Verhaftet oder tot

Wie China die Corona-Whistleblower aus dem Weg schaffte

21.04.2020

Fang Bin, Li Wenliang, Chen Quishi und Li Zehua sprachen öffentlich über die katastrophalen Zustände in China. Wenige Tage später waren sie verschwunden.

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© Fotomontage: oe24; Quelle: Getty Images; Youtube
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China wurde in den letzten Tagen und Wochen immer wieder wegen des Umgangs mit der Corona-Krise angegriffen. Fehlverhalten und Vertuschung lauten die Vorwürfe, die Peking vehement zurückweist. Nun wird es für die chinesische Regierung aber immer schwieriger. Wie die "Daily Mail" am Dienstag berichtete, habe es sehr wohl Menschen gegeben, die die Vorgehensweise des Regimes an die Öffentlichkeit tragen wollte. Doch all jene sind unter mysteriösen Umständen verschwunden.

Einer von ihnen ist Fang Bin aus Wuhan. Er postete zu Beginn der Krise ein Video von aufeinander gestapelten Leichensäcken in einem Spital. Wenig später standen zwei Männer in Schutzanzügen vor seiner Tür und steckten den kerngesunden Mann vermeintlich in Quarantäne. Schnell stellte sich heraus, dass dies keine Ärzte, sondern Polizisten waren, die Fang anschließend verhörten. Da hatte er noch Glück. Sie konfiszierten zwar seinen Laptop, aber ließen ihn gehen. Eine Woche später lief die Sache anders. Nachdem er wieder ein Video postete, klopfte die Polizei wieder an. Dieses Mal nahmen sie ihn mit und von ihm hörte man zwei Monate nichts mehr.

 
Fang Bin entkam einmal der Polizei, aber kein zweites Mal.

Fang ist aber keinesfalls ein Einzelfall. Der bekannteste Whistleblower ist wohl der Arzt Li Wenliang. Er warnte als erster vor dem neuartigen Coronavirus. Die Regierung brachte ihn zum Schweigen. Wenige Tage später erlag er selbst den Folgen von Covid-19. Auch der Anwalt Chen Qiushi und der Ex-Reporter Li Zehua wurden nach Berichten über die Corona-Krise aus dem Weg geräumt. Chen filmte die katastrophalen Zustände in den Spitälern und teilte sie mit 400.000 Abonnenten auf Youtube. Dazu schrieb er: "Solange ich lebe, werde ich auch sagen, was ich gehört und gesehen habe! Ich habe keine Angst zu sterben! Warum sollte ich vor dir Angst haben, Kommunistische Partei?" Es dauerte nur wenige Tage ehe auch er plötzlich verschwand.

 
Li Wenliang kämpfte als einer der Ersten für mehr Information.

Zehua arbeitete einst sogar fürs Staatsfernsehen. Als er auf eigene Faust über die Todeszahlen in Wuhan berichtete und auch noch Spekulationen anheizte, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan stammen könnte, musste er noch während der Aufnahme vor der Polizei flüchten. Er wurde noch am gleichen Tag festgenommen.

 
Der Jurist Chen Qiushi wurde von der Regierung zum Schweigen gebracht.

Was mit den chinesischen Whistleblowern passiert, ist unklar. Allerdings sagte eine Expertin für Menschenrechte gegenüber der "Daily Mail", dass sie wahrscheinlich gefoltert werden würden. "Sie sollen gestehen, dass ihre Taten kriminell oder schädlich für die Gesellschaft waren", erklärt Frances Eve. Ist das erst einmal geschehen, so müssen sie ihre Verbrechen im Staatsfernsehen gestehen. Vom Jahresbeginn bis 26. März wurden fast 900 Fälle dokumentiert, die tagelange Haftstrafen oder auch Geldbußen nach sich zogen. Insgesamt wurden über 5.000 Chinesen verhaftet.

 
Der Reporter Li Zehua streamte seine Festnahme live im Netz

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