US-Wahl

Swing States: Diese Staaten entscheiden die Wahl

07.11.2016

In diesen Bundesstaaten wird die Wahl entschieden.

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© APA/AFP/DSK
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Der Kampf um das Weiße Haus wird nicht in allen Landesteilen der USA mit gleicher Intensität geführt. Denn in etwa zwei Drittel der 50 Bundesstaaten scheint bereits klar, wie das Rennen ausgeht. Die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump konzentrieren sich deshalb auf eine Gruppe von Bundesstaaten, die als das Zünglein an der Waage gelten.

DIE ROLLE DER STAATEN IM US-WAHLSYSTEM: Die Verengung des US-Wahlkampfs auf einzelne Staaten resultiert aus dem Wahlrecht. Der Präsident wird nicht direkt vom Wähler bestimmt, sondern von einem Kollegium, in das die 50 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington ihre Repräsentanten entsenden. Wie viele Vertreter ein Staat in dem aus 538 Mitgliedern bestehenden "Electoral College" hat, hängt von seiner Bevölkerungsstärke ab.

Für den Wahlsieg werden 270 Wahlleute benötigt. Von eminenter Bedeutung ist dabei die Regel, dass in den allermeisten Staaten der dortige Gewinner sämtliche Wahlmänner und -frauen zugeteilt bekommt.

BASTIONEN IN DER POLITISCHEN LANDSCHAFT: Die Demokraten haben traditionell ihren stärksten Rückhalt im Nordosten und an der Westküste der USA, die Republikaner im Süden und in den Rocky Mountains. Diese politische Geografie ist auch von dem Quereinsteiger Trump nicht völlig durcheinander gerüttelt worden. So hat Clinton die bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien (55 Wahlleute) und New York (29) de facto bereits in der Tasche. Der Republikaner Trump kann sich hingegen nur einiger bevölkerungsärmerer Staaten wie Wyoming (3), Kentucky (8) oder Alabama (9) völlig sicher sein.

Insgesamt ist Clintons Ausgangsposition deutlich besser. Die Website "realclearpolitics", die den Durchschnitt aller Umfragen berechnet, geht davon aus, dass die Demokratin "fest" bis "wahrscheinlich" 155 Wahlleute für sich verbuchen kann, Trump nur 90. Werden die Stimmen jener Staaten hinzugerechnet, die laut der Website derzeit relativ deutlich dem einen oder anderen Kandidaten "zuneigen", steht Clinton bei 256 und Trump bei 170 Stimmen. Damit bleiben nach dieser Berechnung 112 Wahlleute aus Staaten, in denen sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnet.

DIE WICHTIGSTEN "SWING STATES": Die Kipp-Staaten mit der höchsten Bevölkerungszahl und damit den meisten Wahlleuten sind Florida (29 Wahlleute), Pennsylvania (20) und Ohio (18).

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Trump muss in mindestens einem dieser drei Staaten gewinnen. In Pennsylvania scheint dies allerdings kaum noch möglich zu sein, weshalb dieser Ostküstenstaat nur noch im weiteren Sinne als "swing state" bezeichnet werden kann. Clinton liegt dort laut "realclearpolitics" mit fast sieben Prozentpunkten vorn.

Enger sieht das Rennen hingegen in Florida und Ohio aus. In Florida führt die Demokratin der Website zufolge mit rund 3,5 Punkten, in Ohio hat Trump einen hauchdünnen Vorsprung von 0,7 Punkten.

Clinton hat im Übrigen den Umfragen zufolge recht gute Aussichten, im ebenfalls bevölkerungsreichen North Carolina (15 Wahlleute) zu gewinnen. Der Südstaat war 2012 noch an den Republikaner Mitt Romney gegangen.

MÖGLICHE NEUE STAATEN AUF DER KIPPE: Trumps Kalkül, traditionell den Demokraten wohlgesonnene Staaten in großem Stil erobern zu können, scheint den Umfragen zufolge nicht aufzugehen. Stattdessen muss der unter anderem durch seinen Sexismus-Skandal unter Druck geratene Kandidat inzwischen sogar fürchten, einige republikanische Bastionen zu verlieren. Dies gilt besonders für Arizona, Georgia und Utah. Selbst im konservativen Parade-Südstaat Texas ist Clinton in aktuellen Umfragen gefährlich nahe an Trump herangerückt.

Unter diesen Staaten ist Arizona mit seinen elf Wahlleuten derjenige, in dem der Erfolg für Clinton am greifbarsten scheint. Trump führt dort laut "realclearpolitics" derzeit nur mit einem Prozentpunkt. Seit 1948 konnte nur ein einziger Präsidentschaftskandidat der Demokraten den Südweststaat erobern - das war 1996 der Ehemann der heutigen Kandidatin, Bill Clinton. In konservativen Utah könnte es indes zu einer Überraschung kommen. Weil sich viele streng-religiöse Mormonen angewidert von Trump abwenden, könnte der Quereinsteiger Evan McMullin das Rennen machen.
 

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