Schwulenparade

Krawalle vor Österreichs Botschaft in Belgrad

10.10.2010

Ein Polizeiauto wurde vor der Vertretung in Brand gesetzt.

Zur Vollversion des Artikels
© Reuters
Zur Vollversion des Artikels

Bei den Krawallen anlässlich der ersten Homosexuellenparade in Belgrad ist am Sonntag laut Medienberichten auch die österreichische Botschaft ins Visier von Hooligans geraten. Der Sender B-92 berichtete, dass gewaltbereite Gegner der Pride-Parade ein Polizeifahrzeug vor der Botschaft in Brand setzten. Am Gebäude selbst sei allerdings kein Schaden entstanden.

 Der kurze Marsch von etwa 1.000 Teilnehmern der Parade im Stadtzentrum verlief zunächst problemlos. Im Umkreis der Kundgebung kam es jedoch an mehreren Stellen zu Konfrontationen zwischen den Ordnungshütern und Gegnern der Schwulenparade, mehrheitlich Anhängern extremnationalistischer Organisationen und Fußballfans. Mehrere Autos und Müllbehälter wurden in Brand gesteckt, Schaufenster gingen zu Bruch. Die Polizei ging laut Medienberichten wiederholt auch mit Tränengas gegen die Protestierenden vor.

Zahlreiche Festnahmen
Wie der Sender B-92 meldete, wurden bis Mittag in die Notfallabteilung des Belgrader Klinikzentrums 17 Polizisten, darunter einer mit schweren Verletzungen, eingeliefert. Der ärztliche Notdienst behandelte laut derselben Quelle in derselben Zeitspanne etwa zehn Verletzte. Mehrere Personen wurden festgenommen, konkrete Daten lagen vorerst nicht vor.

In das Klinikzentrum wurden nach Angaben von dessen Chefs Vladimir Djukic bis 13.00 Uhr 44 Verletzte, darunter 42 Polizisten, aufgenommen. Ein 31-jähriger erlitt schwere Verletzungen.

Der US-Sender Radio "Free Europe" berichtete in serbischer Sprache, dass sein Reporter James Kirchick einen Kopfschlag erhalten habe, als er eine Gruppe von Gegnern der Parade fotografiert habe. Demselben Sender zufolge wurde auch einer der Organisatoren der Parade, Slobodan Stojanovic, in den Morgenstunden vor seiner Belgrader Wohnung schwer verprügelt. Stojanovic sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, befinde sich aber außer Lebensgefahr, berichtete der Sender.

Molotowcocktails
Gegner der Schwulenparade griffen auch den Sitz der regierenden Demokratischen Partei (DS) mit Steinen und Molotowcocktails sowie Fackeln an. Nach den Worten der DS-Sprecherin Jelena Trivan kam es auf der Terrasse am Eingang in das Gebäude auch zu einem Brand. Verletzte gab es keine. Die Feuerwehr sei dabei, den Brand zu löschen, sagte Trivan gegenüber dem Sender B-92.

An der Schwulenparade, die reibungslos verlief, nahmen unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen etwa 1.000 Personen teil. Für ihre Sicherheit sorgten rund 5.000 Polizisten, darunter auch Angehörige der Sonderpolizei-Einheiten. Den Gegnern der Parade gelang es in keinem Augenblick, zur Parade vorzudringen.

Nach der Schwulenparade war im Studenten-Kulturzentrum SKC eine Party für die Teilnehmer der Veranstaltung geplant. Das Stadtzentrum bleibt den Ankündigungen nach bis 17.00 Uhr für den Verkehr gesperrt. Auch Passanten wurden von der Polizei kontrolliert.
 

Zur Vollversion des Artikels