Deutschland

Soko wegen ungeklärter Kindsmorde startet

16.10.2016

DNA-Fund des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt schreckt Ermittler und Öffentlichkeit auf.

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In Thüringen soll an diesem Montag die neue Sonderkommission zu ungeklärten Fällen von Kindstötungen seit 1990 die Arbeit aufnehmen. Es ist eine Konsequenz der Ermittler aus dem Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, die in der Nähe der sterblichen Überreste der getöteten neunjährigen Peggy aus Oberfranken sichergestellt worden waren.

Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) hatte am Freitag erklärt: "Jetzt ergibt sich durch den Funde die Chance, bei den wenigen unaufgeklärten Fällen den Faden wieder aufzunehmen." Nach Angaben eines Sprechers gibt es in Thüringen seit 1990 etwa 70 unaufgeklärte Fälle, wie viele davon Kinder sind, war nicht bekannt.

Drei Kindsmorde

Die Sonderkommission ist bei der Landespolizei Jena angesiedelt und soll eng mit der Staatsanwaltschaft Gera zusammenarbeiten. In Jena, wo das mutmaßliche NSU-Trio um Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgewachsen ist, gab es in den 90er-Jahren drei Kindsmorde, zwei von ihnen sind nicht aufgeklärt. 1993 verschwand der neunjährige Bernd Beckmann. Er wurde zwölf Tage später von Kindern tot am Ufer der Saale in einem Gebüsch gefunden. Böhnhardt war damals einer der Verdächtigen. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden.

Ein ebenfalls verdächtiger früherer Schulfreund hatte Böhnhardt zudem 2012 in einer Vernehmung des Bundeskriminalamtes bezichtigt, mit dem Mord zu tun gehabt zu haben. Nach Angaben der Geraer Staatsanwalt gibt es in dem Fall keine DNA-Spuren mehr, die ausgewertet werden könnten. Nach den bislang geführten Ermittlungen komme Böhnhardt nicht als Täter in Betracht. Auch der Mörder der zehnjährigen Ramona Kraus aus Jena-Winzerla wurde nie gefasst. Sie verschwand im August 1996. Erst im Jänner 1997 wurde in einem Waldstück bei Großburschla in Westthüringen ihre Leiche entdeckt.

Hinweis auf Zusammenhänge

Die Obfrau der Linken im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss, Katharina König, verwies am Freitag, einen Tag nach Bekanntwerden des DNA-Fundes, auf Zusammenhänge von Thüringer Neonazis und Kindesmissbrauch hin. Sollte sich bestätigen, dass der 1993 im Verdacht stehende Schulfreund eine Hütte im Umfeld der gefundenen Überreste von Peggy hatte, "würden sich Parallelen zum Mord an dem neunjährigen Buben aus Jena ergeben", erklärte sie. Zumal der Schulfreund im Verdacht stehe, an der Waffenübergabe an das NSU-Kerntrio beteiligt gewesen zu sein, und er über diverse Kontakte ins NSU-Unterstützerumfeld verfüge.

Ab Jänner 2017 will sich der Untersuchungsausschuss im Landtag mit der organisierten Kriminalität und Überschneidungen der kriminellen Netzwerke mit der Neonazi-Szene beschäftigen.

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