Eigener Staat

Irakischer Kurdenführer fordert Referendum

03.02.2016

Er glaubt, dass Kurden sich von irakischer Regierung loslösen sollen.

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© AFP
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Der irakische Kurdenführer Massoud Barzani hat ein Referendum über einen kurdischen Staat im Nordirak angekündigt. "Die Zeit ist gekommen und die Bedingungen sind gegeben, um die Menschen per Referendum über ihre Zukunft entscheiden zu lassen", erklärte Barzanis Büro in der Nacht auf Mittwoch.

Klares Statement

Barzani ist der amtierende Präsident der autonomen Kurdenregion im Irak. Er hat bereits in der Vergangenheit wiederholt zu einem Referendum über die Unabhängigkeit Kurdistans aufgerufen. Ein solches Plebiszit hat keine rechtlich bindende Wirkung, gilt aber als politisches Signal an die irakische Zentralregierung. "Das Referendum bedeutet nicht, einen Staat auszurufen, sonder vielmehr den Willen und die Meinung des kurdischen Volkes über die Unabhängigkeit deutlich zu machen", sagte Barzani laut der Erklärung. Er machte keine Angaben über einen möglichen Zeitpunkt für ein Referendum.

Kampf gegen IS

Peshmerga-Kämpfer der autonomen Kurdenregion im Nordirak wehren sich, ebenso wie Kurdenkämpfer in Nordsyrien, militärisch gegen den Vormarsch der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Der Kampf gegen den IS hat dem Wunsch vieler Kurden nach Eigenstaatlichkeit Auftrieb verliehen - allerdings sehen Regionalmächte wie die Türkei das Ansinnen der Kurden als Bedrohung. "Ähnlich wie Schottland, Katalonien und Quebec sowie andere Gebiete das Recht haben, ihre Meinung über ihr Schicksal zum Ausdruck zu bringen, hat auch Kurdistan das Recht, und es ist nicht verhandelbar", hieß es in der Erklärung des Kurdenführers.

Niedriger Ölpreis verursachte Schwierigkeiten

In Schwierigkeit gebracht hat die irakische Kurdenregion zuletzt der niedrige Ölpreis. Das Budget der Regierung in Erbil ist in einem großen Ausmaß von den Einnahme aus dem Ölverkauf abhängig - zuletzt drohten Zahlungsschwierigkeiten. Kritiker sehen Barzanis Ruf nach Unabhängigkeit als Strategie, die Bevölkerung hinter sich zu vereinen. Im August lief das Mandat des 69-Jährigen ab, er will aber gegen Widerstände weiter im Amt bleiben und führte zuletzt seine Rolle im Kampf gegen den IS als Argument für eine längere Amtszeit ins Feld.

 

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