Lage in Venezuela ist immer noch angespannt

Polizisten schießen einem Jungen (16) die Augen aus

19.07.2019

Im ganzen Land gehen immer wieder Menschen auf die Straßen.

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© ojospararufo/Instagram
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Caracas. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó liefern sich seit einem halben Jahr einen erbitterten Machtkampf in Venezuela. Nach wie vor ist die Lage höchst angespannt. Angesichts der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung in Venezuela hat das Europaparlament zusätzliche Sanktionen für die Verantwortlichen gefordert. 

Demos wegen allgegenwärtigem Mangel

Im ganzen Land gehen immer wieder Menschen wegen des allgegenwärtigen Mangels  auf die Straßen. Bewohner der Stadt San Cristóbal zum Beispiel kommen seit Monaten nur noch schwer an Grundnahrungsmittel und Medizin. Auch an Öl und Gas fehlt es den Menschen in dem eigentlich bodenschatzreichen Land.

Anfang Juli demonstrierten Rufo, sein Bruder Adrian (14) und ihre Mutter Adriana in ihrer Heimatstadt San Cristóbal. Die Familie hatten nicht einmal mehr Gas zum Kochen. 

Bei der Demonstration eröffneten regimetreue Polizisten dann ohne Vorwarnung das Feuer, berichtet CNN. Die meisten Geschosse trafen Rufo Chacon. Auch sein kleiner Bruder wurde verletzt, Polizisten schlugen mit Knüppeln auf seinen Kopf.

52 Gummigeschosse hätten sie dabei auf Rufo abgegeben – 16 davon trafen seine Augen. Der Junge ist deshalb erblindet.

 

 

Sieben Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe

Mehr als sieben Millionen Menschen benötigen in Venezuela humanitäre Hilfe. 3,7 Millionen Venezolaner seien laut UNO unterernährt. Rund 94 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, zwei Drittel in extremer Armut. Es mangelt an Nahrung, aber auch an Arzneimitteln. Die Gesundheitslage in dem lateinamerikanischen Land sei "entsetzlich." Mehr als 3,4 Millionen Venezolaner sind wegen der Not außer Landes geflohen.
 

Venezolanischer Oppositionspolitiker Zambrano im Hungerstreik

In Venezuela ist ein inhaftierter Oppositionspolitiker in Hungerstreik getreten. Der Vizepräsident des von der Opposition kontrollierten Parlaments, Edgar Zambrano, befinde sich seit neun Tagen im Hungerstreik, schrieb der selbst ernannte Übergangspräsident des südamerikanischen Krisenstaats, Juan Guaidó, am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.
 
Zambrano wolle damit "für die Rechte aller Venezolaner, seiner mit ihm verschleppten Mitstreiter und aller politischen Gefangenen" protestieren, erklärte Guaidó. Zum Gesundheitszustand des seit Mai inhaftierten Politikers äußerte sich Guaidó nicht. Er erklärte lediglich, Zambrano werde "seinen Kampf" fortsetzen.
 
Zambrano ist ein Vertrauter Guaidós. Er war am 8. Mai in Caracas von Beamten des venezolanischen Geheimdienstes festgenommen worden. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft in einem Militärgefängnis. Ihm werden Verrat und Verschwörung vorgeworfen, weil er den gescheiterten Umsturzversuch gegen den umstrittenen Präsidenten Nicolás Maduro am 30. April unterstützt hatte. Im Zusammenhang mit dem Umsturzversuch wurden gegen mehrere Oppositionsabgeordnete Strafverfahren eingeleitet.
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