Waffenruhe im Nordosten

Türkei beschießt syrische Kurden und IS

23.08.2016

In der türkischen Grenzstadt Kilis schlugen erstmals seit Monaten wieder Raketen ein.

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Vor dem Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Ankara hat die türkische Armee Stellungen der von den USA unterstützten kurdischen Milizen in Nordsyrien beschossen. Zugleich feuerte die Türkei in der Nacht zum Dienstag auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im nordsyrischen Jarablus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Im Nordosten Syriens einigten sich Kurden und Regime unterdessen auf eine Waffenruhe. Die Scharmützel im türkisch-syrischen Grenzgebiet gingen auch am Dienstag weiter. In der türkischen Grenzstadt Kilis schlugen erstmals seit Monaten wieder Raketen ein. Außerdem trafen mehrere, mutmaßlich von IS-Gebiet aus abgefeuerte Mörsergranaten den weiter östlich liegenden Grenzort Karkamis. Menschen kamen in beiden Fällen nicht zu Schaden. Die türkische Armee reagierte auf den Möserangriff laut Regierungskreisen mit einem erneuten Beschuss von IS-Stellungen.

Lösung des Syrienkonfliktes

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte am Wochenende angekündigt, dass sich die Türkei "aktiver" in eine Lösung des Syrienkonfliktes einbringen werde. Nach dem der Terrormiliz IS zugeschriebenen Anschlag in Gaziantep legte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach und forderte, die Grenze zu Syrien müsse vollständig vom IS "gesäubert" werden.

Der Beschuss der kurdischen Stellungen in Syrien in der Nacht zum Dienstag sei in der Region um Manbij, rund 20 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, erfolgt, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region. Ein US-unterstütztes Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hatte die Stadt Manbij vor kurzem vom IS zurückerobert. Der Vormarsch der YPG, des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, ist der Türkei ein Dorn im Auge.

Waffenruhe

In der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo im Nordwesten des Landes lässt die Umsetzung einer von Russland in Aussicht gestellten 48-stündigen Waffenruhe weiterhin auf sich warten. Moskau sagte am Dienstag, man wolle die Feuerpause starten, sobald die Hilfslieferungen der Vereinten Nationen bereit seien. Zunächst warteten Russland und Syrien auf Nachricht vom UN-Sondergesandten Staffan de Mistura, dass die Hilfsgüter vorbereitet seien.

In Hassaka im Nordosten Syriens hatten dagegen Verhandlungen über eine Waffenruhe Erfolg: Nach tagelangen Gefechten erzielten Kurden und Regime eine Einigung. Der kurdennahen Nachrichtenagentur Firat zufolge müssen regierungstreue Einheiten die Stadt Hassaka verlassen. Die Kurden dürften dabei Stellungen, die sie erobert hatten, behalten.

Heftige Kämpfe

Mehr als eine Woche lang hatte es zwischen Regimetruppen und Einheiten der syrischen Kurden in der Region ungewöhnlich heftige Kämpfe gegeben. Die syrische Luftwaffe flog auch Angriffe auf die Stadt. Die USA unterstützten die kurdische YPG und ließen Kampfjets über die Region fliegen, um weitere Bombardierungen zu verhindern.

Die Rolle der YPG im Syrien-Krieg wird auch Thema beim Besuch von US-Vizepräsident Biden am Mittwoch in Ankara sein. Die USA betrachten die PKK als Terrororganisation, nicht aber die YPG. Biden will der türkischen Regierung auch die Unterstützung der USA nach dem Putschversuch zusichern. Er wolle seine Bestürzung darüber zum Ausdruck bringen, dass eine demokratisch gewählte Regierung zu Fall gebracht werden sollte, hieß es aus Washington.

Biden-Visite

Vor Gesprächen mit Ministerpräsident Yildirim und Staatschef Recep Tayyip Erdogan stattet Biden dem Parlament in Ankara einen Besuch ab, das in der Putschnacht bombardiert worden war.

Im Mittelpunkt der Biden-Visite dürfte jedoch der Streit um die von der Türkei geforderte Auslieferung des in Pennsylvania lebenden Geistlichen Fethullah Gülen stehen. Erdogan macht Gülen und seine Bewegung für den Putschversuch verantwortlich. Die USA sind an ein Auslieferungsabkommen mit der Türkei gebunden. Bisher liege lediglich ein Auslieferungsgesuch vor, das sorgfältig geprüft werden müsse, heißt es aus dem Weißen Haus.
 

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