Aufstand in Libyen

Gaddafi droht mit Bin Laden

23.02.2011

Seine Gegner bezeichnete er als "Drogenkranke". Bin Laden manipuliere die Libyer, so Gaddafi.

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© REUTERS/Ismail Zitouny
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Es war eine bizarre Mischung aus Schimpftirade und Grabrede: Muammar Gaddafi meldete sich am Donnerstag nachmittag abermals aus seinem Bunker. Via Telefon. Kameras waren keine zugelassen. Es sollte wohl nicht gezeigt werden, wo der Diktator sich wirklich versteckt. Offensichtlich hat Gaddafi inzwischen panische Angst vor einem gezielten Militärschlag.

In der wirren Rede wiederholte Gaddafi zuerst seine Durchhalteparolen: "Ich werde nie aufgeben, weiter für Libyen kämpfen“, sagte: "Wenn ihr einander töten wollt, dann tut das“, schimpfte er mit der schrillen Stimme eines Verzweifelten.

„Bin Laden ist der wirkliche Verbrecher“
Dann warnte der Diktator vor islamischem Terror in Libyen: "Al-Kaida ist für den Aufstand in meinem Land verantwortlich. Al-Kaida manipuliert die jungen Menschen, Osama bin Laden ist der wirkliche Verbrecher“, tobte er. Und: "Keine vernünftige Person beteiligt sich an den Protesten. Die Menschen kämpften untereinander und stehen unter Drogen“, beschimpfte er die Regime-Gegner als Rauschgiftsüchtige. Tatsächlich gab es in den vergangenen Tagen im Osten des Landes mehrere Kundgebungen von Al-Kaida-Sympathisanten.

Die befreite Region am Mittelmeer (an der Grenze zu Ägypten) ist Gaddafi inzwischen völlig entglitten. Die Opposition hat längst die Macht übernommen. Mehr noch: Gaddafis Gegner fühlen sich bereits so stark, daß sie "zum Marsch auf Tripolis“ aufrufen, um den Diktator und seine Söhne endgültig aus dem Bunker zu holen.

Waffe Erdöl
In den Städten Benghazi, El Baida, Derna und Tobruk, den Umschlagszentren der libyschen Erdölindustrie, feierten am Donnerstag tausende Demonstranten ein Dutzend hochrangige Armeeangehörige, die sich von der Führung in Tripolis losgesagt haben.

Massaker in Moschee
 Nur Teile des Westens und die Umgebung der Hauptstadt sind noch unter Kontrolle von Gaddafis-Söldner-Truppen: Immer mehr Details über Massaker werden bekannt. In einer Stadt nahe Tripolis wurde eine Moschee beschossen: „Ich sah Leichenberge und Blutlachen“, berichtet ein Augenzeuge. Auf den Flugplatz von Misrata feuerten die Söldner in eine Menschenkette - ein Gemetzel.

 


 

Lesen Sie auf Seite 2: Der Tag im Live-Ticker:

 

17:10 Uhr: Bei den Unruhen in Libyen könnten dem französischen Gesandten für Menschenrechte zufolge bis zu 2.000 Menschen getötet worden sein. "Nach den uns gegenwärtig vorliegenden Zahlen aus Kreisen sind mindestens 1.000 gestorben, möglicherweise 2.000", sagte Francois Zimeray.

16:54 Uhr: Im blutigen Ringen in Libyen schickt Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi auch eine Art Jugend-Miliz auf seine Gegner los. In dem Bericht hieß es weiter, dass Gegner des Gaddafi-Regimes bei den heftigen Kämpfen mit Verzweiflungstaten reagiert hätten. So hätten sie Autos voller Benzin gegen anrollende Panzer gelenkt und in Brand gesetzt.

16:49 Uhr: Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien verhandelt einem Medienbericht zufolge über die Ausweitung seiner Ölexporte, um Lieferengpässe durch die Libyen-Krise auszugleichen.

