Frau in der Lombardei gestorben

Schock: Zweiter Corona-Todesfall in Italien

22.02.2020

42 Infektionsfälle in Lombardei und Venetien - 450 Menschen dürfen Spital bei Padua derzeit nicht verlassen - Erhöhte Aufmerksamkeit in Österreich - Alle 181 Tests bisher negativ.

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© APA/AFP/Vietnam News Agency/STR
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Rom. Italien hat zwei Todesfälle durch das neuartige Coronavirus gemeldet. Bei den Opfern handelt es sich um einen 78-jährigen Italiener aus der Nähe von Padua sowie um eine 75-jährige Lombardin. Die Frau, die tot in ihrer Wohnung aufgefunden und positiv auf das Coronavirus getestet wurde, soll sich in der Nothilfe des Krankenhauses von Codogno infiziert haben.
 
In derselben Notaufnahme soll sich auch der 38-jährige Mann angesteckt haben, der am Donnerstag als erster Infektionsfall in Norditalien gemeldet wurde. Er hatte auch seine im achten Monat schwangere Frau infiziert. In Norditalien wurden inzwischen 42 Fälle gemeldet, konzentriert in der lombardischen Provinz Lodi und im Raum Padua (Region Venetien). Zu den Infizierten zählen auch mehrere Mediziner und Krankenpfleger.

Sorge vor weiterer Ausbreitung 

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Viruserkrankung hatten die Behörden am Freitag bereits in mindestens zehn lombardischen Städten die sofortige Schließung von Schulen, Behörden und sonstigen öffentlichen Gebäuden angeordnet. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars, Diskotheken sowie Sportzentren sollten in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilte Gesundheitsminister Speranza nach einer Krisensitzung mit. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste oder Sportevents wurden untersagt. In Venetien wurden ähnliche Maßnahmen vorbereitet, die eine Ausbreitung des Virus verhindern sollten.
 
In der Kleinstadt Vo' Euganeo bei Padua, in der der am Freitag verstorbene Patient wohnte, wurden strikte Maßnahmen ergriffen, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern, teilte der Präsident Venetiens, Luca Zaia, mit. Auf welche Weise sich die Menschen dort angesteckt haben, sei unklar. Es habe keinen Kontakt zu den Infizierten in der Lombardei gegeben.
 
300 Patienten und 150 Mitarbeiter eines Krankenhauses in Schiavonia bei Padua wurden vorsichtshalber Kontrollen unterzogen und dürfen seit Freitag nicht das Spital verlassen. In Norditalien wurden die Apotheken von besorgten Bürgern gestürmt, die sich Atemschutzmasken als Vorbeugung für die Infektion beschaffen wollten. In vielen Städten standen keine Masken mehr zur Verfügung.

Regierung werde entschlossen auf Notstand reagieren

Der italienische Premier Giuseppe Conte versicherte auf Facebook, dass seine Regierung entschlossen auf den Notstand reagieren werde. Er schloss nicht aus, dass das Kabinett weitere Maßnahmen zur Eingrenzung der Epidemie in Norditalien ergreifen könnte, nachdem am Freitag zehn Gemeinden in der Lombardei mit rund 50.000 Menschen isoliert wurden.
 
Inzwischen wurde der chinesische Staatsbürger, der vor drei Wochen mit seiner Ehefrau als erster Coronavirus-Fall in Italien bestätigt worden war, aus der Intensivstation des auf Infektionskrankheiten spezialisierten römischen Krankenhauses "Lazzaro Spallanzani" in Rom entlassen, teilten die Ärzte am Samstag mit. Aus Rom waren in den vergangenen Wochen drei Fälle gemeldet worden.
 
Italien befürchtet schwere Auswirkungen der Epidemie auf die Wirtschaft. Der Präsident des Handelsverbands Confcommercio, Carlo Sangalli, warnte, dass die Epidemie in Norditalien vor allem die Gastronomie und Lokale belasten könnten. Auch der Tourismus sei betroffen. In den Mailänder Hotels sei ein bis zu zehnprozentiger Rückgang der Besucherzahlen während der Mailänder Modewoche gemeldet worden, die Tausende Menschen in die lombardische Hauptstadt lockt.

Erhöhte Aufmerksamkeit in Österreich

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in Norditalien gelten in Österreich erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht, aber es gibt nach wie vor keinen Grund zur Panik. "Wir haben in Österreich bisher bei 181 Verdachtsfällen Testungen durchgeführt, alle waren negativ", hieß es Samstagmittag aus dem Gesundheitsministerium.
 
"Wir sind über das 'Early Warning and Response System' der EU rund um die Uhr mit allen Ländern der EU vernetzt und können damit unmittelbar nach dem allfälligen Auftauchen des Verdachts einer Verbindung nach Österreich sofort Maßnahmen ergreifen. Österreich ist sicher eines der am besten vorbereiteten Länder der EU", wurde Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einer Aussendung zitiert.

Frau und ihre drei Kinder kehren aus Quarantäne zurück

Am morgigen Sonntag sollen in Wien die vor zwei Wochen aus China zurückgekehrte Frau und ihre drei Kinder nach einer Abschlussuntersuchung aus der Quarantäne entlassen werden, hieß es am Samstag aus dem KAV. Auch die letzten Tests seien bei ihnen negativ gewesen.
 
Auch aus der Sicht von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ist die Lage "weiterhin stabil", es bestehe kein Grund zur Panik. Es gelte nach wie vor, wachsam zu sein und die Situation sehr genau zu beobachten, teilte der Minister am Samstag per Aussendung mit. Österreich sei gut vorbereitet. "Der Einsatzstab des Innenministeriums unter der Leitung von General Franz Lang tagt am kommenden Montag erneut, um über die aktuelle Lage zu beraten", kündigte Nehammer an. Der Stab befasse sich vor allem auch damit, die Aktivitäten aller Behörden, die rund um das Coronavirus im Einsatz sind, zu koordinieren und eng abzustimmen, hieß es.
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