Wir schreiben Listen, um unser Leben besser zu organisieren: Ziele, Wünsche, Pläne. Doch während die klassische Bucket List fragt, was wir noch erreichen wollen, stellt Ruth Moschner (50) eine andere Frage: Was dürfen wir endlich loslassen? In ihrem Buch "Die Fuck-it-List-Challenge" lädt die Moderatorin dazu ein, jene Erwartungen, Gewohnheiten und Selbstzweifel zu streichen, die Energie kosten. Die wichtigste Erkenntnis: Nicht alles, was wir tun, müssen wir auch weiterhin tun. Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem neuen Ziel, sondern mit einem bewussten Nein. "Wer ständig seine eigenen Bedürfnisse ignoriert, kann natürlich auch ein gutes Leben haben. Ist dann halt nicht das eigene", meint Ruth Moschner.
“Die Fuck-it-List ist kein Ersatz, vielmehr macht sie Platz für die wirklich wichtigen Dinge. Ein beherztes Nein öffnet die Tür zum authentischen Ja!”
Autorin Ruth Moschner
Eigene Wege gehen
Karriere, Partnerschaft, Familie, Geld, perfekter Körper, ständige Weiterentwicklung – die Liste gesellschaftlicher Erwartungen ist lang. Kein Problem, wenn es auch die eigenen Ziele sind. Doch viele Vorstellungen werden übernommen, ohne infrage gestellt zu werden. Nur weil ein bestimmter Lebensweg als "normal" gilt, muss er nicht automatisch der richtige sein. Ruth Moschner fordert dazu auf, regelmäßig zu prüfen: Will ich das wirklich – oder glaube ich nur, es wollen zu müssen? Genau hier setzt die Idee der Fuck-it-List an. Auf die persönliche Liste dürfen alle Dinge, die nicht mehr zum eigenen Leben passen: Verpflichtungen aus schlechtem Gewissen, Gewohnheiten ohne Freude, Ziele, die eigentlich gar nicht die eigenen sind. Eine besonders spannende Übung aus dem Buch ist die 100-Tage-Frage: Wenn nur noch 100 Tage blieben – was würde sich sofort verändern? Welche Sorgen wären plötzlich unwichtig? Die Antwort zeigt erstaunlich deutlich, wo kostbare Energie verloren geht.
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Nicht allen gefallen
Viele Frauen lernen früh, Rücksicht zu nehmen: niemanden zu enttäuschen und wirklich jede Erwartung zu erfüllen. Doch wer ständig versucht, es allen recht zu machen, verliert leicht den Blick für die eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Auf die Fuck-it-Liste gehört deshalb auch das "People Pleasing" – der Wunsch, durch Anpassung die Anerkennung anderer zu sichern. Selbstfürsorge bedeutet nicht, egoistisch zu sein. Sie bedeutet, für sich selbst da zu sein. Auch ein Nein braucht keine lange Erklärung. Wer die eigenen Grenzen kennt und kommuniziert, schützt seine Lebensqualität und geht respektvoll mit Beziehungen um. Das gilt für Partnerschaften ebenso wie für Freundschaften. Nicht jede Verbindung muss um jeden Preis erhalten werden. Eine Beziehung kann niemals als Beweis für den eigenen Wert dienen. Auch traditionelle Rollen dürfen differenziert betrachtet werden: Für andere da zu sein, zu unterstützen oder Verantwortung zu übernehmen, kann erfüllend sein. Problematisch wird es dann, wenn Pflichterfüllung und Aufopferung unhinterfragt zum Selbstverständnis werden und eigene Bedürfnisse keinen Platz mehr haben.
“Veränderungen dürfen Freude machen – solange sie aus Selbstliebe entstehen und nicht aus dem Gefühl, sonst nicht gut genug zu sein.”
Rutsch Moschners Botschaft
Schönheit neu denken
Kaum ein Bereich unseres Lebens ist so stark von Erwartungen geprägt wie unser Körper. Schlanker, jünger, fitter, schöner – der Druck, sich ständig verbessern zu müssen, begleitet viele Frauen ein Leben lang. Doch Ruth Moschners Botschaft ist klar: Der eigene Körper ist kein Projekt, das irgendwann perfekt abgeschlossen sein muss. Auf die Fuck-it-Liste gehören deshalb Vergleiche, unrealistische Schönheitsideale und die Vorstellung, erst dann glücklich sein zu dürfen, wenn wir einem bestimmten Bild entsprechen. Gerade soziale Medien fördern diese Spirale, weil echte Körper mit bearbeiteten Bildern verglichen werden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: "Wie sehe ich im Vergleich zu anderen aus?" Sondern: "Wie möchte ich mich in meinem Körper fühlen?" Dabei geht es nicht darum, auf Pflege, Mode, Sport oder kosmetische Behandlungen zu verzichten. Veränderungen dürfen Freude machen – solange sie aus Selbstliebe entstehen und nicht aus dem Gefühl, sonst nicht gut genug zu sein. Schönheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Ausdruck, Lebendigkeit und das Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein.
Wert ohne Beweis
Geld, Erfolg und Leistung werden in unserer Gesellschaft oft mit Sicherheit, Anerkennung und persönlichem Wert verbunden. Ruth Moschner rät, diese Verbindung zu hinterfragen: Geld kann Freiheit schaffen, Möglichkeiten eröffnen und ein selbstbestimmtes Leben erleichtern – doch es entscheidet nicht darüber, wie wertvoll ein Mensch ist. Auf die Fuck-it-Liste gehört deshalb die Überzeugung: "Ich bin nur etwas wert, wenn ich erfolgreich bin oder etwas vorweisen kann." Ziele zu verfolgen, sich anzustrengen und Verantwortung zu übernehmen, bleibt wichtig. Doch der eigene Wert sollte nicht allein von Einkommen, Karriere, Aussehen oder Anerkennung abhängen. Auch der Umgang mit Geld ist geprägt von Erfahrungen, Erwartungen und gesellschaftlichen Bildern. Besonders Frauen kennen noch immer Vorstellungen wie "Frauen können schlechter mit Geld umgehen" oder die Idee, finanzielle Sicherheit sei vor allem Aufgabe anderer.
“Wir müssen nicht bis zum Lebensende warten, ehe wir lassen, was wir nicht mehr wollen.”
Ruth Moschner
Moschner macht Mut, die eigene Beziehung zu Geld bewusst zu betrachten. Geld kann Sicherheit und Freiheit schenken. Erfolg kann Freude machen. Leistung kann erfüllend sein. Aber nichts davon entscheidet über den Wert eines Menschen. Weniger müssen. Weniger vergleichen. Weniger beweisen. Dafür mehr leben – auf die eigene Art. Gerade der Urlaub bietet die Gelegenheit, den eigenen Alltag zu betrachten und eine persönliche Fuck-it-Liste zu erstellen. Oder, wie Ruth Moschner schreibt: "Wir müssen nicht bis zum Ende unseres Lebens warten, ehe wir lassen, was wir nicht mehr wollen."