16:20 Uhr: Ein Pilot von Al-Gaddafis Privatjet, der Norweger Odd Birger Johansen, soll mit seiner Frau und seiner Tochter nach Wien geflohen sein. Das berichtet die britische BBC. Johansen und seine Familie hätten um ihr Leben gefürchtet. Johansen ist einer von vier Privat-Piloten Gaddafi.

16:11 Uhr: Ein Konvoi mit Österreichern ist sicher in Tunesien angekommen. In dem Konvoi mit sieben Fahrzeugen waren 15 Österreicher und zwei oder drei weiteren Personen mit fünf Begleitern des Außen-, Innen- und Verteidigungsministeriums, so Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

Gaddafis Rede: Seine Statements im Wortlaut:

15:35 Uhr: +++ Mit den Worten: "Befreit das Land von dieser dunklen Wolke" beendet Gaddafi seine Ansprache.

15:32 Uhr: +++ Er sieht nur Jugendliche auf der Straße +++ Er verlangt von den Eltern, sie nach Hause zu holen +++ Sie seien von Al Kaida aufgehetzt +++

15:33 Uhr: +++ Gaddafi will die Verantwortlichen für die Gewalt im Land zur Rechenschaft ziehen +++

15:30 Uhr: +++ Für Gaddafi sind die Unruhen in der Arabischen Welt von Terroristen geschürt. Al Kaida, die USA und der Westen würden die Aufstände anzetteln +++

15:28 Uhr: +++ Er vergleicht sich mit der britischen Queen: Sie sei schließlich auch ein Leben lang an der Macht +++ Er sei ebenso ein "symbolischer Leader" des Landes +++

15:26 Uhr: +++ Thema Öl: Der Revolutionsführer warnt vor dem Stop der Ölproduktion +++

15:24 Uhr: +++ Gaddafi attackiert heftig die USA und das Ausland: Sie würden die Unruhen schüren +++

15:21 Uhr: +++ Er beschuldigt Al Kaida, für die Aufstände im Land verantworlich zu sein +++

15:20 Uhr: Via Telefon im TV wendet sich Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi jetzt an das Volk.

 

Seite 3:  Die Entwicklung von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr

 

15:09 Uhr: Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat die EU aufgefordert, bei der Bewältigung von Flüchtlingsströmen aus Nordafrika solidarisch zu sein. Angesichts erster in Lampedusa gestrandeter Flüchtlinge sagte Maroni am Donnerstag vor dem EU-Innenministerrat in Brüssel, "ich hoffe auf Unterstützung". Die Schätzungen von Flüchtlingen aus Libyen gingen bis zu "einer Million". In einer ersten Reaktion lehnte die Innenministerin Maria Fekter ab.
 

14:57 Uhr: Außenminister Michael Spindelegger (V) gibt dem Regime des libyschen Autokraten Muammar al-Gaddafi nicht mehr viel Zeit. "Ich glaube immer noch, dass es eigentlich nur noch eine Frage von Stunden ist, dass dort tatsächlich ein Übergang stattfindet", sagte Spindelegger während seiner China-Reise.

14:55 Uhr: Bundespräsident Heinz Fischer hat die Gewalt der libyschen Machthaber gegen Demonstranten verurteilt. Beim Treffen der Parlamentarischen Versammlung der OSZE in Wien forderte er ein "sofortiges Ende des Blutvergießens".

14:17 Uhr: Laut NATO-Chef Rasmussen hat das Bündnis keine Pläne, in Libyen zu intervenieren.

13:49 Uhr: Laut Aljazeera soll sich einer der engsten Vertrauten Gaddafis nach Kairo abgesetzt. Gaddaf al-Dam, ein Cousin des Revolutionsführers, berichtet von "schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen" in Libyen.

13:33 Uhr: Gaddafi treue Truppen haben einem Augenzeugen zufolge Aufständische in der ostlibyschen Stadt Misrata (Misurata) angegriffen. Dabei seien mehrere Menschen getötet worden. "Die (Pro-Gaddafi)-Brigade hat dort die Kontrolle erlangt, aber wir bemühen uns, sie zurückzuschlagen", berichtete der Zeuge.

