Iran-Krieg
Nach Trumps Ultimatum: Mullahs drohen jetzt mit totaler Eskalation
23.03.2026Im Iran-Krieg drohen die Revolutionsgarden mit Angriffen auf israelische Kraftwerke und die Stromversorgung von US-Stützpunkten am Persischen Golf.
Sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr machen und das iranische Stromnetz zerstören, werde in gleichem Maße zurückgeschlagen, teilte die Elitestreitmacht der Islamischen Republik am Montag mit. "Wenn ihr die Stromversorgung angreift, greifen wir die Stromversorgung an."
Ein Angriff auf die iranische Südküste oder die Inseln des Landes würde nach Angaben des iranischen Verteidigungsrates zudem zur Verminung der Seewege im Golf führen. Jeder Versuch eines Angriffs habe den Einsatz verschiedener Seeminen zur Folge, darunter auch von der Küste ausgesetzte treibende Minen, hieß es am Montag in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. In diesem Fall werde der gesamte Golf für lange Zeit unpassierbar sein.
Hintergrund ist ein Bericht des Nachrichtenportals "Axios", wonach die USA eine Blockade oder Besetzung der wichtigsten iranischen Ölexport-Insel Kharg erwägen, um eine Öffnung der Straße von Hormuz zu erzwingen. Nicht kriegführende Staaten können die Meerenge dem Rat zufolge weiterhin nur nach vorheriger Abstimmung mit dem Iran passieren.
Von früheren Drohungen gegen Meerwasserentsalzungsanlagen in der Region rückten die Revolutionsgarden hingegen ab. Der US-Präsident habe behauptet, der Iran wolle der Bevölkerung in den Nachbarländern Leid zufügen, hieß es in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Trump hatte der Führung in Teheran am Samstag ein Ultimatum gestellt: Sollte die strategisch wichtige Straße von Hormuz nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet werden, würden die USA iranische Kraftwerke vernichten. Die Frist läuft um 00.45 Uhr MEZ in der Nacht zum Dienstag ab.
Wo ist Khamenei?
Die gegenseitigen Angriffe gingen unterdessen unvermindert weiter. Das israelische Militär teilte am Montagmorgen mit, es habe eine großangelegte Welle von Luftangriffen auf Infrastruktur in Teheran begonnen. Der iranische Rote Halbmond veröffentlichte ein Video, das ein stark beschädigtes Wohnhaus im wohlhabenden Norden der Hauptstadt zeigt, aus dem Rettungskräfte eine Person bergen. In der Stadt Khorramabad wurden iranischen Nachrichtenagenturen zufolge sechs Menschen getötet und 43 weitere verletzt.
Unklarheit herrschte unterdessen über den Zustand der iranischen Führung: Der Zeitung "Washington Post" zufolge ist der oberste geistliche Führer Mojtaba Khamenei verletzt, isoliert und reagiert nicht auf Nachrichten. Er hatte das Amt übernommen, nachdem sein Vater Ajatollah Ali Chamenei am 28. Februar zu Beginn des Krieges getötet worden war. Seitdem wurde Mojtaba Khamenei nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.
Der Iran feuerte seinerseits in der Nacht auf Montag Raketen auf Israel ab, was unter anderem in Tel Aviv Luftalarm auslöste. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium meldete zudem den Abschuss von zwei ballistischen Raketen, die auf die Hauptstadt Riad abgefeuert worden seien. Die Revolutionsgarden erklärten, die Straße von Hormuz werde im Falle eines US-Angriffs auf Energieanlagen so lange komplett gesperrt bleiben, bis die zerstörten Kraftwerke wieder aufgebaut seien.
Angriff auf Stromanlagen hätte drastische Folge am Golf
Die faktische Blockade der Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert wird, hat bereits eine schwere Ölkrise ausgelöst. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, stuft sie als sehr gravierend ein. Sie sei schwerer als die beiden Ölschocks in den 1970er-Jahren und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Gasversorgung zusammen, so Birol.
Ein Angriff auf die Stromversorgung hätte für die Golfstaaten katastrophale Folgen, da Länder wie Bahrain und Katar ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen decken. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent.
Der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Krieg hat bisher mehr als 2.000 Menschen das Leben gekostet. Er hat die globalen Märkte in Aufruhr versetzt und Sorgen vor einem weltweiten Inflationsschub geschürt. Parallel dazu liefert sich Israel heftige Gefechte mit der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon. Ein israelischer Militärsprecher stellte sich auf eine längere Auseinandersetzung ein. Man erwarte noch wochenlange Kämpfe gegen den Iran und die Hisbollah, erklärte er. Die Miliz, die sich am 2. März in den Krieg einschaltete, hat seitdem Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert. Am Montag verkündete sie Angriffe auf israelische Grenzgebiete.