Tennis-Legende

Tennislegende Babsi Schett über Beauty, Botox und Menopause

© Chris Singer
Aufschlag für
Barbara Schett, die sich einmal mehr für das Erste Bank Open aufwärmt. Die Tennislegende und Expertin im Sport- & Beauty-Talk.
Zur Vollversion des Artikels

Aus jeder Perspektive kennt Barbara Schett das Tennisgeschäft: als ehemalige Weltklassespielerin, die es bis auf Rang sieben der Weltrangliste schaffte, ebenso wie als langjährige TV-Expertin und Moderatorin. Auch mit 50 ist die Tirolerin ständig unterwegs – zwischen ihrer Wahlheimat Australien, Österreich und den großen Turnieren dieser Welt. Bei den Erste Bank Open, die von 24. Oktober bis 1. November in Wien stattfinden, ist Schett wieder für ServusTV im Einsatz. Im Interview spricht sie über ihre zweite Karriere vor der Kamera, das Älterwerden, Fitness und Botox – und darüber, warum Stillstand so gar nicht zu ihr passt.

Ihre zweite Karriere als TV-Tennisexpertin liebt Barbara Schett genauso wie jene als Österreichs Weltklassespielerin, die sie 2005 beendete. © Chris Singer
“Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass ich das schaffe.”

Babsi Schett

Sie haben sich nach Ihrer Tenniskarriere eine beachtliche TV-Karriere aufgebaut. War das von Anfang an Ihr Plan und wie schwer war es, sich hier durchzusetzen?

Barbara Schett: Ich bin ein Mensch, ich brauche eine Richtung. Schon 2004, im letzten Jahr auf der Tour, habe ich mir gedacht: Was interessiert mich, in welche Richtung möchte ich danach gehen? Klar war, dass ich etwas mit Tennis machen möchte. Eurosport hat sich unmittelbar nach meinem Karriereende gemeldet. Im Jänner 2005 habe ich aufgehört, im Mai durfte ich bei den French Open mitarbeiten. Anfangs habe ich mehr kommentiert, als Expertin gearbeitet und ein paar Interviews gemacht, bei denen ich höchst nervös war. Dann ist es immer mehr geworden. Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass ich das schaffe. Aber es ist gewachsen, ich bin daran gewachsen. Und heute kann ich selbst nicht glauben, dass ich den Job mittlerweile seit 22 Jahren mache. Das hätte ich mir nie träumen lassen.

Inzwischen sind Sie kaum aus der Tennis-Berichterstattung wegzudenken. Arbeiten Sie jetzt mehr als damals als Tennisspielerin?

Schett: (lacht) Das würde ich nicht sagen. Aber ich bin schon sehr viel unterwegs, das stimmt. Mittlerweile kann ich jedoch auch selektiv sein. Mein Familienleben, das ja grundsätzlich in Australien ist, bedeutet mir sehr viel. Deshalb muss ich, wenn ich von der Familie weg bin, etwas tun, das ich mit Leidenschaft machen kann. Ich muss die Leute mögen, mit denen ich arbeite.

Als Spitzensportler ist man Disziplin, harte Arbeit und Perfektionismus gewohnt. Haben Sie für Ihre Rolle im TV Coachings beansprucht?

Schett: Also ich habe nicht Journalismus studiert oder so – deshalb würde ich mich auch nie als Journalistin bezeichnen. Das war mehr "Learning by Doing". Und ich habe immer vom Team eingefordert: "Bitte sagt mir ehrlich und filterlos, was ich besser machen kann!" So wie im Tennis, da hast du nie ausgelernt. Ich bin ja auch gewohnt, Kritik anzunehmen und so wurde ich auch vor der Kamera immer sicherer. Wobei so eine Liveübertragung immer noch einen gewissen Adrenalinkick in sich birgt – das habe ich ja auch am Tennisplatz gehabt und geliebt.

“Irgendwelche Deppen gibt es sowieso immer.”

Babsi Schett

Tennis behind the scenes: Schett in der Maske. © Chris Singer

Im Fußball haben Frauen als Kommentatorinnen oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Wie empfinden Sie das beim Tennis?

