Adria-Horror

Fähren-Held: "So überlebte ich"

29.12.2014

Das Fährunglück der „Norman Atlantic“ forderte viele Opfer.

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„Wir waren vier Stunden lang im Wasser. Mein Mann sagte mir: ‚Wir sterben, wir sterben!‘“, schildert Teodora Douili das Drama auf der Fähre „Norman Atlantic“. Das Schiff war am Sonntag auf dem Weg von Patras nach Ancona in Brand geraten. Die Unfallursache ist noch ungeklärt – man vermutet, dass Lkws mit Olivenöl Feuer gefangen hatten.

Mindestens zehn Menschen sind bei dem Unglück ums Leben gekommen. 36 Stunden kämpften Mannschaften mit Rettungsschiffen und Helikoptern, um die 478 Menschen an Bord zu retten. Sturm und meterhohe Wellen machten die Aktion zur Qual. Erst Montagnachmittag waren alle überlebenden Passagiere in ­Sicherheit.Unter den Passagieren gab es Tumulte. „Es herrschte Panik wegen des Gedränges“, erzählte Passagierin Rania Fyreou. Es gab sogar Prügeleien um Plätze in den Helikoptern. „Männer schlugen uns Frauen“, schildert die Sopranistin Dimitra Theodossiou.

Alle Österreicher auf dem Schiff sind gerettet. Neben Mehmet Güyen und einem weiteren Tiroler konnte auch eine Vorarlbergerin (63) von Bord geholt werden. Sie wurde unterkühlt in ein Krankenhaus nahe Lecce gebracht. Ihr Sohn (35) folgte wenige Stunden später.

Vorarlbergerin unterkühlt, Salzburger wartete auf Vater
Am späteren Abend wurde dann auch die Rettung des Salzburgers Erwin Schrümpf vom Außenamt bestätigt. Sein Sohn Manuel hat zu Hause gezittert. „Die Warterei war zermürbend“, sagte er gegenüber ÖSTERREICH.

Einer ist indes zum Helden geworden: Als letzter verließ verließ Kapitän Argilio Giacomazzi (62) das Schiff.

"Habe Flugangst, deshalb fuhr ich mit dem Schiff"
„Ich bin nicht verletzt! Es geht mir gut!“ Mit diesen Worten beruhigte Mehmet Güyen seinen zu Hause in Tirol bangenden Bruder Haci nach der Schiffskatastrophe via Handy.

Er habe einen wahren „Albtraum“ durchlebt, wäre aus Panik „beinahe ins Meer gesprungen“. Der Kapitän hielt ihn davon ab. Mehmet weinte am Telefon vor Freude.

Die Torturen einer dramatischen Rettung

„Ein Hubschrauber brachte mich von der Norman Atlantic zu einem kleineren Rettungsschiff – und von dort dann zu einem größeren Schiff“, präzisierte der Tiroler das Prozedere der dramatischen Rettung. Von dort geht es an die griechisch-albanische Grenze. „Mit mir befinden sich zwei weitere Österreicher an Bord.“ Auf dem Festland angekommen, muss sich Mehmet bei den griechischen Behörden mit seinem Pass, den er zum Glück noch bei sich hat, identifizieren.

Flugzeug-Phobie
Das deutsche Konsulat hat ihm versprochen, „dass man mich auf dem Landweg nach Österreich bringt“. Der Grund: Mehmet Güyen leidet an schlimmer „Flugzeug-Phobie – deshalb bin ich auch mit dem Schiff gereist“. Dass diese Reise ihn in die Katastrophe führen würde, konnte der Tiroler natürlich nicht ahnen …

Sohn wartet auf Vater: "Es ist zermürbend!"

ÖSTERREICH: Hat sich Ihr Vater nach dem Fähr-Drama bei Ihnen schon gemeldet?
Manuel Merseburger: Ja, am Sonntag um 5.20 Uhr haben wir länger telefoniert. Er hat mir erzählt, dass das Schiff brennt und alle an Deck zur Evakuierung müssen.

ÖSTERREICH: Wie gehen Sie mit der Situation um?
Merseburger: Die Warterei ist zermürbend auf Dauer. Man sitzt daheim, trifft sich mit der Familie. Aber man kann nur warten, warten, warten. Aber wir sind mit dem Außenministerium in Kontakt und mit den griechischen Behörden. So sehen wir zu, so schnell wie möglich etwas herauszu­bekommen.

ÖSTERREICH: Wie schätzen Sie die Rettungsaktion ein?
Merseburger: Ich habe ein wenig Erfahrung mit Hubschraubern und weiß, wie schwierig das bei so einem Sturm ist.

ÖSTERREICH: Ihr Vater ist ja für die Griechenlandhilfe unterwegs …
Merseburger: Ja, er hat hauptsächlich Medikamente an Krankenhäuser geliefert und auch Spielzeug für ein Kinderspital. Diesmal waren sie mit zwei Bussen unten. Zum Glück ist der zweite Bus auf einer anderen Fähre.

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