Ungarn-Wahl
Ex-Parteifreund will Orbán stürzen
21.03.2026
Erstmals seit 16 Jahren könnte Viktor Orbán seine Macht verlieren. Oppositionsführer Peter Magyar, 45, liegt vorne.
Budapest. Am 12. April wird in Ungarn gewählt, es könnte zu einer Sensation kommen. Oppositionsführer Péter Magyar, 45, ein Ex-Parteifreund von Langzeit-Präsident Viktor Orbán, 62, führt seit Wochen klar in allen Umfragen. Doch abgerechnet wird erst am Wahlabend.
›Brüssel-Marionette‹ vs. ›Chef-Korruptionisten‹
Massendemos. Beide Lager mobilisieren, demonstrieren ihre Stärke auf der Straße. Sie riefen zu Großkundgebungen in der Hauptstadt. Zehntausende kamen nach Budapest. Auf beiden Seiten. Selbst auf Luftaufnahmen der Polizei war nicht klar zu sehen, wer mehr Menschen anlocken konnte.
Viktor Orbán ließ seine vorwiegend älteren Anhänger in Hunderten Bussen in die Hauptstadt karren. Die Fidesz-Fans zogen in einem „Friedensmarsch“ von der Margaretenbrücke bis zum Kossuth-Platz vor dem Parlament. Dort hielt Orbán eine flammende Rede, stellte Magyar als klägliche Marionette Brüssels dar, als vom mächtigen EU-Machtapparat bestellter und geheim bezahlter Orbán-Bekämpfer. Magyar sei bloß ein Hochstapler, ein Betrüger, ein politischer Luftballon.
Anti-EU. Nur er, Orbán, sei ein Garant dafür, dass es zu keinem Krieg zwischen Ungarn und der Ukraine kommen werde. Gleichzeitig betonte er, dass er dem 90-Milliarden-Euro-Kredit für Kiew nie zustimmen werde, Die EU hatte im Dezember eine Finanzierung der Ukraine für die nächsten zwei Jahre beschlossen.
„Mafiastaat“. Herausforderer Péter Magyar setzt auf einen Pro-EU-Kurs und nennt seine politischen Gegner „Chef-Korruptionisten“. Ungarn sei ein „Mafiastaat“ mit Viktor Orbán als Anführer.
Das wolle er zerschlagen und künftig für soziale Gerechtigkeit sorgen. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Kontrahenten ist lediglich der harte, fast beleidigende Ton.
One-Man-Show gegen mächtigen Parteiapparat
Péter Magyar ist erst vor zwei Jahren aktiv in Ungarns Innenpolitik eingestiegen. Bis dahin war der Rechtsanwalt Diplomat und Mitglied der Fidesz-Partei, also ein Anhänger Orbáns.
Dann der Bruch und Wechsel zu TISZA (Respekt Freiheit), einer Kleinstpartei. Magyar war mit Judit Varga verheiratet, eine der Vorzeigefrauen der Fidesz-Partei. Sie wurde von Orbán eiskalt demontiert. Vermutlich war das auch der Auslöser für Magyar, in die Politik einzusteigen gegen Orbán.
Fidesz-Light. Experten sagen, TISZA und Orbans Fidesz seinen „ideologisch sehr ähnlich“. TIS-ZA sei lediglich die „weniger aggressive Variante der Fidesz“.
Bis zur Wahl will System-Aussteiger Magyar durch alle 106 Wahlbezirke touren. Der rhetorisch ausgezeichnete Kandidat braucht den direkten Kontakt, denn Unterstützung der von Orbán kontrollierten Medien hat er kaum. Gleichzeitig bedient er perfekt das Social-Media-System und punktet damit bei den Jungen. Er hat Charisma, eine klare Botschaft, ist gutbürgerlich-konservativ, aus einer alten ungarischen Familie. Und – er ist kein Linker.
Ob das allerdings zu einem Sieg gegen Orbán reicht, bleibt abzuwarten. Auch ist offen, ob Orbán bei einer Wahlniederlage widerstandslos gehen würde. Fix wäre bei einem Sieg Magyars nur eines: Mit der Veto-Politik gegen Europa, wie sie Orbán betreibt, wäre dann wohl Schluss.