Vertrauen erschöpft
Medwedew warnt vor Atom-Krise: "Die Uhr tickt"
02.02.2026Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat eindringlich vor den Folgen eines ersatzlosen Auslaufens des Atom-Abrüstungsvertrags "New Start" gewarnt.
Sollte es kein Nachfolgeabkommen geben, müsse die Welt alarmiert sein, dass die größten Atommächte erstmals seit den frühen 1970er-Jahren keinen Einschränkungen mehr unterlägen, sagte Medwedew in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters und russischen Medien.
"Vertrauen erschöpft"
"Ich will nicht sagen, dass dies sofort eine Katastrophe bedeutet und ein Atomkrieg beginnt, aber es sollte dennoch jeden alarmieren." Rüstungskontrollverträge spielten nicht nur bei der Begrenzung von Sprengköpfen eine entscheidende Rolle, sondern dienten auch der Überprüfung von Absichten und der Vertrauensbildung, erklärte Russlands Ex-Präsident weiter. "Wenn es ein Abkommen gibt, bedeutet das, dass Vertrauen da ist. Aber wenn es kein Abkommen gibt, bedeutet das, dass das Vertrauen erschöpft ist." Die Uhren tickten und müssten offensichtlich beschleunigt werden, fügte Medwedew hinzu. Der 60-Jährige gilt westlichen Diplomaten zufolge als einer der schärfsten Hardliner innerhalb der russischen Elite.
Der "New Start"-Vertrag läuft am Donnerstag aus. Nach russischen Angaben liegt bisher keine offizielle Antwort aus Washington auf den Vorschlag von Präsident Wladimir Putin vor, die bestehenden Obergrenzen für Raketen und Sprengköpfe um ein Jahr zu verlängern. US-Präsident Donald Trump hatte im Jänner angedeutet, den Vertrag enden zu lassen. "Wenn er ausläuft, läuft er aus", sagte Trump der "New York Times". Er wolle stattdessen eine "bessere Vereinbarung" erzielen. Trump will dabei China einbeziehen, was die Regierung in Peking ablehnt.
Das Abkommen begrenzt die Zahl der stationierten strategischen Atomsprengköpfe auf jeweils 1.550. Es war 2010 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama und Medwedew unterzeichnet worden. Putin hatte die Teilnahme Russlands an dem Vertrag jedoch bereits 2023 wegen der US-Unterstützung für die Ukraine ausgesetzt.