28. September 2009 19:34
Erich Haider bleibt Chef der oberösterreichischen SPÖ. Der Parteivorstand
hat ihm Montagabend mit 44 Ja- zu vier Nein-Stimmen und bei zwei
Enthaltungen das Vertrauen ausgesprochen.
Vor dem Sommer 2010 soll ein außerordentlicher Parteitag über die
Vorsitzendenfrage und über eine inhaltliche und organisatorische Erneuerung
entscheiden, Haider will sich dort noch einmal der Wahl stellen. Bis dahin
will Haider einen Reformprozess in der Partei einleiten. In der
oberösterreichischen Landesregierung will er bleiben. Die
Personalentscheidungen werden aber erst am 19. Oktober bei einer Sitzung des
Landesparteivorstandes entschieden.
Die Botschaft der Wähler, die
der SPÖ ein historisches Minus von 13,4 Prozentpunkten bescherten,
will Haider "verstanden" haben. Er nehme sie mit "Demut"
an.
Haider will Regierungsamt
Erich Haider berichtete weiter, er
habe von den Gremien den Auftrag für die an die Wahl anschließenden
Regierungsverhandlungen bekommen. Er wolle schon ein Regierungsamt
übernehmen. Die Personalentscheidungen würden auch davon abhängen, welche
zwei Ressorts die SPÖ bekomme.
Er sei auch beauftragt, den Diskussionsprozess zur Neuorientierung
einzuleiten und diesen sowie den außerordentlichen Landesparteitag zu
gestalten. Er werde bei den dabei vorgesehenen Wahlen auch kandidieren. Der
geplante Reformprozess "SPÖ neu denken" solle breit angelegt
werden, auch die Bundespartei solle eingebunden werden, weil es auch Bundes-
und Europathemen gebe. Es bleibe aber dabei, dass es sich um eine Landeswahl
gehandelt habe.
Richtige Themensetzung
Die Themen im Wahlkampf seien nicht
falsch gewesen, es habe sich um Zukunftsthemen wie Jugendbeschäftigung
gehandelt. Sie seien jedoch nicht zu den Wählern durchgedrungen. Es gehe um
eine inhaltliche Schärfung des SPÖ-Profils, zudem solle es künftig um
weitere Themen gehen. Beispielsweise wolle man dem Netzwerk der Wirtschaft
ein "Netzwerk der Beschäftigung" gegenüberstellen.
Es gehe aber auch darum, mit den Themen künftig besser durchzudringen. Zur
wirtschaftlichen Lage der SPÖ Oberösterreich nach einem teuren Wahlkampf
stellte Haider fest, sie habe geordnete Finanzen. Es seien für den Wahlkampf
keine Kredite aufgenommen worden, er sei aus Rücklagen bezahlt worden. Die
Partei müsse sich allerdings auf künftiger geringere Mittel ausrichten.
Faymann vertraut Ericht Haider
SPÖ-Bundesparteichef Werner
Faymann hat am Montagabend den Beschluss der oberösterreichischen
Landespartei unterstützt, dass Landesparteichef Erich Haider trotz der
Wahlniederlage im Amt bleibt und die Partei reformieren soll. In der "ZiB2"
sagte Faymann, es sei eine Entscheidung der Landespartei. Er vertraue aber
Haider, dass dieser bis zum außerordentlichen Parteitag 2010 die Partei neu
aufstellen und Vorschläge machen werde, damit sie die nächsten Wahlen wieder
gewinnen könne. Der Bundeskanzler bekräftigte, dass er gegen personelle
Opfer sei, die Probleme nicht lösen könnten.
Zurückhaltend äußerte sich Faymann zur Forderung des steirischen
Landesparteichefs Franz Voves nach einer Erhöhung der Nettoersatzrate des
Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent. Er sei prinzipiell dafür, dass man
Arbeitslosen das Beste geben müsse, sagte der Bundeskanzler, konkret
versprechen könne er aber nichts. Investieren woll er vor allem in aktive
Arbeitsmarktpolitik.