Nur mit Prüfung
Erstes Freibad sperrt Kinder unter 16 Jahre aus
10.05.2026Immer mehr Freibäder verschärfen ihre Einlassregeln für Kinder drastisch. Grund dafür sind die erschreckend hohen Zahlen bei tödlichen Badeunfällen und die mangelnde Schwimmfähigkeit vieler Schüler.
In Deutschland kam es im Jahr 2025 zu mindestens 393 tödlichen Badeunfällen. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung ziehen nun erste Betreiber Konsequenzen. Ein Freibad im nordrhein-westfälischen Verl erlaubt Kindern unter 16 Jahren den Zutritt nur noch dann, wenn sie das Bronze-Abzeichen vorweisen können oder von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind vor allem Leichtsinn und Selbstüberschätzung die Hauptgründe für die tragischen Vorfälle.
Gefährliche Irrtümer bei Eltern
Viele Eltern unterschätzen die Gefahr im Wasser massiv. Eine forsa-Umfrage aus dem Jahr 2022 im Auftrag der DLRG zeigte, dass 57 Prozent der Eltern ihren Nachwuchs als sichere Schwimmer einschätzen. Doch Experten warnen vor diesem Trugschluss. „Mütter und Väter sind oft der Meinung, ihr Kind kann schwimmen, wenn es das Seepferdchen hat“, erklärt Christian Landsberg, Leiter Ausbildung im DLRG Präsidium. Er stellt klar: „Sicher schwimmen kann erst, wer den Freischwimmer, also das Schwimmabzeichen Bronze, abgelegt hat.“
Mangelnde Aufsicht durch Smartphones
Ein weiteres großes Problem in den Bädern ist die mangelnde Aufmerksamkeit der Begleitpersonen. Mitarbeiter berichteten in der Vergangenheit immer wieder von Eltern, die durch ihre Smartphones abgelenkt waren. Viele übertragen die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Kinder fälschlicherweise komplett auf das Badepersonal. Aktuell erreichen rund sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschulzeit nicht das Niveau eines sicheren Schwimmers.
Kostenlose Prüfungen als Lösung
Um den Kindern den Zugang zum Wasser weiterhin zu ermöglichen, geht das Freibad in Verl einen konstruktiven Weg: Die Prüfung für den Freischwimmer kann dort kostenlos abgelegt werden. Dem Beispiel für strengere Regeln folgen mittlerweile auch andere Städte. In Hagen und Berkum wurden ebenfalls verschärfte Einlassbedingungen eingeführt, um das Risiko für Unfälle zu minimieren und die Sicherheit in den Becken dauerhaft zu erhöhen.