Ex-Chef der Hypo Alpe Adria wird angezeigt

04.12.2009

Tilo Berlin soll beim – zu teuren – Verkauf der Hypo an die BayernLB mitkassiert haben. In Deutschland wird Strafanzeige gegen ihn eingebracht.

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Die Hypo-Causa wird jetzt zum Fall für die Justiz – allerdings (vorerst) nur in Deutschland. Konkret geht es um den Kauf der Hypo Group Alpe Adria durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) im Mai 2007. Die bayrischen Grünen bringen in diesem Zusammenhang jetzt Strafanzeigen gegen alle damals verantwortlichen Vorstände ein.

Die BayernLB hätte den Kauf der Hypo für knapp 1,7 Mrd. Euro überhastet und ohne ausreichende Prüfung der Risiken abgewickelt, so der Vorwurf. Für ihren Anteil hätte die BayernLB laut einem Prüfbericht nur knapp 1,2 Mrd. Euro bezahlen dürfen.

Anzeige gegen Berlin

Wie ÖSTERREICH erfuhr, wird auch eine Strafanzeige gegen Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin eingebracht. Das bestätigte der grüne Haushaltssprecher im bayrischen Landtag, Eike Hallitzky, gestern Abend gegenüber ÖSTERREICH: "Die Anzeige befasst sich mit Wirtschaftskriminalität und wird heute von unseren Juristen geprüft.“ Berlin hätte den Deal eingefädelt und selbst mitverdient. Der von ihm verwaltete Fonds hätte durch den Hypo-Verkauf 140 Mio. Euro Gewinn gemacht. "Es ist naheliegend, dass Herr Berlin da Dreck am Stecken hat.“

Bayern-Minister spricht von Zwangsverstaatlichung

Der Druck auf eine Rettung der Hypo Alpe Adria Bank steigt. Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) will der angeschlagenen Österreichtochter der BayernLB finanziell nicht mehr unter die Arme greifen, wie er in der "Financial Times Deutschland" deponierte.

Fahrenschon deutete an, dass Bayern auf ein Szenario hinarbeitet, dass die Kärntner Bank durch die österreichischen Finanzaufsichtsbehörden zwangsverstaatlicht wird. "Für Bayern ist die Hypo nicht systemrelevant, aber für andere Regionen", sagte er. Fahrenschons Ankündigung erhöht den Druck bei den anstehenden Verhandlungen mit Regierungsvertretern aus Wien sowie Kärnten. Bis 11.12. muss die Bank gerettet sein. Dann tagt eine außerordentliche Hauptversammlung.

Bisher hieß es, die BayernLB - die dem Freistaat Bayern gehört - schieße zumindest 1 Mrd. Euro der benötigten 1,5 Mrd. Euro zu. Selbst diese Hilfe ist jetzt unsicher, schreibt das deutsche Blatt, zitiert zugleich aber Insider, die von "Poker" sprechen, um Österreich und Kärnten zur Rettung zu zwingen.

Indessen warten sowohl die Eigentümer als auch die österreichische Politik auf den Prüfbericht zur Hypo – bisher soll nur ein Interimspapier vorliegen. Das sogenannte "Asset Screening“ ist laut Insidern noch immer nicht abgeschlossen. Die Prüfer von PricewaterhouseCoopers sollen feststellen, wie hoch der Kapitalbedarf der Hypo ist – zuletzt war von 1,5 Mrd. Euro die Rede, es könnten jedoch deutlich mehr sein. Der Bericht soll die Grundlage für ein Fortführungskonzept liefern.

Bei HGAA-Pleite droht Tiroler Hypo hohe Haftung

Eine Pleite der Hypo Alpe Adria könnte auch die Tiroler Hypo teuer zu stehen kommen. Im Fall einer Insolvenz der Kärntner Bank müssten die anderen Landeshypos einspringen. Die Tiroler Hypo müsste sich ebenfalls an der Sicherung der Spareinlagen der ins Trudeln geratenen Bank beteiligen, was die landeseigene Bank bis zu 80 Mio. Euro kosten könnte. Helmut Mader, Chef des Aufsichtsrates der Tiroler Hypo, beschwichtigte allerdings: "Der Worst Case wird jedoch nicht eintreten. Ich rechne nicht mit einer Insolvenz der Hypo Alpe Adria", wird er in der "Tiroler Tageszeitung" zitiert.

Auch Hypo-Verbands-Chef Wilhelm Miklas ging nicht von einer Pleite der Bank aus. Er hofft auf eine politische Lösung durch den Bund. "Das werden sich weder Tirols Landeshauptmann Günther Platter noch die anderen Landeschefs gefallen lassen, für die Freunde im Süden zu zahlen," sagte er.

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