Welt-Analyse
Trumps riskantes Iran-Manöver
07.03.2026Es ist Donald Trumps größter Krieg – doch die Risiken für seine Präsidentschaft in Amerika sind dabei enorm
Washington. Seit einer Woche fliegen die USA und Israel Angriffe auf tausende Ziele im Iran. Gleich zum Kriegsbeginn gelang mit dem Ausschalten von Ober-Mullah Ali Khamenei und fast 50 weiteren Despoten der bisher größte Erfolg des Waffengangs. Doch seither werden kritische Fragen lauter: Das Weiße Haus gerät zunehmend in die Defensive.
Klar ist nach einer Woche: Das Dauerbombardement lässt das Regime bisher kaum wanken. Der erhoffte Volksaufstand gegen die geschwächte Führung des 93-Millionen-Einwohner-Landes blieb aus, obwohl der Tod Khameneis zunächst gefeiert wurde. Experten wenden ein, dass der Sturz der Mullahs kaum per Luftkrieg erzwungen werden kann. Nun wollen CIA und Mossad (Israel) die Kurden im Norden des Irak und Iran als „Bodentruppen“ einsetzen. Das eröffnet zwar eine neue Front für Teheran, doch die Zahl der Kurden-Kämpfer ist begrenzt.
Demokraten: Immer neue Kriegs-Gründe
Zugleich schlug der Iran stärker zurück als erwartet – und völlig überraschend auch gegen befreundete Nahost-Staaten. Die Bilder von Urlaubern im Touristen-Mekka Dubai unter Raketenbeschuss illustrieren einen wachsenden Flächenbrand. Ein Dutzend Nationen wurde bereits in den Krieg hineingezogen. Der ganze Nahe Osten wirkt wie in Flammen. Oft wird bange gefragt, ob das schon ein Weltkrieg ist.
Trump, das Pentagon und sein Kabinett straucheln unterdessen, triftige Gründe zu nennen, warum die Attacke genau zu diesem Zeitpunkt zwingend war. Außenminister Marco Rubio stolperte im ersten Anlauf: Israel habe den Iran angegriffen, sagte er, man habe Vergeltungsschläge gegen US-Basen befürchtet und deshalb einen Präventivkrieg begonnen. Das klang, als hätte Jerusalem diktiert. Trump entgegnete prompt, er habe Israel zum Handeln gedrängt. Auch sonst tauchten immer neue Kriegsgründe auf: Irans Atomprogramm, Raketen-und Drohnenproduktion, die Rolle als Terror-Drahtzieher und ein möglicher Regimewechsel – all das soll den USA und Israel keine andere Wahl gelassen haben, so Trump & Co. „Jede Stunde gibt es eine frische Erklärung“, fauchte Demokraten-Senator Chuck Schumer.
58 Prozent in der USA gegen Iran-Krieg
Kein Wunder also, dass viele Amerikaner keineswegs vom Kriegsfieber gepackt sind: Laut einer CBS-Umfrage sind 58 Prozent der US-Wähler gegen den Waffengang. 60 Prozent sagen zudem, die Trump-Regierung habe keine klare Erklärung für den Krieg geliefert, der bereits sechs US-Soldaten das Leben kostete. Groß ist der Rückschlag auch bei einem ohnehin wunden Punkt für Trump: der Wirtschaft. Billiges Benzin war bisher eine der wenigen Erfolgsmeldungen – jetzt steigen die Preise an der Zapfsäule. An der Wall Street geht es in die Gegenrichtung: Der Dow Jones verlor am Donnerstag mehr als tausend Punkte.
Während Trump nach außen mit den krie -gerischen Fortschritten prahlt und den US-Streitkräften eine „15“ auf einer „zehnstufigen Skala“ gibt, liegen in seinem engsten Beraterzirkel bereits die Nerven blank. Es soll sogar zu einem Schreiduell gekommen sein, als Stabschefin Susie Wiles Sofortmaßnahmen zur Senkung der Benzinpreise verlangte. Der Druck auf Trump wächst. Er selbst gefällt sich jedoch in seiner Rolle als „Weltführer“: Er stellte klar, dass er bei der Kür des nächsten Iran-Führers mitreden will.