Schon über 100 Tote
Experten: So dramatisch ist der Ebola-Ausbruch
20.05.2026Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schätzt den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo als dramatisch ein.
Gleichzeitig hält sie eine kontrollierte Versorgung für möglich. "Ebola-Behandlung ist kompliziert und auch nicht ungefährlich, aber es ist auch kein Grund, in Panik zu verfallen. Man kann in einem kontrollierten Setting gut damit umgehen", sagte der Epidemiologe Maximilian Gertler von der Charité in Berlin am Mittwoch dem RBB-Inforadio.
Dieses kontrollierte Setting wolle man in der Region etablieren für die Patientenversorgung, so der Experte weiter. "Das ist unser Fokus, da kennen wir uns aus, da kann man dann auch viel erreichen." Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda gibt es nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums vom Dienstag 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle. Die Ausbreitungsgefahr für die Region gilt als hoch. In der Nacht auf Mittwoch wurde ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner in einer Sonderisolierstation der Berliner Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum aufgenommen.
Es mangelt an der Versorgung
"Das sind wirklich dramatische Zahlen, gerade dafür, dass die Epidemie erst seit drei Tagen bekannt ist", sagte Gertler. "Da muss man annehmen, dass es schon eine ganze Zeit sehr fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte und die Epidemiebekämpfung starten konnte." Es handle sich im Allgemeinen um lokale Geschehen, "bei denen die Infektion gar nicht so ansteckend ist wie zum Beispiel ein atemwegsübertragendes Virus". In einer Region mit schwacher Infrastruktur und politischer Instabilität gebe es aber keine vernünftige Versorgung.
"Im Moment sind wir damit beschäftigt, Teams und Experten auf der ganzen Welt zusammen zu telefonieren, die wir in unseren Einsätzen bereits hatten oder die sich mit diesen Erkrankungen auskennen", sagte der Facharzt. "Wir ziehen Personal aus Projekten in Afrika zusammen in die Region. Wir mobilisieren tonnenweise Material mit Schutzausrüstung und Gerät, um Isolierstationen zu improvisieren, zu bauen."
US-Bürger mit Ebola in Berlin
Unterdessen wurde der US-Bürger in die Sonderisolierstation der Charité in Berlin gebracht. Er hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus angesteckt, das sich dort stark ausbreitet. Die US-Behörden hatten die deutsche Bundesregierung auch wegen der kürzeren Flugzeit nach Deutschland um Hilfe gebeten. Der Transport nach Berlin sollte von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten organisiert werden, wie das Gesundheitsministerium erläuterte.
Zur Charité erfolgte der Transport mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug. Eskortiert wurde es von zahlreichen Motorrädern und Autos der Polizei sowie Feuerwehren und Krankenwagen. Kurz vor 3.00 Uhr erreichte das Spezialfahrzeug das Krankenhaus.
Die Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum verfügt über eine spezialisierte Infrastruktur zur Versorgung von Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten, wie es zur Erläuterung hieß. Sie ist eine geschlossene und geschützte Einheit, getrennt vom regulären Klinikbetrieb, sodass kein Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten entstehen kann.
Tropenwälder des Kongo gelten als natürliches Reservoir für Virus
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Die dichten Tropenwälder des Kongo gelten als natürliches Reservoir für das Ebola-Virus. Zu den Symptomen gehören Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Wenn Infizierte nicht sofort behandelt werden, liegt die Sterblichkeit nach Angaben des deutschen Robert Koch-Instituts bei bis zu 90 Prozent. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.