H. Bauernebel aus New York

"Nemo" trifft US-Ostküste

08.02.2013


Wintersturm "Nemo" könnte zum schlimmsten Blizzard aller Zeiten werden.

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Über den Ballungsräumen mit 40 Millionen Menschen (New York, Boston, Providence, Hartford) prallt eine Kaltfront auf ein Küstentief. Boston könnte unter einer Schneedecke von einem Meter versinken, New York erwartet 30 Zentimeter Neuschnee. Windböen bis 160 Stundenkilometer sind vorhergesagt, dazu Überschwemmungen an der Küste durch eine zwei Meter hohe Sturmflut.

0:40 Uhr: 200 Soldaten der Nationalgarde sind aktiv in Connecticut bei der Rettung gestrandeter Autofahrer, so Gouverneur Dannel Malloy. New York City entgeht bisher weitgehend der schlimmsten Wucht des Sturmes, dennoch warnen TV-Meteorologen weiter über eine stürmische Nacht. Die drei Großflughäfen JFK, LaGuardia und Newark sind offiziell nicht geschlossen, doch die Airlines haben Flüge weitgehend eingestellt. Ernst ist die Lage jedoch in Boston: CNN fuhr mit einem SUV durch die tief verschneite Geisterstadt. Dabei steht die Phase des stärksten Schneefalls erst bevor. Die Metropole erwartet Blizzard-Konditionen und "Thunder-Snow", ein Schneesturm mit Blitz und Donner. Auf Cape Cod werden Sturm- und Flutschäden befürchtet.

23:38 Uhr: New York ruft Notstand aus
Öffentlicher Verkehr in New Jersey wird ab 20 Uhr Ortszeit weitgehend eingestellt. Nun hat auch der Staat New York den Notstand ausgerufen, so Gouverneur Andrew Cuomo. Boston gleicht nach dem Fahrverbot einer Geisterstadt. Die Sorge gilt vor allem Küstenstrichen in Long Island, die bereits von "Sandy" devastiert wurden. Meteorologen erwarten Winde in Hurrikan-Stärke. Besonders betroffen ist diesmal die Promi-Enklave der Hamptons.

22.18 Uhr: Erste Evakuierungen von Küstenstrichen in Massachusetts, nachdem die Sturmflut schlimmer ausfällt als erwartet. Nun verhängt auch Connecticut-Gouverneur Dannel Malloy ein totales Fahrverbot wie zuvor sein Kollege in Massachusetts. Der US-Staat Maine erklärt ebenfalls den Notstand. Um offiziell als Blizzard in die Annalen einzugehen, muss "Nemo" mindestens drei Stunden lang Winde von mehr als 56 km/h erreichen und durch heftiges Schneetreiben die Sicht auf praktisch Null reduzieren. Solche Bedingungen sind heute Abend für New York angesagt.

22.12 Uhr: 50.000 ohne Strom
An der US-Ostküste sind zwischenzeitlich fast 50.000 Haushalte und Geschäfte ohne Strom. Die meisten Ausfälle hätten sich im Großraum Washington D.C. ereignet, teilte der Energiekonzern Pepco mit. Ein Baum sei auf eine Hauptleitung gefallen und habe die Stromversorgung unterbrochen.

21:22 Uhr: Super-Blizzard trifft nun auch Katie Holmes
Die ehemalige Mrs. Cruise wollte am Nachmittag eigentlich ihre neue Schuhe- und Mode-Kollektion im Rahmen der Fashion Week präsentieren. Doch Suris Schule schloss wegen der unerwartet frühen, heftigen Schneeschauer die Pforten bereits vor dem regulären Schulschluss - und Katie musste sie abholen, berichtet "People". Die Schnellstraßen rund um New York versinken unterdessen im Verkehrschaos: Nach einer Serie an Unfällen ist der I-78 völlig verstopft, berichten Autofahrer.

20:25 Uhr: Erste heftige Schneegestöber nun auch in New York. Der Übergang von Regen zu Schnee erfolgte früher als erwartet, die Schneehöhen könnten deshalb beträchtlich höher ausfallen. Telekom-Gigant Verizon dürfte bereist erste Störungen erfahren: Das Kabel-TV ist teilweise unterbrochen, die Internet-Verbindung setzt teilweise aus. Windböen heulen nun bereits mit über 50 km/h. Schwere Unfälle am i-95-Freeway in Connecticut, ein Sattelschlepper stürzte um.  

© Herbert Bauernebel

Foto: Herbert Bauernebel

20:01 Uhr: Prognose für New York nun 35 Zentimeter Neuschnee
Bürgermeister Michael Bloomberg ruft jedoch noch keinen Notstand aus, doch empfiehlt den New Yorkern, sich "einen gemütlichen Abend zu machen". Er selbst plane ein Take-Out vom Griechen, sagte Bloomberg, der beim Weihnachtssturm 2010 im Ferienhaus in Bermuda hockte und dafür heftig kritisiert wurde. 4000 Flüge sind nun bereits gestrichen. Massachusetts-Gouverneur Deval Patrick droht Autofahrern, die das Fahrverbot ab 16 Uhr missachten, mit bis zu einem Jahr Haft. Schneefall in Boston nun bereits heftig, Niederschlag in New York wechselt langsam von Regen wieder zu Schnee.  

18:57 Uhr: Massachusetts ruft Notstand aus
Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, rief für den ganzen US-Staat gerade den Notstand aus. Bis zu ein Meter Schnee werde erwartet, so Patrick, 1000 Soldaten der Nationalgarde stehen für die Rettung gestrandeter Autofahrer und andere Notsituationen bereit. Der Gouverneur erteilte ein generelles Fahrverbot ab 16 Uhr, ausgenommen sind nur Einsatzfahrzeuge. Arbeiter in New York bereiten sich unterdessen auf die Räumung des gigantischen Straßennetzes in der Gesamtlänge von 10.000 Kilometern vor. Das Sturmzentrum ist südlich von New York, "Nemo" intensiviert sich, das "Auge" wie bei einem Hurrikan ist auszumachen.

18:18 Uhr: Breaking News - Fahrverbot in Boston
Der Bürgermeister von Boston, Thomas Menino, erklärte laut dem "Weather Channel" den Notstand und erteilte ein Fahrverbot für alle Straßen (!) im Stadtgebiet. In Kürze wird auch das öffentliche Verkehrsnetz stillgelegt. Einwohner von Boston kommen dann - legal - nur mehr zu Fuß voran. Der Schnee fällt bereits in Boston, die Intensität nimmt zu. Noch genießen Kinder die weiße Pracht, in wenigen Stunden soll der Blizzard über die Neu-England-Metropole hereinbrechen. In New York stellt Amtrak um 12:30 erste Zugverbindungen nach Norden ein. Entlang der Neuenglandküste werden erste heftige Schneefälle gemeldet.

17:11 Uhr: Trotz sich intensivierenden Schneesturms campen Justin-Bieber-Fans vor dem Rockefeller Center in Midtown Manhattan für Tickets für den Auftritt des Popidols bei der Spaßsendung "Saturday Night Live" (SNL). Die Karten werden Samstag früh ausgegeben. Freitagmorgen standen bereits 20 im Schneetreiben, wie viele tatsächlich den Blizzard heute Nacht überstehen, bleibt abzuwerten. Auch die Fashion Week sagte die Show heute noch nicht ab, trotz exponierter Zelte vor dem Lincoln Center. Nur Designer Marc Jacobs verschob seinen Auftritt von Montag auf Donnerstag, angeblich aber wegen Lieferproblemen. In in Boston gab die Erzdiözese ihren Gläubigen für die Sonntagsmesse "frei".

16.45 Uhr: Vor Tankstellen und Supermärkten bildeten sich teils lange Schlangen. "Es ist ein Zirkus hier", sagte Elizabeth Fraser aus der Stadt Reading in Massachusetts dem Lokalsender WHDH. "Die Regale sind leer. Ich glaube, ich habe alle Flaschen Wasser gekauft, die sie noch hatten."

16.20 Uhr: Sturm "extrem gefährlich"
Der Leiter des Katastrophenschutzes des Staates New York, Jerry Hauer, warnt eindringlich: "Dieser Sturm ist extrem gefährlich". In den Nachtstunden sei es "praktisch unmöglich", voranzukommen. Gewarnt wird vor allem vor Autofahrten. Pendler sollten ihre Arbeitsplätze so früh wie möglich verlassen, um noch sicher nach Hause zu kommen. Der Sender NECN warnt vor "null Sicht" heute Abend, "Thunder-Snow" mit bis zu zehn Zentimeter Schnee pro Stunden wird erwartet. Autofahrer auf Freeways könnten eingeschneit werden und Insassen in Lebensgefahr geraten.

© NOAA

Schneestürme über dem Nordosten der USA; Foto: NOAA

15:15 Uhr: Verkehrschaos
Boston schließt um 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ) alle öffentlichen Verkehrsmittel und den Flughafen. Bürgermeister Thomas Menino warnte die Bewohner: "Vermeiden Sie Autofahrten um jeden Preis!". Das Chaos auf den Flughäfen weitet sich aus: 2400 Flüge sind bisher gestrichen, Passagiere warteten am JFK- und LaGuardia-Flughafen oft stundenlang für Umbuchungen. Autofahrer meldeten aus Bridgeport heftiges Schneetreiben und stark verminderte Sicht.

14:30 Uhr: Leichter Schneefall hat in New York begonnen, dürfte sich wegen warmer Meeresluft in den nächsten Stunden noch mit Regen vermischen. Der Blizzard wird für den frühen Abend und die Nachtstunden erwartet. 1800 Schneepflüge stehen bereit, 250.000 Tonnen Streusalz. Bürgermeister Michael Bloomberg entschloss sich zum Offenhalten der Schulen. "After School"-Programme wurden jedoch gerade abgesagt. In Boston, Providence und Hartford blieben die Schulen den ganzen Freitag zu.

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