Ghosting ist eine regelrechte Epidemie in modernen Beziehungen. Laut einer aktuellen Umfrage wurden bereits 75 Prozent der Menschen von einem ehemaligen Liebhaber auf diese Weise verlassen. Für die Verlassenen führt das plötzliche Abtauchen ohne Vorwarnung oft zu großer Verwirrung und emotionaler Qual. Sie fragen sich, ob die Beziehung vorbei ist, ob sie den Kontaktabbruch verdient haben oder ob der anderen Person etwas Schlimmes zugestoßen ist.
Schwere Folgen für Ghosting Opfer
Dr. Jennice Vilhauer schreibt in der Zeitschrift "Psychology Today", dass das Verhalten unsere Fähigkeit zur Verarbeitung blockiert. Das fehlende Signal zur Reaktion schaffe demnach das ultimative Szenario der Mehrdeutigkeit. Ein gemeinsames Forschungsteam der Universität Cambridge und der Universität von Kalifornien hat das Phänomen nun genauer untersucht. In drei Analysen beleuchteten sie gelebte Erfahrungen, vorgestellte Situationen sowie digitale Live-Interaktionen. Die im "Personality and Social Psychology Bulletin" veröffentlichte Studie liefert überraschende Einblicke in den Schmerz derjenigen, die andere ignorieren.
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Studie zeigt verborgenes Ghosting Leid
Während die Opfer oft annehmen, der Verursacher habe kein Interesse mehr oder sei bereits neu vergeben, sieht die Realität häufig anders aus. Die Personen, die den grausamen Verschwinde-Akt durchziehen, werden oft von Schuldgefühlen, Scham und Reue geplagt. Die Studienautoren fassen zusammen: "Menschen, die andere ghosten, können Schuldgefühle und sogar depressive Symptome erleben, was mit der Vorstellung übereinstimmt, dass das Verletzen anderer auch einem selbst schaden kann." Besonders ausgeprägt ist dieses Gefühl, wenn der Kontaktabbruch versehentlich geschah. Ausgelöst wird dies unter anderem durch Ablenkung im Alltag, verzögerte Reaktionszeiten und schlichte Vergesslichkeit.
Die Experten stellten fest, dass schon eine minimale Mitteilung wie "Entschuldigung, kann nicht sprechen" ausreicht, um Missverständnisse und verletzte Gefühle für das Opfer deutlich zu reduzieren. In einer Zeit, in der romantische, soziale und berufliche Kommunikation zunehmend online stattfindet, ist diese Art der Zurückweisung die einfachste Form. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Erkenntnisse den Menschen künftig dabei helfen, einfache Interventionsstrategien anzuwenden und die alltägliche Kommunikation mit mehr Empathie und Wirksamkeit zu meistern.