Mega-Eruption

Killt Sonnensturm ihr Handy?

08.06.2011

Heftiger Ausbruch auf der Sonne: Fallen am Donnerstag Telefon, GPS und TV aus?

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Dienstag gegen 6.15 Uhr Weltzeit beobachten NASA-Experten erregt ein wildes Spektakel: Die Sonne brodelte und eine gigantische Eruption entlud sich. "Das war faszinierend. Man konnte sehen, wie das ganze Material von der Sonne hoch gesprengt wurde", so US-Experte Bill Murtagh. Das Video (siehe oben) geht seither um die Welt. Es ist die heftigste Eruption seit 2006.

Alle 11 Jahre
Für die Weltall-Forscher war das keine Überraschung. "Alle 11 Jahre gibt es ein sogenanntes Sonnenflecken-Maximum. Und wir befinden uns gerade am Anfang dieses Zyklus", sagt der Wiener Experte Gerald Duma von der Zentralanstalt für Meteorologie. Folge: Eine riesige Partikelwolke wurde durch die Eruption freigesetzt, die ungefähr halb so groß wie die Sonne selbst war.

Sonnensturm rast mit 1.000 km pro Sekunde
Was Duma so nüchtern erläutert, könnte aber drastische Auswirkungen auf die Erde haben – auch wenn der Fixstern 150 Millionen Kilometer von uns entfernt ist. "Die Sonnenstürme erreichen eine Geschwindigkeit zwischen 300 und über 1.000 Kilometer pro Sekunde", erklärt Duma. Oder anders gesagt: Die Partikel rasen in einem unvorstellbaren Tempo durch das All und treffen innerhalb weniger Stunden auf die Erde. "Nur 42 Stunden braucht der Sonnensturm bis er da ist", sagt Duma.

Unsere elektronischen Spielzeuge reagieren besonders empfindlich. Der geomagnetisch aufgeladene Sonnensturm könnte sich zum effektiven Handykiller entwickeln. Wenn ihr Handynetz heute öfters w.o. gibt, dann lässt der Sonnensturm grüßen.

Kein Chaos
Das ist nicht alles: Anfällig sind auch Telekom-Satelliten (TV- und Radiosender könnten etwas ausfallen) oder die 20.000 Kilometer von der Erde entfernt im All kreisenden Satelliten des Navigationssystems GPS . Sogar das Stromnetz ist in Gefahr. Bestes Beispiel: Erst im Februar fiel nach einem Sonnensturm der Radioempfang in China teilweise aus.

Allerdings glauben die NASA-Experten heute nicht an das große Chaos. Die Begründung: Die Eruption sah spektakulär aus, war aber nicht gegen den Blauen Planeten gerichtet. Man wird sehen.
 

Experte Gerald Duma: "Heute früh wird es so weit sein"

ÖSTERREICH: Herr Duma, am Dienstag in den Morgenstunden gab es auf der Sonne eine Eruption. Wann wird der Sturm auf der Erde zu spüren sein?
Gerald Duma: Der Sonnensturm braucht ungefähr 42 Stunden bis er die Erde erreicht. Sprich, spätestens heute in den Morgenstunden wird es so weit sein.

ÖSTERREICH: Wie könnten wir den Sonnensturm spüren?
Duma: Die NASA berichtet, dass es eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit für Polarlichter gibt.

ÖSTERREICH: Wird auch unser Kommunikationssystem von den magnetisch aufgeladenen Sonnenstürmen beeinträchtigt sein?
Duma: Prinzipiell ist das durchaus möglich. Denn unsere hoch technologisierte Welt ist sehr anfällig auf solche Vorgänge. Im konkreten Fall, rechnen wir mit keinen großen Störungen. Denn die Eruption passierte am Rand der Sonne und war nicht gegen die Erde gerichtet.

ÖSTERREICH: Was wird bei einer Eruption genau ausgestoßen?
Duma: Das ist ein Plasmastrom, der mit hoher Energie ausgestattet ist. Im Prinzip sind es geladene Teilchen, sogenannte Protonen. Sie können auch auf die Erde treffen.
 

Sonnensturm: Achtung auch im Büro

Der Chef nervt, die Kollegin reagiert sensibel auf Witzchen, alle zicken und zanken rum. Vielleicht kann keiner etwas dafür. Denn der Sonnensturm heute kann durchaus auch Auswirkungen auf unsere Psyche haben. Wissenschaftlich nachweisen lässt sich das nicht. Aber so wie bei Wetterfühligkeit ist schon lange bekannt, dass Menschen auf spezielle Konstellationen im All sensibel reagieren.

Was heute Büros zusätzlich spannend macht: Auch das Wetter auf unserer Erde spielt verrückt. Diese Kombi klingt explosiv.

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