Türkei

Erdogan: Werden "Gülen-Geschwür" beseitigen

17.07.2016

Putschversuch der Terror-Gruppe sei durch Willen des Volkes gestoppt worden.

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Sonntag ein massives Vorgehen gegen Anhänger des Klerikers Fethullah Gülen angekündigt. Die "Säuberung aller staatlichen Institutionen von diesem Geschwür" werde weitergehen. Der Putschversuch dieser "Terror-Gruppe" sei durch den Willen des Volkes zum Scheitern gebracht worden.

Exil in den USA

Der "Staatsfeind Nummer Eins" der Türkei lebt seit fast 20 Jahren zurückgezogen in den USA. Gülen, den Erdogan für den gescheiterten Putschversuch verantwortlich macht, ist schon lange im Visier des islamisch-konservativen Staatschefs. Dabei waren die beiden einst enge Weggefährten, bevor sie sich wegen Korruptionsvorwürfen gegen Erdogans Umfeld überwarfen. Der Prediger Gülen, Chef der islamischen Bewegung Hizmet (Dienst) mit ihren hunderttausenden Anhängern, hat in der Türkei aber nach wie vor großen Einfluss.

Der weißhaarige Gülen lebt abgeschieden im 1000-Seelen-Nest Saylorsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania. Sein Rückzugsort ist das rund um die Uhr bewachte, weitläufige Gelände des Golden Generation Worship and Retreat Center. Für seine Anhänger in aller Welt ist der 75-Jährige fast ein Heiliger. Für seine Gegner in der Türkei der Satan.

Zahlreiche Gerüchte

Um Gülen, der höchst selten mit den Medien spricht und das Zentrum so gut wie nie verlässt, ranken sich zahllose Vermutungen und Gerüchte. Seine Bewegung, die hunderte Schulen weltweit betreibt, will nach eigenen Angaben Bildung, Wissenschaft und Dialog auf der Basis eines modernen Islam fördern. Auch viele Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen gehören zu Hizmet. In der Türkei hat die Bewegung in den Medien, der Polizei und der Justiz viele Unterstützer.



Seine Gegner werfen Gülen allerdings vor, einen radikalen Islamismus zu befördern. Und in der Türkei einen Staat im Staate aufgebaut zu haben. Sam Brannan von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington betonte vor einiger Zeit, dass die Hizmet-Schulen der Bewegung tausende gut ausgebildete Anhänger beschert haben, die im türkischen Staatsdienst aufgestiegen seien: "Sie helfen sich gegenseitig, und sie verfügen über ein missionarisches Bewusstsein sowie über viel Geschäftssinn."

Feindschaft

Gülen und Erdogan waren lange enge Vertraute und Partner, auch im Kampf gegen den politischen Einfluss des Militärs. Doch ihre Allianz zerbrach und schlug 2013 in erbitterte Feindschaft um. Hintergrund waren Korruptionsvorwürfe gegen das enge Umfeld von Erdogan, gegen Minister und auch Erdogans Sohn Bilal, die den damaligen Ministerpräsidenten immens in Bedrängnis brachten.

Der Regierungschef warf Gülen schon damals vor, er wolle seine Regierung stürzen. Erdogan ließ hunderte Armee-Offiziere, sogar Generäle, aus ihren Positionen entfernen. Tauende Polizisten wurden entlassen, Hizmet-Schulen geschlossen.

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