Verleihung

Friedensnobelpreis an Chemiewaffenkontrollore

10.12.2013

Giftgaszerstörer für hartnäckige Arbeit gewürdigt.

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© apa
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Für ihren Kampf gegen Chemiewaffen sind die Giftgasvernichter der OPCW am Dienstag in Oslo mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. "Unsere Aufgabe ist es, Chemiewaffen für immer Geschichte werden zu lassen - eine Aufgabe, die wir in stiller Entschlossenheit ausgeführt haben", sagte der Generaldirektor der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen, Ahmet Üzümcü, bei der Verleihung.

"Dies ist das erste Mal, dass der Friedenspreis an eine Organisation geht, die sich aktiv für die Abrüstung als praktische und andauernde Realität einsetzt", betonte Üzümcü. Die Organisation, die 1997 zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention gegründet worden war, beeile sich, "die Vision von einer chemiewaffenfreien Welt Realität werden zu lassen", sagte er weiter. Mehr als 80 Prozent der bekannten weltweiten Giftgasvorräte seien bereits zerstört. "In den 16 Jahren, in denen die Konvention in Kraft ist, hat kein Mitgliedsstaat einen Chemiewaffen-Angriff erfahren." Attacken, wie sie in Syrien geschehen seien, riefen mittlerweile ein starke internationale Reaktion hervor.

Kurz zuvor war die OPCW ihrem aktuellen Ziel, Syrien von seinen Giftgasvorräten zu befreien, ein Stück näher gekommen: Vor etwas mehr als einer Woche hatten die USA zugestimmt, die giftigsten Kampfstoffe aus dem Arsenal auf See zu zerstören. Bis Mitte 2014 sollen alle chemischen Waffen aus Syrien verschwunden sein. Sowohl Regime als auch Opposition zeigten sich kooperativ, hatte Üzümcü hervorgehoben.

Doch auch nach dem Ende dieser Mission liegt das Ziel einer chemiewaffenfreien Welt noch in einiger Ferne. "Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder", heißt es mahnend in der Begründung des diesjährigen Friedensnobelpreises. "Die Herausforderung ist nun, die sechs Staaten außerhalb der Konvention zu überzeugen, ihr beizutreten", sagte Üzümcü - "ohne Verzögerung oder Bedingungen".

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises würdigte Nobelkomitee-Chef Thorbjörn Jagland auch Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela, von dem sich zeitgleich Zehntausende Menschen bei einer Trauerfeier in seiner Heimat verabschiedeten. Der große Staatsmann hatte 1993 den Nobelpreis bekommen. "Mandela ist auf jeden Fall den höchsten Ansprüchen des Preises gerecht geworden." Auch OPCW-Direktor Üzümcü erwähnte Mandela in seiner Nobelvorlesung.

Der Friedensnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der an Alfred Nobels Todestag in Oslo überreicht wird. Alle anderen Auszeichnungen - für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaft - verleiht Schwedens König Carl XVI. Gustaf am selben Tag in Stockholm.

Im vergangenen Jahr hatte die EU den mit acht Millionen schwedischen Kronen (knapp 900.000 Euro) dotierten Friedensnobelpreis bekommen. Dass die prestigeträchtige Auszeichnung in diesem Jahr wieder an eine Organisation ging, hatte viele überrascht.

Als Favoritin war lange die 16-jährige Malala gehandelt worden, die sich in ihrer Heimat Pakistan gegen die Taliban für das Recht von Mädchen und Frauen auf Bildung einsetzt. "Viele meinen, dass der Preis immer an mutige Individuen mit festen Prinzipien gehen sollte", sagte Jagland. "Aber Frieden wird nicht nur durch Individuen und Idealisten allein erreicht." Dafür brauche es auch Institutionen und Politiker. "Das Zusammenspiel zwischen allen kann Frieden schaffen."

 

 

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