Präsidentenwahl
Sozialist Seguro klar voran in Portugal
08.02.2026Der gemäßigte Sozialist António José Seguro hat bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Portugal einen Erdrutschsieg gefeiert.
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Seguro hatte schon die erste Wahlrunde am 18. Jänner mit 31,1 Prozent gewonnen. Von 2011 bis 214 war er Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), dessen gemäßigten Flügel er vertritt. Es galt als praktisch ausgeschlossen, dass die weitere Auszählung der Stimmzettel im Laufe des Abends noch etwas am Sieg Seguros ändern könnte.
Erwarteter Ausgang
Schon Umfragen vor dem Urnengang hatten ein Ergebnis in einem solchen Ausmaß erwarten lassen. Das Amt des Präsidenten in Portugal ist zwar überwiegend repräsentativ. Das Staatsoberhaupt verfügt jedoch über wichtige Befugnisse: Es kann unter bestimmten Umständen das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen und Gesetze per Veto blockieren.
Auch wenn der 43-jährige Ventura die Präsidenten-Stichwahl deutlich verliert, konnte der ehemalige TV-Sportkommentator ein besseres Ergebnis einfahren als seine Anti-Establishment-Partei Chega, die bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr mit 22,8 Prozent zur zweitstärksten Kraft hinter dem regierenden Mitte-Rechts-Bündnis aufstieg.
Widrige Wetterbedingungen
Der Urnengang wurde allerdings wie schon zuvor der Wahlkampf durch widrige Wetterbedingungen beeinträchtigt, was eine niedrige Wahlbeteiligung zur Folge haben könnte. Portugal wurde am Wochenende von dem Sturmtief "Marta" heimgesucht - nachdem in den vergangenen Tagen bereits das Tief "Leonardo" heftige Winde, massive Regenfälle und Überschwemmungen mit sich gebracht hatte. Am Samstag meldeten die Behörden ein Todesopfer durch das neue Sturmtief. In der Nacht zum Sonntag besserte sich das Wetter aber etwas. Die Behörden beschrieben die Wetterlage als "sehr ruhig".
"Ich appelliere an die Portugiesen, zur Wahl zu kommen", hatte Seguro bei seiner Stimmabgabe an seinem Wohnort Caldas da Rainha gesagt. In der ersten Wahlrunde am 18. Jänner hatte der 63-jährige Sozialist rund 31 Prozent der Stimmen erhalten. Der 43-jährige Rechtspopulist Ventura, der die Rechtsaußenpartei Chega 2019 gegründet hatte und anführt, kam auf 23,5 Prozent.
Rechter Regierungschef gab keine Wahlempfehlung für Stichwahl
Der rechtsgerichtete Regierungschef Luís Montenegro gab keine Wahlempfehlung für die Stichwahl ab. Montenegro führt eine Minderheitsregierung an, die immer wieder auf die Unterstützung der Chega-Partei angewiesen ist, um ihre Vorhaben durchzusetzen.
Während Ventura mit dem Versprechen antrat, mit den seit fünf Jahrzehnten in Portugal regierenden Parteien zu brechen, positionierte sich Seguro als Kandidat der Einheit. Er warnte im Wahlkampf vor einem "Albtraum", sollte sein Rivale gewinnen.
Ventura strebt Amt des Regierungschefs an
Der Rechtspopulist Ventura strebt nach Einschätzung von Experten langfristig das Amt des Regierungschefs an. Mit der Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl versuche er, "seine Wählerbasis zu halten", sagte der Politikwissenschaftler José Santana Pereira vom Lissabonner Universitätsinstitut ISCTE der Nachrichtenagentur AFP.
Ventura hatte vergeblich eine allgemeine Verschiebung der Stichwahl wegen des Unwetters gefordert. Nach Angaben der Wahlbehörde erlaubte das Gesetz keine landesweite Verschiebung des Urnengangs, sondern nur in einzelnen Wahlkreisen. Mindestens 14 der am stärksten von Stürmen betroffenen Wahlkreise beschlossen, die Stimmabgabe von insgesamt fast 32.000 Wählerinnen und Wählern um eine Woche zu verschieben.
Der Wahlsieger wird Anfang März die Nachfolge von Staatschef Marcelo Rebelo de Sousa antreten, der nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte. Seit 1986 war in Portugal keine Stichwahl zur Wahl des Staatsoberhauptes mehr nötig gewesen. Der Präsident hat in Portugal keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen.