oe24.TV-Interview
Österreicher in Dubai: "Raketen werden über Wasser abgefangen"
01.03.2026Unternehmer Thomas Bachheimer schildert dramatische Szenen aus Dubai.
oe24.TV: Herr Bachheimer, Sie sind als Österreicher derzeit in Dubai. Erzählen Sie uns, wie Sie den gestrigen Tag erlebt haben und was genau passiert ist.
Thomas Bachheimer: Um ehrlich zu sein, habe ich trotz der Spannungen im Mittleren Osten nicht geglaubt, dass es so weit kommt. Wir müssen bedenken, dass es nach dem Raketeneinschlag in Doha am 9. September ein Treffen der Arabischen Liga gab. Dort wurde vereinbart, dass man im Falle eines weiteren Angriffs gemeinsam reagieren würde. Gestern Mittag hörte man dann in Dubai die ersten Einschläge bzw. „Duschara“, wie wir in der Steiermark sagen. Es hat ordentlich gescheppert.
oe24.TV: Verstehe ich das richtig, dass Dubai gegen 12:00 Uhr mittags direkt vom Iran mit Raketen beschossen wurde?
Thomas Bachheimer: Das ist nur halbrichtig. Meiner Einschätzung nach galt der Schlag den US-Airbasen in den Emiraten, nicht den staatlichen Einrichtungen oder dem Emir selbst. Auch offizielle iranische Stellen betonten, dass sie nicht die VAE direkt angreifen. Das, was man hier gehört hat, war vor allem die Flugabwehr. Da Dubai und insbesondere „Die Palme“ direkt am Meer liegen, werden die Raketen über dem Wasser abgefangen. Die Trümmer fallen dann natürlich runter. Ich war gestern Abend selbst nur 100 Meter von einem Einschlag entfernt beim Essen – das hat man ordentlich gespürt, aber der Schaden blieb überschaubar.
oe24.TV: Es gab Berichte über Schäden am Flughafen und an Wahrzeichen wie dem Burj Al Arab. Was wissen Sie darüber?
Thomas Bachheimer: Es gab definitiv Trümmerteile (Debris), die den Flughafen getroffen haben. Beim Burj Al Arab habe ich Videos von kleinen Feuerflecken gesehen, aber die Schäden scheinen nicht gravierend zu sein. Es wurden Scheiben zerstört und es gab Betonschäden sowie Verletzte, aber in den westlichen Medien wurde das teilweise etwas aufgeblasen dargestellt. Wir sind in der Nacht wegen der Erschütterungen zeitweise in die Tiefgarage gegangen, sind dann aber wieder in die Wohnung im neunten Stock zurückgekehrt.
oe24.TV: Wie ist die aktuelle Situation heute Morgen? Fliegen immer noch Raketen?
Thomas Bachheimer: Heute früh wurden wir wieder durch Überflüge geweckt. Diese waren sehr hoch, die Ziele lagen also vermutlich weit weg von Dubai. Allerdings wurde die Freizone in Jebel Ali, etwa 15 Kilometer von mir entfernt, beschossen. Dort sah man Rauchschwaden. Auf der „Palme“ sind die meisten Lokale heute freiwillig geschlossen. Es sind kaum Menschen auf der Straße, aber die Lage ist entspannt – es gibt keine Panikkäufe wie damals zu Covid-Zeiten.
oe24.TV: Wie sicher fühlen Sie sich angesichts dieser massiven Angriffe?
Thomas Bachheimer: Die Flugabwehr der Emirate hat ganze Arbeit geleistet: Von 137 Raketen wurden 132 abgefangen, bei den Drohnen waren es fast 200 von etwa 210. Das gibt einem ein gewisses Sicherheitsgefühl, auch wenn die Geräusche für uns Österreicher, die Neutralität gewohnt sind, sehr beängstigend wirken.
oe24.TV: Der Flughafen ist derzeit gesperrt. Haben Sie Angst und wollen Sie zurück nach Österreich?
Thomas Bachmeier: „Lustig“ ist das alles sicher nicht, es raubt einem den Schlaf. Aber ich will hier nicht weg. Ich habe hier meine Firma und meine Arbeit. Die Emirate sind meine zweite Heimat geworden. Ich schätze den wirtschaftsliberalen Ansatz und muss sagen: Das Krisenmanagement hier ist fast so professionell wie in Österreich. Ich bleibe vorerst hier.