Iran-Krieg
Zerreißprobe: Spritpreise werden für Trump zur Belastung
18.03.2026US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner stehen wegen der hohen Energiepreise infolge der Iran-Krise vor einer Zerreißprobe.
Ihre Strategie setzt darauf, dass der Preisschock an den Zapfsäulen nur von kurzer Dauer sein und ihre Chancen bei den Zwischenwahlen im November nicht beeinträchtigen wird. Analysten, Regierungsprognosen und die Terminmärkte zeichnen jedoch ein anderes Bild: Sie deuten darauf hin, dass die Preise für Benzin und Diesel noch lange hoch bleiben.
Das Kalkül ist riskant. Trump hat die gestiegenen Energiekosten wiederholt als geringen Preis für die Eindämmung des Irans bezeichnet. Zudem prophezeit er, die Preise würden nach Ende des Konflikts drastisch fallen. Seine Sprecherin Taylor Rogers entgegnet Zweiflern, der Präsident habe "in allem Recht behalten". Bei den Ölpreisen werde es nicht anders sein.
Die oppositionellen Demokraten wittern jedoch eine große Chance. Sie machen die hohen Lebenshaltungskosten zum zentralen Thema ihres Wahlkampfs und hoffen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern und den knappen Vorsprung der Republikaner im Senat verringern zu können. Hohe Spritpreise sind dabei ein kaum zu überschätzendes Pfund. "Sie sind die für jeden sichtbarste Erinnerung an die Sorge, ob das Leben noch bezahlbar ist", sagt der Politikwissenschaftler Chris Borick. "Es ist fast unmöglich, Wähler von einer Darstellung zu überzeugen, die ihre emotionale Reaktion an der Zapfsäule aufwiegt."
"Es wird dauern"
Der Preisanstieg hat handfeste Ursachen. Nach Beginn des Konflikts und der faktischen Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran – ein Nadelöhr, durch das normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports fließt – schnellte der Preis für US-Rohöl erstmals seit der Ukraine-Krise 2022 auf über 100 Dollar pro Barrel. US-Diesel verteuerte sich auf über fünf Dollar pro Gallone. Experten warnen, dass solche Preissprünge nur langsam zurückgehen. "Es wird dauern, bis diese Preise wieder sinken", sagt Matt Smith, Analyst bei der Energieberatung Kpler. Die saisonal hohe Nachfrage im Sommer dürfte den Druck auf die Preise zusätzlich erhöhen.
Diese Einschätzung wird von Wirtschaftsdaten gestützt. Die US-Energiebehörde EIA hat ihre Prognosen für Rohöl- und Kraftstoffpreise drastisch angehoben. Sie rechnet nun für 2026 mit einem durchschnittlichen Preis für die Nordseesorte Brent von rund 79 Dollar pro Barrel – 37 Prozent mehr als bisher mit 58 Dollar angenommen. Auch die Terminmärkte signalisieren anhaltend hohe Preise. Kontrakte für Lieferungen bis weit ins nächste Jahr hinein werden deutlich über dem Niveau von Anfang 2026 gehandelt.
Die Trump-Regierung versucht zwar, den Preisdruck abzufedern. Unter der Leitung von Stabschef Susie Wiles wurden bereits Sanktionen gegen russische Energieexporte gelockert, um zusätzliches Öl auf den Markt zu bringen. Zudem wurde gemeinsam mit verbündeten Staaten eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven beschlossen. Die USA wollen rund 200 Millionen Barrel freigeben, aber voraussichtlich über mehrere Monate hinweg, der sofortige Effekt auf die Preise dürfte begrenzt bleiben.
Analysten wie Florence Schmit von der Rabobank gehen daher von einer nur schrittweisen Normalisierung aus: "Selbst wenn morgen ein Friedensabkommen unterzeichnet würde, würde es Monate dauern, bis es zu einer vollständigen Wiederaufnahme des Verkehrs und der Energieflüsse kommt." Für die US-Autofahrer bedeutet dies vorerst weiter hohe Rechnungen an der Tankstelle - und für die Republikaner wohl eine anhaltende Zerreißprobe.