Ermittlungen

Der Fall Epstein: Wirbel in Europa, kaum Konsequenzen in den USA

20.02.2026

Die Affäre um den 2019 verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat vor allem in Europa auch rechtliche Konsequenzen: 

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In Großbritannien, Frankreich und Norwegen traten Politiker und andere Persönlichkeiten von ihren Posten zurück, am Donnerstag wurde der britische Ex-Prinz Andrew im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen vorübergehend festgenommen.

In den USA hingegen blieb der Skandal bisher ohne größere Folgen - dort wurde bisher nur eine einzige Person verhaftet: Ghislaine Maxwell, Epsteins frühere Lebensgefährtin und Komplizin. Maxwell sitzt eine 20-jährige Gefängnisstrafe ab, nachdem sie 2021 verurteilt worden war. Sie hatte minderjährige Mädchen für den mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäter Epstein angelockt.

In höchste Kreise vernetzt

Epstein war weltweit bis in höchste Kreisen vernetzt, pflegte Kontakte zu mächtigen Politikern, Geschäftsleuten, Akademikern und Prominenten - und missbrauchte mutmaßlich jahrelang Minderjährige und junge Frauen.

Mehrere Prominente in den USA, unter ihnen der frühere Präsident Bill Clinton oder Microsoft-Mitgründer Bill Gates, sehen zwar durch ihre Verbindung zu Epstein ihren Ruf beeinträchtigt - rechtliche Konsequenzen gab es bisher jedoch einzig für Maxwell.

Geht es nach dem US-Justizministerium, dürfte es auch so schnell keine weiteren Prozesse in dem Fall geben. Im Juli habe das Justizministerium erklärt, "dass wir die Epstein-Akten geprüft haben und dass darin nichts enthalten ist, was uns eine Strafverfolgung ermöglichen würde", sagte Vize-Justizminister Todd Blanche dem Sender CNN. Dabei würde es das Ministerium auch belassen, ergänzte Todd, der früher der persönliche Anwalt von US-Präsident Donald Trump war.

Mehrere Abgeordnete - sowohl im demokratischen wie auch im republikanischen Lager - kritisieren die Haltung der US-Justiz und werfen ihr vor, die Aufklärung verzögern zu wollen. "Großbritannien hat mehr getan, um Epstein-Täter strafrechtlich zu verfolgen, als unsere eigene Regierung. Eine Schande", erklärte etwa die republikanische Abgeordnete Nancy Mace aus dem US-Bundesstaat South Carolina im Onlinedienst X.

"Ein Land, das es den Mächtigen ermöglicht, sich dem Gesetz zu entziehen, ist kein Rechtsstaat", betonte sie. "Es ist ein Land der Ausnahmen. Und diese Ausnahmen scheinen immer für dieselben Leute zu gelten."

Festnahme von Ex-Prinz Andrew begrüßt

Der ebenfalls republikanische Abgeordnete Thomas Massie begrüßte die vorübergehende Festnahme des britischen Ex-Prinzen Andrew und forderte: "Nun brauchen wir Gerechtigkeit in den USA." Justizministerin Pam Bondi und FBI-Chef Kash Patel müssten handeln, erklärte er bei X.

Der demokratische Senator Ruben Gallego aus Arizona schob die mangelnde Rechenschaftspflicht in den USA darauf, dass Präsident Trump einst ein enger Freund Epsteins gewesen sei und in New York und Florida in den gleichen Kreisen wie er verkehrte. Länder auf der ganzen Welt würden bei ihren Epstein-Fällen die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, schrieb Gallego bei X. "In Amerika geschieht das nicht, weil wir einen Pädophilen-Beschützer im Weißen Haus haben." Die Regierung betreibe eine "Vertuschungsaktion" für Epstein und seine Freude vor.

Der frühere Immobilienunternehmer Trump hatte sich Monate lang gegen eine Veröffentlichung der Epstein-Akten durch das Justizministerium gewehrt, unterzeichnete jedoch schließlich ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz zur Freigabe der Dokumente. Der Name des 79-jährigen Präsidenten taucht in den Akten tausende Male auf, bisher konnte ihm jedoch kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.

Auch in Trumps eigenem Lager sorgte der Fall für Empörung. Seine Anhänger fordern eine Aufklärung des Skandals, in dem ein Geschäftsmann offenbar einen Sexhandelsring für die internationalen Eliten betrieb. Auf die Frage, ob Epsteins Geschäftspartner in den USA "in Handschellen enden" würden, antwortete Trump am Donnerstag ausweichend. Die Festnahme des früheren britischen Prinzen Andrew sei "sehr traurig", sagte er vor Journalisten. Er selbst sehe sich durch die Epstein-Akten "vollständig entlastet".

Einer aktuellen Umfrage von Reuters und dem Umfrageinstitut Ipsos zufolge geben 63 Prozent der US-Bürger an, dass die Epstein-Enthüllungen "ihr Vertrauen in die politischen und wirtschaftlichen Führungskräfte des Landes geschwächt" hätten. 69 Prozent der Befragten sind der Ansicht, der Fall zeige, dass "mächtige Menschen in den USA selten für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden".