Schon von klein auf wird uns eingetrichtert: Wer die Nase hochzieht, befördert den Schleim direkt in die Nebenhöhlen und riskiert schmerzhafte Entzündungen. Die vermeintlich einzig richtige Lösung: kräftig ins Taschentuch schnäuzen! Doch die Medizin räumt mit diesem hartnäckigen Mythos auf.
Laut Studie: Hochziehen ist GESÜNDER
Aus medizinischer Sicht ist das oft als ekelig empfundene Hochziehen der Nase für unsere Gesundheit tatsächlich deutlich besser als das herkömmliche Schnäuzen. Forscher der University of Virginia haben genau das untersucht. Das alarmierende Ergebnis: Beim kräftigen Naseputzen in ein Taschentuch entsteht im Nasen-Rachen-Raum ein gewaltiger Druck, dieser kann bis zu zehnmal höher sein als bei einem normalen Nieser.
Durch diesen Überdruck wird das infektiöse, virenverseuchte Sekret nicht nur nach vorne in das Papiertaschentuch befördert. Vielmehr presst du es oft auch rückwärts direkt in die sensiblen Nasennebenhöhlen und im schlimmsten Fall über die Ohrtrompete bis ins Mittelohr. Die Folge: schmerzhafte Stirn- oder Nebenhöhlenentzündungen und hartnäckige Mittelohrentzündungen.
Was beim Nasehochziehen wirklich passiert
Wenn wir den Schleim hingegen hochziehen, wird er über den Nasenboden in den Rachen transportiert. Von dort schlucken wir ihn herunter. Klingt im ersten Moment eklig? Mag sein. Für unseren Körper ist es aber ein Schutzmechanismus. Der Schleim landet nämlich direkt im Magen. Dort wartet bereits unsere ätzende Magensäure, die kurzen Prozess mit den Viren und Bakterien macht und die Krankheitserreger einfach und effektiv unschädlich macht.
Etikette vs. Medizin
Natürlich bleibt ein Problem bestehen: Das Hochziehen mag medizinisch das Beste sein, gesellschaftlich ist es aber ein No-Go. Wer beim Business-Meeting oder im Restaurant lautstark den Schleim nach hinten zieht, erntet schnell angewiderte Blicke. Wie löst man dieses Dilemma in der Schnupfen-Saison? HNO-Ärzte raten zu einem klugen Kompromiss: Wenn du zum Taschentuch greifen musst, dann schnäuze dich zumindest richtig.
Schnäuze niemals mit voller Kraft, sondern übe möglichst wenig Druck aus. Halte dabei ein Nasenloch zu und befreie das andere vorsichtig vom Schleim. So verhinderst du einen zu hohen Druck in den Nebenhöhlen. Greife außerdem immer zu Einwegtaschentüchern und verwende jedes nur einmal. Danach gilt: sofort entsorgen und gründlich die Hände waschen.