Eigenen Stab überrumpelt

Trump tischt neue “Stormy-Story” auf

04.05.2018

US-Präsident Trump liefert jetzt bei der Saga um die Schweigegeld-Zahlung an Pornostar Stormy Daniels eine völlig neue Argumentationslinie. Die Risiken sind enorm hoch.  

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© Getty Images
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Es ist eine komplette Kehrtwende – und selbst der Stab des Präsidenten wurde völlig überrumpelt: Entgegen früherer Beteuerungen, nichts über die Schweigegeld-Zahlung in der Höhe von 130.000 Dollar an Pornodarstellerin Stormy Daniels durch seinen Anwalt Michael Cohen gewusst zu haben, bestätigten US-Präsident Donald Trump und sein neuer Top-Jurist Rudy Giuliani jetzt den Geldtransfer. Und auch, dass Trump Cohen das Geld zurückgezahlt hatte. 

 

Der wahre Grund für den riskanten Strategiewechsel bleibt mysteriös. Fest steht: Washington ist in heller Aufregung. Und Trump hat selbst engste Berater völlig im Dunklen gelassen. Sprecherin Sarah Huckabee Sanders erfuhr von der Rückzahlung der Gelder an Daniels, die behauptet, 2006 mit Trump eine Sexnacht verbracht zu haben, erst von Giuliani – beim TV-Fernsehinterview… 

 

Es gab bei Giulianis Offensive, die höchstwahrscheinlich nur mit Trump abgesprochen war, keinerlei Koordination mit dem Stab im West Wing. Als die Sendung auf Fox News lief, hätten dort plötzlich wie verrückt die Handys geläutet und vibriert, so US-Medienberichte.

 

Giuliani wollte in weiteren Medienauftritten die Vorgänge verharmlosen: Der Präsident hätte erst vor zehn Tagen alle Details über die “Stormy-Gelder” erfahren, so New Yorks Ex-Bürgermeister.

 

Eigenartig auch: Giuliani erwähnte monatliche Zahlungen von Trump an Cohen von 35.000 Dollar – insgesamt hätte der Privatanwalt aber sogar 460.000 Dollar erhalten. Wegen der hohen Summe wurde sofort spekuliert, ob weitere Frauen mit Zuwendungen ein Maulkorb verpasst worden war. 

 

Giuliani beharrte auch, dass die Zuwendungen an Daniels eine “Privatsache” waren und damit “keinerlei Wahlfinanz-Gesetze verletzt wurden”.

 

Doch wenige Sätze später brachte er selbst den Wahlkampf ins Spiel. “Stellen Sie sich vor”, sagte er zu Fox-News-Moderator Sean Hannity, “das alles wäre am 15. Oktober 2016 herrausgekommen, dem Tag der letzten TV-Debatte mit Hillary Clinton”, so der ehemalige Staatsanwalt. Cohen hätte da Trump gar nicht fragen müssen, er hätte die “Sache erledigt, das Problem aus der Welt geschafft”, so Giuliani.

 

Rechtsexperte Jeffrey Toobin sagte am Sender CNN, dass der neue oberste Trump-Verteidiger hier praktisch ein “Geständnis” abgelegt hätte, dass das alles sehr wohl mit dem Wahlkampf zu tun gehabt hätte.

 

Damit könnte die Schweigegeldzahlung leicht als “illegale Wahlkampfzuwendung” klassifiziert werden, so der Experte.  

 

Der Sender NBC musste unterdessen die frühere Meldung, wonach Bundesbehörden die Telefone von Anwalt Cohen abgehört hätten, korrigieren: Die Telefonate waren lediglich “protokolliert” worden, man hatte festgehalten, wer mit wem gesprochen hatte.   


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