Im Sperma

Forscher schlagen Alarm: Hantavirus überlebt jahrelang

16.05.2026

Das Virus könnte Jahre nach einer Infektion noch sexuell übertragbar sein. 

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Eine aktuelle Studie aus der Schweiz liefert neue, grundlegende Erkenntnisse über das Hantavirus. Forscher des staatlichen Spiez-Labors – einem Spezialinstitut für biologische und chemische Gefahren – weisen nach, dass das Virus deutlich länger im menschlichen Körper verbleiben kann als bislang angenommen. Die im Fachjournal Viruses veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass das genetische Material des Erregers noch fast sechs Jahre nach der eigentlichen Erkrankung im Sperma eines Patienten nachweisbar war.

Virus nach 71 Monaten nachgewiesen

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein heute 55-jähriger Schweizer, der sich während einer Reise in Südamerika mit dem sogenannten Andes-Hantavirus infiziert hatte.

Das überraschende Ergebnis der Langzeituntersuchung: Während im Blut, im Urin und in den Atemwegen des Mannes keinerlei Virusspuren mehr zu finden waren, ließ sich das Erbgut des Virus im Sperma selbst 71 Monate nach der Infektion nachweisen. Aufgrund dieser Datenlage halten die beteiligten Wissenschaftler eine sexuelle Übertragung des Hantavirus für möglich. Ein eindeutig dokumentierter Fall einer solchen Übertragung liegt aktuell allerdings noch nicht vor.

Die Hoden als immunologische Schutzzone

Die Forscher vermuten, dass sich das Hantavirus gezielt in den Hoden einnistet. Dieses Phänomen ist in der Virologie bereits von anderen gefährlichen Erregern wie dem Ebola- oder dem Zika-Virus bekannt.

Die Erklärgrafik stellt die Übertragung des Hantavirus dar. Das Virus wird meist durch Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten. Symptome sind zunächst grippeähnlich, anschließend oft schwere Atemwegserkrankung. Die Sterblichkeit liegt zwischen 25 und 40 Prozent der Fälle. Quelle: APA/Ages.
 

Die Hoden gehören zu den sogenannten immunologisch geschützten Bereichen des Körpers. Um die Produktion und die Qualität der Spermien nicht durch Entzündungsreaktionen zu gefährden, arbeitet das Immunsystem in diesem Gewebe nur eingeschränkt. Diesen Umstand können bestimmte Krankheitserreger nutzen, um sich über Jahre hinweg vor der körpereigenen Abwehr zu verbergen.

Schutzmaßnahmen

Angesichts dieser Befunde fordern Gesundheitsexperten nun eine Anpassung der Verhaltensempfehlungen für ehemalige Hantavirus-Patienten. Die Analysefirma Airfinity plädiert für Vorsichtsmaßnahmen, die sich an den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Ebola-Überlebende orientieren. Sinnvoll seien demnach:

  • Regelmäßige Spermatests, bis das Virus nicht mehr nachweisbar ist.
  • Die konsequente Nutzung von Kondomen oder temporäre sexuelle Abstinenz.

Klassischerweise werden Hantaviren nicht von Mensch zu Mensch, sondern durch Nagetiere übertragen. Die Ansteckung erfolgt meist über den Kontakt mit oder das Einatmen von Staub, der mit Speichel, Urin oder Kot infizierter Tiere kontaminiert ist.

Die Erkrankung beginnt in der Regel mit unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Je nach Virustyp kann der Verlauf jedoch schwerwiegend sein und im weiteren Verlauf zu akuten Lungen- und Herzproblemen oder zu akutem Nierenversagen führen.