13:22 Uhr: +++ Breaking News +++ Der arabische SenderAlarabiya berichtet, Gaddafi werde in Kürze eine neue Rede halten ++++

Gaddafis letzte Wutrede: Hier das Video:

13:09 Uhr: Die EU-Kommission hat am Donnerstag in Brüssel zur dramatischen Lage in Libyen betont, dass aktuell 5.000 bis 6.000 Europäer evakuiert werden müssen.

12:47 Uhr: Schockiernde Bilder zeigen 20 Leichen in den Straßen von al-Sawija. Eine Polizeistation steht in Flammen.

Seite 4:: Die Entwicklung von 07:00 Uhr bis 12:00 Uhr

12:01 Uhr: Der zurückgetretene libysche Justizminister Mohamed Abdul al-Jeleil erwartet einen baldigen Selbstmord von Gaddafi: "Gaddafis Tage sind gezählt. Er wird es wie Hitler machen und sich das Leben nehmen."

11:45 Uhr: Die Evakuierung der Österreicher , die sich immer noch in Libyen befinden, wird immer schwieriger: "Die Sicherheitslage im Großraum Tripolis ist sehr, sehr angespannt und unübersichtlich, die Kommunikationsmöglichkeiten - wenn überhaupt funktionierend - sehr schwierig", erklärt Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

11:32 Uhr: Gegner Gadadfis sind Augenzeugen zufolge nach ihren Erfolgen im Osten des Landes nun auch im Westen auf dem Vormarsch. Milizen würden die Ortschaft Zuara etwa 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis kontrollieren, berichten nach Tunesien geflohene ägyptische Gastarbeiter.

11:24 Uhr: Arabische Medien berichten, dass libysche Soldaten die Stadt al-Sawij, 40 Kilometer südwestlich von Triplois gelegen, angreifen.

11:18 Uhr: Das fundamentalistische Terrornetzwerk Al-Kaida stellt sich hinter den Volksaufstand in Libyen gestellt. Der nordafrikanische Teil der Extremistenorganisation verurteilt Machthaber Muammar al-Gaddafi für dessen gewaltsame Niederschlagung der Proteste.

10:57 Uhr: Der italienische Innenminister Roberto Marroni hat die EU aufgefordert, bei der Bewältigung von Flüchtlingsströmen aus Nordafrika solidarisch zu sein.

 

Laut dieser im Internet kursierenden Karte wird es für Gaddafi immer enger. Der Großteils des Landes ist schon unter der Kontrolle der Aufständischen.

10:29 Uhr: Al Saadi Gaddafi, einer der Söhne des Revolutionsführers, erklärt in einem Telefoninterview mit "Financial Times", dass 85 Prozent des Landes "sehr ruhig und sehr sicher" seien. Sein Bruder Saif al-Islam arbeite derzeit an einer Verfassung für Libyen. Bisher hat das nordafrikanische Land keine Verfassung. Sein Vater werde künftig als Berater einer neuen Regierung fungieren, sagte Al-Saadi, der sich bisher international vor allem als mittelmäßiger Fußballer hervorgetan hatte. "Mein Vater wird bleiben als großer Vater, der Ratschläge gibt."

10:17 Uhr: Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga hat sich gegen eine Panikmache angesichts der dramatischen Situation in Libyen und anderen nordafrikanischen Staaten ausgesprochen. Allerdings verweist sie darauf, dass "niemand im Moment wissen kann, wie viele Menschen überhaupt nach Europa kommen".

10:05 Uhr: Innenministerin Maria Fekter (V) sieht derzeit keine Flüchtlingsströme angesichts der dramatischen Situation in Libyen und anderen nordafrikanischen Ländern. Fekter sagte, die derzeit auf der italienischen Insel Lampedusa gestrandeten 5.000 Flüchtlinge seien "nicht vergleichbar mit dem Balkankrieg".

