In Aleppo

Syrische Rebellen planen Gegenoffensive

10.08.2012

Hilfsorganisation: Lage von Syrien-Flüchtlingen immer prekärer.

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© Reuters
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Syrische Rebellen in Aleppo planen nach ihren jüngsten militärischen Rückschlägen eine Gegenoffensive in der Millionenstadt. Er habe seine Kämpfer an der Front neu aufgestellt, sagte Rebellen-Kommandant Abu Jamil am Freitag. Ein Hauptproblem stellten jedoch die Scharfschützen der Armee von Präsident Bashar al-Assad dar.

So versuche er seit zwei Tagen vergeblich, einen seiner getöteten Männer aus dem Stadtbezirk Salaheddin zu holen. Bei dem Versuch die Kontrolle über die Wirtschaftsmetropole zurückzuerlangen, hatten Regierungstruppen die Rebellen am Vortag aus einigen Stellungen vertrieben. In der umkämpften Stadt gingen die bewaffneten Auseinandersetzungen am Freitag weiter.

Nach Oppositionsangaben beschädigte die syrische Armee die berühmte Zitadelle von Aleppo mit einer Mörsergranate. Das zum Weltkulturerbe gehörende Gebäude sei von einem solchen Geschoss getroffen worden, über das niemand in Syrien außer den Regierungstruppen verfüge, erklärte der oppositionelle Syrische Nationalrat am Freitag. Demnach schlug die Mörsergranate am Eingang der Zitadelle ein, die als Juwel der islamischen Militärarchitektur des Mittelalters gilt, und zerstörte eine Marmortafel mit dem Namen der Stätte.

Ein kurzes Abflauen der Kämpfe nutzten viele Einwohner Aleppos, um zu fliehen. Sie beluden ihre Autos mit Matratzen, Kühlschränken und anderen Habseligkeiten. Seit Beginn des Aufstandes vor 17 Monaten haben nach Angaben der Vereinten Nationen 150.000 offiziell registrierte Flüchtlinge Schutz in der Türkei, Jordanien, im Libanon oder im Irak gesucht. In der Türkei lebten mittlerweile mehr als 50.000 Flüchtlinge - allein in dieser Woche seien 6000 Menschen über die Grenze gekommen.

Die Situation der syrischen Flüchtlinge im Libanon wird nach Einschätzung der Hilfsorganisation World Vision immer prekärer und droht, die Lage in dem früheren Bürgerkriegsland zu destabilisieren. Viele Flüchtlinge hätten ihre Reserven inzwischen aufgebraucht und wüssten kaum noch, wovon sie Miete und Lebensmittel bezahlen sollten, sagte Marc-Andre Hensel von der Hilfsorganisation World Vision, der sich derzeit in Beirut aufhält, am Freitag. Anders als im Irak, der Türkei oder Jordanien existierten im Libanon keine Flüchtlingslager, da die Regierung dies nicht zulasse. Flüchtende Syrer kämen daher bei Gastfamilien, Freunden und Bekannten unter oder mieteten selbst Unterkünfte. Diese seien jedoch teilweise überteuert und in desolatem Zustand.

Großbritannien stellt den Rebellen in Syrien Ausrüstung im Wert von fünf Millionen Pfund (6,3 Millionen Euro) für ihren Kampf gegen das Assad-Regime zur Verfügung. Dabei handle es sich nicht um tödliche Waffen, betonte Außenminister William Hague am Freitag in London. Unter den Hilfsmitteln seien vor allem Funk- und Kommunikationstechnik sowie medizinische Hilfe. Auch Schutzanzüge seien dabei. "Da es keine diplomatischen Fortschritte gibt, wird das Vereinigte Königreich jetzt einiges mehr tun."

Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi ist als möglicher Nachfolger des scheidenden Syrien-Vermittlers Kofi Annan im Gespräch. Der 78-jährige ehemalige algerische Außenminister habe "gute Chancen", den Auftrag im Namen der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga zu erhalten, sagte ein westlicher Diplomat mit Einblick in die Diskussionen am Freitag in Beirut.

Annan hatte vor einer Woche wegen der mangelnden Friedensbereitschaft der Konfliktparteien in Syrien und der Uneinigkeit der Vetomächte im Weltsicherheitsrat seinen Rückzug von dem Amt angekündigt. Brahimi war in der Vergangenheit als UN-Sondergesandter unter anderen in Afghanistan und im Irak tätig. Eine offizielle Bestätigung für seine Ernennung lag am UN-Sitz in New York zunächst nicht vor.

Seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten sind nach UN-Schätzungen schon etwa 17.000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten Zivilisten. Die Zahl der Vertriebenen liegt laut UNO bei 1,5 Millionen Syrern.

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