Gigant auf See

Frankreich baut Mega-Flugzeugträger um Milliarden

19.05.2026

Frankreich treibt seine militärischen Zukunftspläne voran und arbeitet an einem gigantischen neuen Flugzeugträger. Das Milliardenprojekt soll den bisherigen Atomträger „Charles de Gaulle“ ersetzen.

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© AFP
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Der neue Flugzeugträger soll den Namen „France Libre“ tragen und ab 2038 einsatzbereit sein. Geplant ist ein riesiges Kriegsschiff mit einer Länge von rund 310 Metern. Damit wäre es deutlich größer als sein Vorgänger. Das Gewicht fällt massiv aus: Rund 78.000 Tonnen soll der neue Träger auf die Waage bringen, fast doppelt so viel wie die bisherige „Charles de Gaulle“.

Auch die Kosten sind gewaltig: Für das Projekt werden derzeit rund 10,25 Milliarden Euro veranschlagt.  

Platz für Kampfjets und Drohnen

An Bord sollen laut Berichten künftig rund 30 Kampfflugzeuge, mehrere Frühwarnflugzeuge des Typs E-2D Hawkeye sowie mehrere Hubschrauber stationiert werden. Auch der Einsatz unbemannter Systeme und Drohnen ist offenbar geplant.

Wie das Fachportal National Security Journal berichtet, wird das Schiff mit modernster Technik ausgestattet. Geplant sind unter anderem zwei neue Atomreaktoren sowie elektromagnetische Katapulte aus den USA, mit denen Kampfjets gestartet werden können.

Bau soll schon bald starten

Wie "focus.de" berichtet, sollen sich die Arbeiten an dem Großprojekt über mehr als ein Jahrzehnt ziehen. Bereits ab 2026 sollen Planung und erste Tests anlaufen. Der Bau des Schiffes soll anschließend in der Werft von Saint-Nazaire beginnen. Mitte der 2030er-Jahre soll der Flugzeugträger nach Toulon überführt werden, wo erste Erprobungen auf See vorgesehen sind. Wenn alles nach Plan läuft, soll die „France Libre“ im Jahr 2038 offiziell in Dienst gestellt werden. Gleichzeitig würde die seit 2001 eingesetzte „Charles de Gaulle“ nach jahrzehntelangem Einsatz ausgemustert werden.

Macron setzt auf militärische Unabhängigkeit

Hinter dem Projekt steckt auch ein strategisches Ziel der Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Frankreich will laut Berichten künftig militärisch unabhängiger agieren können, ohne sich bei Einsätzen vollständig auf amerikanische Infrastruktur oder Unterstützung verlassen zu müssen.

Als einziges EU-Land mit eigenen Atomwaffen verfolgt Frankreich seit Jahren das Ziel größerer sicherheitspolitischer Eigenständigkeit.

Experten warnen vor Risiken

Trotzdem gibt es auch Kritik an den milliardenschweren Plänen. Sicherheitsexperten verweisen laut National Security Journal auf die rasante Entwicklung moderner Waffen. Gegnerische Staaten könnten bis zur geplanten Indienststellung über deutlich stärkere Anti-Schiffs-Systeme und Drohnen verfügen, die große Flugzeugträger verwundbarer machen.

Offen bleibt außerdem, ob Frankreich langfristig tatsächlich nur mit einem einzigen Flugzeugträger auskommen wird. Zum Vergleich: Die USA verfügen derzeit über eine Flotte von 11 Flugzeugträgern.