Vatikan

Papst: "Krieg ist wieder in Mode"

09.01.2026

Der Papst hat sich am Freitag über die internationale Lage besorgt erklärt. 

Zur Vollversion des Artikels
© Getty Images
Zur Vollversion des Artikels

 "An die Stelle der Diplomatie, die Dialog fördert und den Konsens aller sucht, tritt zunehmend eine Diplomatie der Stärke, einzelner Staaten oder von Verbündeten, die auf Macht setzt. Der Krieg ist wieder in Mode, und ein kriegerischer Eifer breitet sich aus", so der Papst am Freitag in seiner Ansprache an die im Vatikan akkreditierten Botschafter.

"Es wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegte Prinzip gebrochen, dass Staaten die Grenzen anderer Länder nicht mit Gewalt verletzen dürfen. Frieden wird nicht mehr als Gabe und erstrebenswerter Wert gesucht, sondern über Waffen, als Mittel zur Durchsetzung eigener Herrschaft. Das gefährdet das Rechtsstaatsprinzip, das die Grundlage jeder friedlichen zivilen Gemeinschaft bildet", beklagte der Papst.

Papst hebt Bedeutung des internationalen humanitären Rechts hervor

Dabei betonte Leo XIV. die Bedeutung des internationalen humanitären Rechts, dessen Einhaltung nicht von Umständen oder militärischen und strategischen Interessen abhängen dürfe. "Das humanitäre Recht gewährleistet selbst in den Schrecken des Krieges ein Mindestmaß an Menschlichkeit. Es ist eine Verpflichtung der Staaten und muss immer über den Ambitionen der Kriegführenden stehen, um die verheerenden Folgen des Krieges zu mildern - auch mit Blick auf den Wiederaufbau", erklärte der Pontifex.

Der Papst forderte erneut einen baldigen Frieden in der Ukraine. "Angesichts der dramatischen Situation in der Ukraine bekräftigt der Heilige Stuhl nachdrücklich die Dringlichkeit einer sofortigen Waffenruhe. An die internationale Gemeinschaft richte ich eindringlich den Appell, das Engagement für gerechte und dauerhafte Lösungen zum Schutz der Schwächsten nicht aufzugeben und den betroffenen Bevölkerungen Hoffnung zurückzugeben. Der Heilige Stuhl bekräftigt erneut seine volle Bereitschaft, jede Initiative zu begleiten, die Frieden und Eintracht fördert", so das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Papst Leo XIV. beklagte, dass die Zerstörung von Krankenhäusern, Energieinfrastruktur, Wohnhäusern und lebenswichtigen Einrichtungen eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts darstelle. Der Heilige Stuhl verurteile die Einbeziehung von Zivilisten in militärische Operationen. Papst Leo appellierte an die internationale Gemeinschaft, dass der Schutz der Unantastbarkeit der menschlichen Würde und des Lebens immer über nationalen Interessen stehen müsse.

Papst für Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten

In Sachen Nahost sprach sich der Papst für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. "Im Heiligen Land leidet die Zivilbevölkerung trotz des im Oktober verkündeten Waffenstillstands weiterhin unter einer schweren humanitären Krise, die das bereits erlebte Leid noch verstärkt. Der Heilige Stuhl verfolgt mit besonderer Aufmerksamkeit jede diplomatische Initiative, die den Palästinensern im Gazastreifen eine Zukunft in Frieden und dauerhafter Gerechtigkeit in ihrem Land sichern soll, ebenso wie dem palästinensischen und israelischen Volk", so der Papst.

Für das Kirchenoberhaupt bleibe die Zwei-Staaten-Lösung die Perspektive, die den legitimen Ansprüchen beider Völker gerecht werde, während leider ein Anstieg der Gewalt im Westjordanland zu verzeichnen sei, die gegen die palästinensische Zivilbevölkerung gerichtet ist. Diese habe das Recht darauf, in Frieden in ihrem Land zu leben.

Zudem verurteilte der Papst jeglichen Antisemitismus, der weiterhin Hass und Tod verbreite, und hob die Bedeutung des jüdisch-christlichen Dialogs hervor, der auf gemeinsamen biblischen Wurzeln basiere - in Anlehnung an das 60-jährige Jubiläum des Dokuments "Nostra Aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Der Papst erinnerte auch an das Leid vieler politischer Gefangener weltweit und betonte, dass Gefangene niemals allein auf die von ihnen begangenen Straftaten reduziert werden dürften. Abschließend sprach er den Regierungen, die positiv auf den Aufruf seines Vorgängers Franziskus zu Initiativen der Barmherzigkeit im Heiligen Jahr für Sträflinge reagiert haben, seinen "herzlichen Dank" aus.

Zur Vollversion des Artikels