Missbrauchsopfer outete sich im Internet

Arzt in Oberösterreich

Missbrauchsopfer outete sich im Internet

Im Fall eines Wiener Arztes mit Praxis im Salzkammergut, der einen Buben sexuell missbraucht und kinderpornografische Fotos hergestellt haben soll, hat sich nun ein weiters mögliches Opfer im Internet geoutet. Der Mann (Name der Redaktion bekannt) berichtete auf der Website einer Selbsthilfegruppe von seinen Erfahrungen in einem Ferienlager in Kärnten vor 19 Jahren. Die polizeilichen Einvernahmen laufen unterdessen auf Hochtouren. Eine Kontaktaufnahme der APA mit dem Anwalt des Arztes gelang vorerst nicht.

Kinder gebadet und "gründlich" gewaschen
Der Mediziner sei damals noch in Ausbildung gewesen, so der Poster. Er habe alle Kinder in eine Badewanne steigen lassen "und zumindest mich so gründlich gewaschen, wie es mir nie wieder passiert ist". "Ein anderes Mal im selben Ferienlager hat er uns alle an die Wand stellen lassen und vorgeschlagen, dass wir alle die Hose runterlassen, um die Mädchen zu erschrecken, falls sie vorbeikommen." Dabei habe er die Buben gefilmt, schilderte das mutmaßliche Opfer.

Schwere Missbrauchsvorwürfe
Dann werden die Vorwürfe noch schwerwiegender: "Es hat mir nicht wehgetan, aber irgendwann Jahre später war ich mir ganz sicher, dass man einem Neun- bis Zehnjährigen nicht den Finger einführt um ihn richtig zu waschen. Ich fand es auch eigenartig, dass er uns nicht selber abduschen ließ nach dem Einseifen, sondern alle einzeln abduschte und 'bitte umdrehen' sagte", berichtet der Mann, der sich als "eines der Lieblingskinder" des Verdächtigen bezeichnet.

Er habe damals keine Anzeige erstattet, sagte der Mann im Gespräch mit der APA, weil er das Geschehen auch selbst lange nicht habe einordnen können. Nun erwäge er aber rechtliche Schritte.

Polizei geht mehreren Hinweisen nach
Mittlerweile haben sich einige Eltern gemeldet, deren Kinder an von dem Arzt veranstalteten Sommerlagern teilgenommen haben, berichtete der Leiter des Landeskriminalamts Oberösterreich, Rudolf Keplinger, am Mittwoch. Ob jemand konkrete Anschuldigungen vorgebracht habe, wolle er aus kriminaltaktischen Gründen nicht sagen. Die Einvernahmen der Kinder seien sehr zeitintensiv und brauchen viel Vorbereitung, schilderte er die heikle und mühevolle Arbeit der Ermittler.

Der Arzt hat offenbar als Privatperson Ferienlager für Kinder veranstaltet. Dort soll auch der Übergriff passiert sein. Auf einer eigenen, mittlerweile gesperrten Website warb der 45-Jährige für die Aufenthalte in Österreich, Deutschland und Italien mit einem Abenteuer-Programm für Buben im Alter von fünf bis zwölf Jahren.

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