09:52 Uhr: Für Gaddafi wird es immer enger. Die Aufständischen kontrollieren schon Gebiete 50 Kilometer außerhalb von Tripolis, berichtet die "BBC". Der Revolutionsführer lässt bereits Panzer in den Vorstädten der Hauptstadt auffahren.

09:36 Uhr: Viele Menschen aus dem Osten Libyens haben sich bewaffnet und ziehen jetzt nach Tripolis, berichtet "Libyan Youth Movement" via Twitter.

09:27 Uhr: Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte haben in der libyschen Stadt Misrata am Mittwoch nach Angaben von Augenzeugen Demonstranten angegriffen und mehrere Menschen getötet. "Anhänger des Regimes haben unbewaffnete Demonstranten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten attackiert", sagte ein Augenzeuge.

© Reuters

Tausende fliehen aus Libyen. Hier kommen Menschen in der Türkei an. / (c) Reuters

08:37 Uhr: Silvio Berlusconi hat offenbar andere Sorgen als die Unruhen in Libyen. Er erklärt, er wolle Muammar al Gaddafi "nicht stören".

08:08 Uhr: Die Ölpreise haben am Donnerstag ihren Höhenflug fortgesetzt. Die  Sorge vor einem Übergreifen der Unruhen von Libyen auf andere Staaten in Nordafrika oder im Nahen Osten treibt die Notierungen laut Händlern weiter in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur April-Lieferung kostete im frühen Handel 112,80 US-Dollar (82,1 Euro). Das waren 1,55 Dollar mehr als am Vortag.

07:55 Uhr: Der nordafrikanische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida (Aqmi) hat den Demonstranten in Libyen seine volle Unterstützung bei ihrem Aufstand gegen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zugesichert.

07:42 Uhr: Angesichts der erwarteten Massenflucht aus Libyen nach Europa fordert Amnesty International die Aufnahme afrikanischer Flüchtlinge auch in Deutschland.

07:37 Uhr: Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hat vor einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die bisherige EU-Politik gegenüber der arabischen Welt scharf kritisiert.

07:30 Uhr: UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon will dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die derzeit in Libyen ausgeübte Gewalt vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. "Diejenigen, die das brutale Blutvergießen an Unschuldigen (anordnen), müssen bestraft werden", verlangte Ban am Mittwochabend vor Journalisten in New York.

Seite 5: Die Hintergründe zum Aufstand in Libyen:

 

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AUA fliegt nicht mehr In Tripolis kämpft Gaddafi mit Brutalität gegen sein Ende an. Zehntausende Menschen versuchen zu fliehen – die Flüchtlingswelle wird in den nächsten Tagen Europa erreichen. Auch viele Europäer sitzen in Tripolis fest. Die AUA fliegt seit gestern Abend "aus Sicherheitsgründen" Tripolis (vorerst bis Sonntag) nicht mehr an.

In östlichen Teilen des Landes wird indes bereits die "Befreiung" gefeiert. In Benghazi und Tobruk sollen die Vertreter der Staatsmacht verschwunden sein oder hätten sich den Aufständischen angeschlossen.

Ähnliches dürfte auch in Tripolis bevorstehen. Für Österreichs Außenminister Michael Spindelegger nur noch "eine Frage der Zeit".

Gaddafi verschanzt Mit drei seiner engsten Brigaden hat sich Gaddafi in vier Kasernen in Tripolis verschanzt. Währenddessen zerbröselt die Pro-Gaddafi-Front im Land: Libyens Innenminister Abdel Fatah Junes stellte sich hinter die Protestbewegung. In einem Telefoninterview mit der Zeitung Al Arabiya sagte er: "Das Gaddafi-Regime ist tot." Und er vermutet: "Gaddafi wird Selbstmord begehen."