Schett: Es ist schon noch immer eine Männerdomäne, aber es gibt inzwischen Frauen, die auch Männermatches kommentieren. Der Sport ist ja auch der gleiche, und als ehemalige Sportlerin weiß man ja, wie man sich am Platz fühlt. Manche fragen dennoch: "Wieso machst du das bei Männermatches?" Das ist oft in Österreich der Fall, international eher nicht. Da ist schon noch einiges zu tun, aber wenn man weiß, wovon man spricht, braucht man keine Angst zu haben. Und irgendwelche Deppen gibt es sowieso immer.

Gerade bei Frauen im TV – und auch im Sport – wird das Aussehen gerne beurteilt. Wie wichtig ist Ihnen dieses selbst?

Schett: Natürlich ist mir das Aussehen wichtig – zum einen persönlich, zum anderen denke ich, dass es bei Fernsehübertragungen auch eine Rolle spielt. Ich glaube, wenn ich ungepflegt wäre oder aussehen würde wie ein "Krapfen", würde ich das wahrscheinlich auch nicht machen. (lacht) Aber ich tue natürlich auch viel dafür. Ich habe einen gesunden Lebensstil: genügend Schlaf, irrsinnig viel Sport, kaum Alkohol. Ich gehe nie ohne Abschminken und Zähneputzen ins Bett. Ich verwende hochwertige Produkte, gehe einmal im Monat zur Gesichtsbehandlung. Dazu kommen Laserbehandlungen, Ernährung und viel Trinken. Ich möchte ja auch ganz lange gesund bleiben.

© Chris Singer

So hält sich Schett mit 50 topfit

Wie sieht es mit Nahrungsergänzung aus?

Schett: Der Darm ist ja eigentlich unser zweites Gehirn, deshalb nehme ich regelmäßig in der Früh ein Probiotikum, aber zum Beispiel auch Creatine Pure von OMNi-BiOTiC. Das ist superwichtig – für die Muskeln und das Hirn. Das ist wirklich gut: du bist viel aufmerksamer, kannst dich besser konzentrieren, was ja gerade in meinem Alter wichtig ist. OMNi-BiOTiC ist also viel, viel mehr für mich als ein Werbepartner. Ich lasse auch immer wieder meine Blutwerte checken. Ich will einfach fit bleiben, und wenn man gesund ist, wirkt sich das ja auch auf das Aussehen aus.

Über sich selbst lachen zu können, zählt Schett zu ihren Erfolgsgeheimnissen. © Chris Singer

Sie haben Ihr Alter angesprochen. Ist die Menopause auch etwas, womit Sie sich intensiv auseinandersetzen?

Schett: Ich finde es super, dass Frauen darüber sprechen. Der Austausch macht es vielleicht leichter, eine Hormonersatztherapie oder anderes zu nutzen, das einem guttut. Früher hatte ich ehrlich gesagt Angst vor den Wechseljahren, mich dann total furchtbar zu fühlen. Aber jetzt gibt es tolle Produkte, das finde ich beruhigend. Ich bin total für Hormonersatztherapie. Es geht ja auch um die Gesundheit nach dem Wechsel.

Sie haben einen 17-jährigen Sohn. Wie emanzipiert haben Sie ihn erzogen?

Schett: Sehr. Er bekommt mit, wie mein Mann mich behandelt: mit Respekt. Mein Mann hat ja damals beruflich zurückgesteckt, damit ich arbeiten kann, und hat immer gesagt: "Einer muss daheim bleiben. Fahr du, mach du, ich glaube, du brauchst das mehr als ich." Unser Sohn sieht also, dass eine Frau Karriere machen kann. Jetzt hat er seine erste Freundin, kauft Blumen, ist aufmerksam. Und auch dass Homosexualität normal ist, war mir wichtig. Das Wichtige im Leben mitzugeben, ist die Aufgabe der Eltern.

Die Austro-Tennis-Queen 2005, in ihrem letzten Jahr als Profi. © Getty Images
“Ich weiß klarer, mit welchen Menschen ich Zeit verbringen möchte.”

Babsi Schett

Tritt Ihr Sohn in die Fußstapfen seiner Eltern – als Tennisspieler?

Schett: Nein, er spielt Rugby League in Australien. Das will er professionell machen und ist auf einem sehr guten Weg.

Sind Sie angesichts der politischen Entwicklung in Europa manchmal froh, in Australien zu leben?

