Schwere Vorwürfe

Bestes Restaurant der Welt in tiefem Skandal verwickelt

24.02.2026

Das 3-Michelin-Sterne-Restaurant Noma in Kopenhagen gerät erneut in die Kritik. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werfen dem Mitgründer und Küchenchef René Redzepi auf Social Media schwere Missstände vor – von Einschüchterungen und körperlicher Gewalt bis zu sexuellen Übergriffen. 

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© Thibault Savary / AFP
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Den Stein ins Rollen brachte Jason Ignacio White, der von 2017 bis 2022 das Fermentationslabor leitete. Auf Instagram veröffentlichte er unter dem Hashtag #NomaAbuse Berichte eigener Erfahrungen und anonymer ehemaliger Teammitglieder. Laut der Website noma-abuse.com berichten 38 Personen von „Kultur der Angst“, psychischem Druck und Misshandlungen.

"Wurde ins Gesicht geschlagen"

Ein Praktikant berichtet anonym: „Ich wurde während des Dienstes ins Gesicht geschlagen.“ Ein weiterer beschreibt: „Noma hat mich auf so viele Arten gebrochen. Von dem Mobbing bis hin zu Renés Faustschlag in die Rippen.“ White schildert zudem: „Erinnerst du dich an das eine Mal, als sich eine 19-jährige Praktikantin das Gesicht verbrannt hat und die anderen Mitarbeiter gelacht haben, bis ich sie gezwungen habe, einen Krankenwagen zu rufen?“

Auch sexuelle Übergriffe sollen vorgekommen sein. Betroffene kritisieren, dass die Personalabteilung untätig blieb. Ein Praktikant wirft dem Restaurant vor: „Wenn du dich beschwerst, sorgen sie dafür, dass dein Name auf der Blacklist steht und dich niemand mehr anstellt.“

Schon lange ein Hilfeschrei - und unbezahlte Praktika

Die Vorwürfe sind nicht neu: Bereits 2008 zeigte eine dänische Dokumentation den rauen Ton in der Küche. 2015 gab Redzepi selbst zu: „Ich war ein Mobber, ich habe Menschen angeschrien und geschubst.“

Über Jahre arbeiteten viele „Stagiaires“ ohne Lohn, erst seit 2022 erhalten Praktikanten Bezahlung. Die Debatte über Ausbeutung in der Spitzengastronomie bekam dadurch neuen Aufwind.

Gegensätzliche Erfahrungen ehemaliger Mitarbeitender

Nicht alle berichten negativ. Konditorin Martina Peluso erzählt der italienischen Zeitung La Repubblica: „Wir erhielten spezielle Schulungen zur Inklusion, und sogar eine Psychologin arbeitete mit dem Team – das hatte ich in einem Restaurant noch nie erlebt.“ Auch Stefano Ferraro, heute Betreiber des Lost Café in Mailand, äußert sich kritisch gegenüber White: „Es war die Erfahrung, die mein Leben verändert hat, und ich werde Noma immer dankbar sein.“

Extrem-Skandal für Betrieb

Der Social-Media-Skandal sorgt weltweit für Diskussionen. Auf Instagram, X und Reddit berichten viele von eigenen Erfahrungen in der Gastronomie, kritisieren Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten und steile Hierarchien. Selbst Memes zum Skandal gehen viral.

Bislang liegen keine juristischen Prüfungen oder offiziellen Untersuchungsergebnisse vor. Noma selbst hat sich noch nicht geäußert. Für die geplante Eröffnung von Noma LA in Los Angeles vom 11. März bis 26. Juni kündigte White bereits Proteste an.