Auch ein hochrangiger Berater von Gaddafi-Sohn Saif trat zurück. Im Osten des Landes verweigerten Kampfjet-Piloten Gaddafis Schießbefehl auf die Stadt Benghazi. Der Jet stürzte ab, die Piloten waren zuvor mit Fallschirmen abgesprungen.

Justizminister: Gaddafi befahl Lockerbie Nach Androhung einer blutigen Niederschlagung der Proteste wendet sich die internationale Gemeinschaft von dem Diktator ab. Die EU, die jährlich Waffen im Wert von Hunderten Millionen Euro an Libyen exportiert, stoppte die Lieferungen. Die EU und die USA wollen nun Sanktionen gegen Gaddafi verhängen.

Der am Montag zurückgetretene Justizminister Mustafa Abdel Jalil will jetzt Beweise vorlegen, dass Gaddafi das Attentat auf ein US-Flugzeug in Lockerbie im Jahr 1988 angeordnet hat. Damals starben 270 Menschen.

Österreichs Firmen brechen Zelte ab

Das Außenamt will festsitzende Österreicher per Schiff oder Autokonvoi retten. Die Unruhen kosten heimische Firmen Millionen Euro. Die Unruhen haben die österreichische Botschaft erreicht: Das Büro in der Stadtmitte (hier eskaliert die Gewalt) musste am Mittwoch von der "Cobra" evakuiert und in die Privatresidenz von Botschafterin Dorothea Auer verlegt werden. Das 20-köpfige Team kämpft unermüdlich um die Rettung der 80 Österreicher in Libyen.

Die Mehrheit, 40 bis 45 Österreicher, sind quer über Libyen verstreut. Der Plan: Rettung via See- oder Landweg. Andere Österreicher warten in Tripolis auf die Heimreise.

Österreichische Firmen, OMV, Strabag und Co. , haben die Tätigkeiten in Libyen unterbrochen, was Millionen-Verluste nach sich zieht. Die Strabag sperrte alle 5 Baustellen nahe Tripolis. Die Baufirma PORR hat die Arbeiten für das neue Fußball-Stadion in Tripolis unterbrochen.

Botschafter in Österreich läuft über

Die libysche Botschaft in Wien distanziert sich von Gaddafi.

© Libysche Botschaft Wien
Botschafter Ahmed Menesi - © Libysche Botschaft Wien

Das System Gaddafi ist in der libyschen Botschaft in Wien-Döbling, Blaasstraße 33, abgehakt. Botschafter Ahmed Menesi hat sich von der Gewalt Muammar Gaddafis distanziert. In einer Erklärung bekräftigten er und andere Botschaftsangehörige, "dass sie das libysche Volk vertreten und ihre tiefste Anteilnahme den Familien der Opfer ausdrücken wollen". Und: "Die Botschaft verurteilt die exzessive Gewalt gegen friedliche Demonstranten."

Dieser kargen Mitteilung sind wilde Streite in der Botschaft vorangegangen: "Tagelang wurde heftig diskutiert", sagt ein Ex-Mitarbeiter zu ÖSTERREICH: "Letztlich setzten sich aber die Gaddafi-Gegner durch." Porträts vom Diktator wurden von den Wänden gerissen, zerschlagen und zerschnitten. Zahlreiche enge Mitarbeiter des Botschafters reisten sofort ab, flogen mit AUA-Maschinen zurück nach Tripolis.

Lauter Ruf nach Schutz der Bevölkerung Diplomat Menesi bleibt vorerst aber weiter im Amt. Ein Interview zu den Vorfällen in seiner Heimat und seinem Sinneswandel wollte er am Mittwoch gegenüber ÖSTERREICH nicht geben. Er beschränkte sich auf eine schriftliche Erklärung: "Die libysche Botschaft ruft die Weltgemeinschaft auf, ihrer Pflicht zum Schutz der Zivilbevölkerung nachzugehen und konkrete Maßnahmen zu setzen, um weiter Opfer zu vermeiden."

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