Aus Tunesien

Friedensnobelpreis für Dialo-Quartett

10.12.2015

Seit Vergabe im Oktober hat sich Situation in nordafrikanischen Land verschlechtert.

Zur Vollversion des Artikels
© AFP
Zur Vollversion des Artikels

Das tunesische Quartett für den nationalen Dialog hat am Donnerstag in Norwegens Hauptstadt Oslo den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Der Verbund aus vier Organisationen - Gewerkschaftsverband UGTT, Arbeitgeberverband Utica, Menschenrechtsliga LTDH und Anwaltskammer - wurde für seinen gemeinsamen Einsatz für Demokratie in dem nordafrikanischen Land geehrt.

Friedensprozess

Das Quartett war nach großen sozialen Unruhen im Sommer 2013 gegründet worden und hatte einen friedlichen politischen Prozess in Gang gebracht. "Im Sommer 2013 stand Tunesien am Rand eines Bürgerkriegs", sagte Jurychefin Kaci Kullmann Five bei der Verleihung im Rathaus. "Das resolute Eingreifen des Quartetts hat dazu beigetragen, die Spirale der Gewalt zu stoppen und die Entwicklung in eine friedliche Spur zu bringen." Ihre Vielfalt habe den Organisationen ermöglicht, die treibende Kraft hinter der Demokratisierung des Landes zu werden.

Der norwegische Außenminister Börge Brende sagte: "Ich hoffe, dass das, was man in Tunesien geschafft hat, andere Länder im Mittleren Osten inspiriert, die sich weiter entwickeln wollen." Regierungschefin Erna Solberg sagte: "Vielleicht mobilisiert das einen Teil der stummen Kräfte, die sich heute nicht engagieren wollen, weil die Konflikte so scharf sind."

Rückschläge
Doch seit der Zuerkennung Mitte Oktober hat der Friedensprozess in Tunesien nicht zuletzt durch Terroranschläge Rückschläge erlitten. Ein Selbstmordangriff auf die Präsidentengarde führte Ende November dazu, dass der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Tunesien kämpft zudem mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Wegen eines seit Wochen Streit über Lohnverhandlungen reisten die tunesischen Gewerkschafter und der Arbeitgeberverband sogar zerstritten zur Nobelpreisverleihung an.

Dieser Herausforderungen sei sich die Jury bewusst, sagte Kullmann Five. Aber: "Wir hoffen, dass der Friedensnobelpreis dazu beiträgt, dass es keine Rückkehr zu dem Tunesien gibt, das vor der Demokratisierung existiert hat." Die internationale Gemeinschaft trage einen Teil der Verantwortung und müsse in Tunesien investieren. "Wir werden weiter für unser Land arbeiten und auf Dialog und Konsens als einen Weg setzen, um Schwierigkeiten zu überwinden", schlossen die Preisträger ihre Rede.

Der Generalsekretär des Gewerkschaftsverband Houcine Abassi kündigte am Donnerstag an, dass die Medaille des Friedensnobelpreises im Bardo-Museum ausgestellt werden solle. "Der Preis wird nicht nur an das Quartett verliehen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Auszeichnung gebühre den Opfern des Aufstands und der Anschläge, den Frauen und der Jugend Tunesiens, den politischen Parteien und dem gesamten Volk.

"Sehr beunruhigt"
Der Präsident der Menschenrechtsliga Abdessatar Ben Moussa zeigte sich gegenüber der AFP "sehr beunruhigt", dass Tunesien angesichts der Bedrohung durch Jihadisten übermäßige Sicherheitsmaßnahmen ergreifen könnte. "Immer wenn es einen Terrorakt gibt, erheben sich Stimmen, die sich dafür aussprechen, die Menschenrechte einzuschränken", sagte er. Dies sei aber der falsche Weg.

2014 hatten sich die Kinderrechts-Aktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Friedensnobelpreis geteilt. Die damals erst 17-jährige Yousafzai ist die jüngste Preisträgerin aller Zeiten.

Weitere Auszeichnungen

Am Donnerstagnachmittag sollte Schwedens König Carl XVI. Gustaf in Stockholm noch die Nobelpreise für Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft überreichen. Die Auszeichnungen sind mit je acht Millionen schwedischen Kronen (rund 860.000 Euro) dotiert und gehen auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück, an dessen Todestag sie jedes Jahr verliehen werden.

Den diesjährigen Literaturnobelpreis bekommt die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch "für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt".

Zur Vollversion des Artikels