Schett: Manchmal schon. Wobei Österreich ein tolles, wunderschönes Land ist. Politisch möchte ich mich nicht äußern, da kann ich nur verlieren. Ob ich wieder Vollzeit in Innsbruck leben könnte, weiß ich nicht. Ich bin einfach ein Weltmensch. Das Hin und Her passt mir super. Wenn ich lange in Australien bin, brauche ich Österreich. Und nach einer Zeit hier freue ich mich wieder auf Australien. Deshalb ist mein Job ja auch perfekt für mich.

Stichwort "Ankommen": Fühlen Sie sich mit 50 angekommen?

Schett: Sicher. Du hast mehr Selbstvertrauen, weißt, was du machen willst und was nicht. Ich weiß klarer, mit welchen Menschen ich Zeit verbringen möchte. Man lebt die Zeit bewusster. Mit meinem Mann und meinem Sohn reisen, mit Freunden eine super Zeit verbringen.

Und was mögen Sie gar nicht?

Schett: Wenn Menschen negativ sind und dich dauernd runterziehen. Oberflächlichkeiten mag ich überhaupt nicht. Freundschaften müssen Tiefe haben, man muss sich vertrauen können. Deshalb gehe ich auch kaum auf große Society-Events, das raubt mir nur Energie.

© Chris Singer

Das Motivationsgeheimnis der Tennis-Queen

Sie sagen, Sie machen sehr viel Sport. Ich nehme an, vor allem Tennis spielen?

Schett: Nein, lustigerweise gar nicht so. Außerdem habe ich mir bei einem Legenden-Turnier in Wimbledon das Knie verdreht und habe jetzt einen Meniskuseinriss und Knorpelschaden. Ich habe die letzten zwei Monate Physiotherapie gemacht. Aber ich liebe Krafttraining, und wenn ich in Österreich bin, gehe ich viel wandern oder Ski fahren, in Australien schwimmen. Es ist auf jeden Fall fast jeden Tag etwas Sportliches auf dem Programm.

Müssen auch Sie sich manchmal zu Sport motivieren oder sogar zwingen?

Schett: Nein. Das ist ja auch zu früher, als ich fünf bis sieben Stunden am Tag trainiert habe, gar nichts! Jetzt mache ich eine oder eineinhalb Stunden. Das reicht mir, ich fühle mich gut, körperlich und vom Kopf her. Ich bin überzeugt, wer regelmäßig Sport betreibt, bleibt im Kopf frischer und wird älter.

Was würden Sie jemandem sagen, der weniger motiviert ist?

Schett: Es muss nicht fünfmal pro Woche sein. Wer den ganzen Tag arbeitet, macht es dreimal, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Oder man nimmt die Stiegen anstatt der Rolltreppe. Es gibt so viele Möglichkeiten, in Bewegung zu bleiben – viele wissen gar nicht, wie gut man sich durch Sport fühlen kann und wie er uns auch jünger fühlen lässt.

körperlich und geistig fit hält sich Schett mit Sport, guter Ernährung, aber auch der Freude an dem, was sie tut. © Chris Singer
“Botox? Sicher, ein bisschen was kann man immer tun.”

Babsi Schett

Und was sind Ihre Sünden? Sollte man sich nicht auch mal etwas gönnen?

Schett: Österreichische Desserts sind mein Untergang. (lacht) Ich könnte jeden Tag Kaiserschmarrn essen. Aber das muss auch mal okay sein. Manchmal gehe ich auch spät schlafen und bleibe mit Freunden sitzen. Wenn ich 90 Prozent gut mache und zehn Prozent Gas gebe, passt das. Daheim liegen und nichts tun – darin bin ich schlecht. Ich habe immer das Gefühl, die Zeit nutzen zu müssen.

Wo und wie sehen Sie sich in 20 Jahren?

Schett: Ich hoffe, dass ich körperlich und geistig fit bin, lebensfroh, unternehmungslustig und neugierig. Und blendend ausschaue. (lacht) Vielleicht kann man sich dann etwas spritzen, um 20 oder 30 Jahre jünger zu werden.

Botox: nachhelfen oder lieber natürlich?

Schett: Sicher, ein bisschen was kann man immer tun. Ein bisschen was geht immer. Alles, was natürlich wirkt, da sage ich: Das passt schon! (lacht)