In Hochburg
Wahl-Debakel für Briten-Premier Starmer
27.02.2026In einer mit großer Spannung verfolgten Nachwahl in einem Wahlkreis hat die britische Labour Party von Premier Keir Starmer in der traditionellen Hochburg Manchester einen Sitz an die Grünen verloren.
Die grüne Kandidatin Hannah Spencer gewann die Nachwahl im Wahlkreis Gorton and Denton, einem Vorort von Manchester, mit fast 15.000 Stimmen, zeigten offizielle Ergebnisse am Freitag. Labour landete hinter der rechtspopulistischen Partei Reform UK auf Platz drei.
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Die Niederlage von Labour ist ein weiterer schwerer Schlag für Starmer, der so unbeliebt ist wie kein anderer britischer Regierungschef seit Beginn der Umfragen. Zudem bestätigt sie die Zersplitterung des bisherigen britischen Zwei-Parteien-Systems mit Labour (Sozialdemokraten) und den Tories (Konservative). Die Nachwahl war notwendig geworden, nachdem der bisherige Labour-Abgeordnete aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.
Labour-internes Hickhack
Die Grünen-Kandidatin Spencer ist eine 34 Jahre alte Installateurin. Sie hatte darauf gesetzt, dank der pro-palästinensischen Haltung ihrer Partei vor allem die Stimmen von Muslimen zu bekommen, die 28 Prozent der Bevölkerung in dem Wahlkreis ausmachen. Mit ihrem Sieg verfügen die Grünen nun über fünf Sitze im britischen Unterhaus. Für Reform UK trat der 44-jährige Politikwissenschaftler Matt Goodwin an. Er erhielt rund 10.500 Stimmen. Labour schickte die lokale Stadträtin Angeliki Stogia ins Rennen, die auf etwas mehr als 9.300 Stimmen kam.
Die Kandidatur des bei der Partei-Linken beliebten Bürgermeisters von Manchester, Andy Burnham, war von der Labour-Parteispitze blockiert worden. Burnhams Versuch, für einen Sitz im Parlament zu kandidieren, war allgemein als Vorstufe eines Versuchs gewertet worden, den zum rechten Parteiflügel zählenden Starmer herauszufordern.
Der britische Premierminister sah sich zuletzt wiederholt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert - unter anderem im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Starmer hatte Anfang vergangenen Jahres seinen prominenten Parteikollegen Peter Mandelson zum Botschafter in den USA ernannt, obwohl er bereits wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu dem Sexualstraftäter hielt. Zwei von Starmers engsten Beratern traten wegen der Affäre bereits zurück. Der Premierminister selbst hat dagegen erklärt, im Amt bleiben zu wollen.