02. September 2010 13:31
Die Staatsanwaltschaft Graz wird beim Parlament in Wien die Aufhebung der
Immunität des steirischen FPÖ-Chefs und Landtagswahl-Spitzenkandidaten
Gerhard Kurzmann wegen des umstrittenen Anti-Islam-Spiels im Internet
beantragen. Weiters wird beabsichtigt, nach dem Mediengesetz eine
Deaktivierung des Spiels "Moschee baba" auf der Homepage der
FPÖ-Steiermark zu erreichen.
Strache distanziert
Das Verfahren
sei im Moment abgebrochen, da Kurzmann aufgrund seiner Tätigkeit als
Nationalratsabgeordneter Immunität gegenüber Strafverfolgung genießt. Die
Anzeige war am Dienstag von den steirischen Grünen erstattet worden, die
Islamische Glaubensgemeinschaft will eine Anzeige nachreichen.
Ziel des Online-Spiels ist es, Moscheen und Muezzine per Mausklick zu
stoppen und damit Punkte zu sammeln. Bundesparteichef Heinz-Christian
Strache hat sich am Donnerstag von dieser Wahlwerbung seiner steirischen
Parteifreunde distanziert.
Umstrittenes Spiel bleibt online
Kurzmann gab an, kein Problem
mit einer Einvernahme bzw. Aufhebung der parlamentarischen Immunität, die
ihm als Abgeordneten zum Nationalrat zusteht, zu haben. Am Mittwoch seien
"zwei Herren von der Polizei" bei ihm gewesen, hätten ihn aber gleich darauf
hingewiesen, dass sie ihn wegen seiner Immunität nicht einvernehmen könnten.
Er stehe zu der Entscheidung, dass das Anti-Minarett-Spiel auf der FPÖ
Steiermark-Homepage online gestellt wurde, es werde auch weiterhin
dortbleiben, "selbstverständlich". Zur Aussage von FPÖ-Chef Heinz-Christian
Strache, er hätte Kurzmann das Spiel nicht angeraten, meinet der steirische
FPÖ-Chef: "Das ist Geschmackssache." Die steirische Parteispitze habe sich
so entschieden, und er habe die Verantwortung dafür.
"Leute verstehen Signale"
Kurzmann meinte am
Donnerstag, er müsse sich erst beim FPÖ-Parlamentsklub informieren, wie so
ein Verfahren im Immunitätsausschuss ablaufe. Hinsichtlich der Kritik an dem
Spiel erklärte er, das Ziel sei erreicht, man habe erfolgreich eine
Diskussion zum Thema Islam und Heimat befördert, "die Leute verstehen die
Signale".
Ein weiterer Punkt sei, dass nun auch von etwas anderem geredet werde als
dem "vermeintlichen Duell" von LF Franz Voves (S) und LHStv. Hermann
Schützenhöfer (V) an der Spitze.