-Fluss. Auch auf öffentlichen Plätzen und an der Erlöserkathedrale werde verstärkt patroulliert, hieß es. Der prominente Schriftsteller Boris Akunin rief dazu auf, am Gericht für eine Freilassung der Aktivistinnen zu demonstrieren.

Ex-Beatle Paul McCartney schloss sich in einem öffentlichen Brief Forderungen internationaler Künstler nach einer Freilassung der angeklagten Musikerinnen an. "Ich will, dass Ihr wisst: Ich hoffe sehr, dass die russischen Behörden das Prinzip der Redefreiheit für alle ihre Bürger respektieren und nicht glauben, Euch für Euren Protest bestrafen zu müssen", hieß es auf McCarnteys Internetseite.


 
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